Die systemische Sklerose (SSc) ist eine seltene, potenziell lebensbedrohliche Autoimmunerkrankung, die durch Fibrosierung der Haut und innerer Organe gekennzeichnet ist. Vor allem die diffuse kutane Verlaufsform (dcSSc) – früher als Sklerodermie bezeichnet – geht mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität einher. Lungenbeteiligungen wie die interstitielle Lungenerkrankung (ILD) sind häufige Komplikationen und Hauptursache für die Letalität.
Prognosemarker für dcSSc fehlen bisher
Die Prognose variiert stark – valide Biomarker zur frühzeitigen Risikoabschätzung fehlen jedoch bislang. Klassische Entzündungsmarker wie CRP oder ANA-Titer korrelieren nur eingeschränkt mit dem Krankheitsverlauf bei dcSSc.
In Sachen Prognosemarker ist in den letzten Jahren vermehrt der Typ-I-Interferon-(IFN)-Signalweg in den Fokus der Forschung gerückt. Hinweise auf dessen pathophysiologische Relevanz stammen vor allem aus genetischen und transkriptomischen Analysen. Ob eine erhöhte Aktivität des IFN-Signalwegs im Serum jedoch tatsächlich mit der Krankheitsaktivität und dem klinischen Verlauf bei dcSSc korreliert, war bisher unklar.
Retrospektive Analyse zweier dcSSc-Kohorten
Das wollte eine US-amerikanische Forschergruppe ändern: Unter Federführung der Yale- Universität wurde in einer retrospektiven Kohortenstudie der Zusammenhang zwischen Serum-IFN-Scores und klinischen Endpunkten bei Patienten mit dcSSc untersucht. Analysiert wurden Daten aus zwei etablierten Kohorten: Der US-amerikanischen PRESS-Inzidenzkohorte (n = 110) und der britischen STRIKE-Prävalenzkohorte (n = 72). Als Vergleich dienten 32 gesunde Kontrollpersonen.
Die Klassifikation in IFN-hoch und IFN-niedrig erfolgte auf Basis der Serumkonzentrationen von sechs IFN-induzierten Chemokinen (CCL2, CCL8, CCL19, CXCL9, CXCL10, CXCL11), gemessen mittels Luminex-Multiplex-Assay. Als primäre Endpunkte galten Veränderungen des modifizierten Rodnan Skin Scores (mRSS), der Lungenfunktionsparameter forcierte Vitalkapazität (FVC) und Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid (DLCO) sowie des Health Assessment Questionnaire-Disability Index (HAQ-DI) nach 12 Monaten.
Hoher IFN-Score korreliert mit schlechter Lungenfunktion
In der PRESS-Kohorte wiesen IFN-hoch-Patienten bereits zu Studienbeginn signifikant schlechtere Lungenfunktionswerte auf (FVC: 72,0 % vs. 85,3 %; DLCO: 56,8 % vs. 76,6 %). Auch die funktionelle Beeinträchtigung (HAQ-DI) war ausgeprägter (Median 1,4 vs. 0,8). Diese Unterschiede persistierten während der Nachbeobachtungszeit (Median: 34 Monate).
In der STRIKE-Kohorte zeigte sich, dass Patienten mit hohem IFN-Score eine kürzere mediane Erkrankungsdauer aufwiesen, was auf eine höhere Krankheitsaktivität hindeutet. Zudem verschlechterte sich bei 39 % der IFN-hoch-Patienten die FVC innerhalb von 12 Monaten, verglichen mit 17 % der IFN-niedrig-Gruppe. Die 5-Jahres-Mortalität war in der IFN-hoch-Gruppe deutlich erhöht (24,9 % vs. 8,6 %).
Mit IFN-Score Risikopatienten identifizieren
Die Studienergebnisse liefern Hinweise darauf, dass der Serum-IFN-Score ein valider Marker für die Krankheitsaktivität und Prognose bei dcSSc sein könnte. Der IFN-Score erlaubt eine frühe Identifikation von Hochrisikopatienten – unabhängig von der Krankheitsdauer oder bisherigen Therapie. Die prädiktive Aussagekraft vor allem im Hinblick auf die pulmonale Verschlechterung und Gesamtmortalität könnte von klinischem Nutzen sein.
Zwar sei die Studie retrospektiv angelegt worden, dennoch sind die Autoren der Ansicht, dass die konsistenten Ergebnisse in zwei unabhängigen Kohorten den IFN-Score als künftigen Risikomarker bei dcSSc prädestinieren. Eine prospektive Validierung in größeren Kohorten müssten die nächsten Schritte sein, um den IFN-Score langfristig in klinische Entscheidungsalgorithmen zu integrieren.







