Die Kinder-Diabetologie hat seit der Erstauflage ihrer Leitlinie im Jahr 2009 und deren Aktualisierung 2015 bedeutende Fortschritte erlebt. Diese Entwicklungen spiegeln sich in der neuesten Version der S3-Leitlinie wider, die den höchsten Evidenz-Level aufweist und umfassende Änderungen und Erweiterungen beinhaltet.
Erweiterung des Expertenteams und Einbeziehung weiterer Berufsgruppen
Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, wurde das Team der Leitlinien-Mitarbeiter und Kapitelautoren erweitert. Jeder bisherige Kapitelautor erhielt Unterstützung durch ein bis zwei neue Autoren, um ein breiteres Spektrum an Expertise zu gewährleisten. Zudem wurden weitere Berufsgruppen eines Diabetesteams, wie Diabetesberatung und Ernährungsberatung, sowie eine Patientenvertreterin in den Erstellungsprozess einbezogen.
Neue und erweiterte Kapitel
Die Leitlinie berücksichtigt alle Formen von Diabetes im Kindes- und Jugendalter, wobei der Fokus auf dem häufigsten Typ, dem Typ-1-Diabetes, liegt. Sie beinhaltet Empfehlungen, die das gesamte Spektrum der pädiatrischen Diabetologie abdecken und die Besonderheiten der verschiedenen Altersgruppen berücksichtigen.
Sie umfasst neue Kapitel wie „Telemedizin und Videosprechstunde“ und „Inklusion und Teilhabe“. Bestehende Kapitel, wie „Risikofaktoren, Früherkennung und Prävention“, „Diabetes und Technologie“ und „Andere Diabetesformen“, wurden deutlich erweitert. Zudem wurden spezifische Themenbereiche wie „Ernährungstherapie“ und „Transition“ in eigenen Kapiteln behandelt.
Insulinpumpentherapie und CGM
Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist die Empfehlung, dass die Insulinpumpentherapie und das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM) allen Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes angeboten werden sollen. Dies gilt sowohl für die initiale Therapie nach Manifestation als auch den Wechsel von der intensivierten konventionellen Therapie (ICT). Die Möglichkeit, Insulinpumpe und CGM zu einem automatisierten Insulindosierungssystem (AID) zu erweitern, sollte gegeben sein, und AID allen geeigneten Patienten im Rahmen der entsprechenden Zulassungen angeboten werden.
Individuelle Therapieziele und Parameter
Wie in der ebenfalls kürzlich aktualisierten S3-Leitlinie zu Typ-1-Diabetes spielt auch in der Leitlinie zu pädiatrischen Diabetesformen die partizipative Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle. Es wird empfohlen, individuelle Therapieziele gemeinsam mit dem Kind bzw. Jugendlichen und seiner Familie zu formulieren. Dabei sollte der angestrebte HbA1c-Wert unter 7,0% (<53 mmol/mol) liegen, ohne dass schwere Hypoglykämien auftreten. Daneben werden nun ergänzend Sensorparameter wie der Glukose-Management-Index (GMI), eine Zeit im Zielbereich (Time In Range, TIR) von über 70% und eine Zeit unterhalb des Zielbereichs (Time Below Range, TBR) von unter 4% aufgeführt.
Zielgruppe und Anwendungsbereich
Die Leitlinie richtet sich an alle Berufsgruppen, die Kinder und Jugendliche mit Diabetes und deren Familien betreuen und unterstützen. Sie dient auch als Orientierungshilfe für übergeordnete Organisationen, die mit der Erkrankung befasst sind.









