Time in Range bei Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes erhöhen

Eine aktuelle Studie vergleicht verschiedene Arten der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und Insulinverabreichung bei Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes und zeigt, wie diese mit dem Erreichen der Time in Range zusammenhängen.

Zielbereich

Für Jugendliche mit Typ-1-Diabetes ist es eine große Herausforderung, die empfohlenen glykämischen Ziele zu erreichen [1]. Dabei wirken sich glykämische Fluktuationen zu Beginn des Krankheitsverlaufs sowie hohe Blutglukosekonzentrationen generell negativ auf die Langzeitprognose von jungen Patienten aus [2,3]. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, das Risiko einer Hyperglykämie und ausgeprägte Schwankungen im Blutglukosespiegel zu minimieren.

Die Time in Range ist ein relevanter Messwert in der klinischen Beurteilung. Sie gibt die Zeit an, in der der Blutglukosespiegel in einem akzeptablen Bereich von 70-180 mg/dl liegt. In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler untersucht, mit welcher Behandlungsart die Time in Range bei Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes am besten erreicht werden kann [3].

Insgesamt wurden 5.219 Jugendliche (unter 21 Jahren) aus 21 Ländern eingeschlossen, die seit mindestens sechs Monaten mit einem Typ-1-Diabetes lebten. Das mediane Alter betrug 14,4 Jahre (Interquartilsabstand [IQR]: 11,2-17,1), die mediane Dauer der Diabeteserkrankung betrug 5,2 Jahre (IQR: 2,7-8,7) und der HbA1c-Wert lag im Median bei 7,4% (IQR: 6,8%-8,0%).

Art der Glukosemessung und Insulinverabreichung zählt

Die Teilnehmer der Studie wurden in vier Behandlungsgruppen abhängig von der Art ihrer Glukosemessung sowie Insulinverabreichung eingeteilt:

  • Intermittierend gescannte CGM plus Insulinpumpe (850 Teilnehmer)
  • Intermittierend gescannte CGM plus Injektionsverfahren (1.231 Teilnehmer)
  • Echtzeit-CGM plus Insulinpumpe (2.252 Teilnehmer)
  • Echtzeit-CGM plus Injektionsverfahren (886 Teilnehmer)

Im Rahmen der Analyse wurde der Anteil der Patienten in jeder Behandlungsgruppe berechnet, der die empfohlenen CGM-basierten Ziele erreichte, die definiert sind als >70% Time in Range (70-180 mg/dl), <25% Time above Range (>180 mg/dl) und <4% Time below Range (<70 mg/dl). Die Analyse zeigte, dass die Behandlungsart mit dem Anteil der Personen, die die klinischen Ziele erreichten, in Zusammenhang stand.

Echtzeit-CGM plus Insulinpumpe erhöhen die Time in Range

Dabei war der Anteil der Patienten, die jeweils >70% Time in Range, <25% Time above Range und <4% Time below Range erreichten, in der Behandlungsgruppe am höchsten, die Echtzeit-CGM in Kombination mit einer Insulinpumpe nutzte, gefolgt von Echtzeit-CGM plus Injektionsverfahren, intermittierend gescannte CGM plus Injektionsverfahren und schließlich intermittierend gescannte CGM plus Insulinpumpe:

Art der Glukosemessung / Insulinverabreichung

Anteil der Patienten mit >70% Time in RangeAnteil der Patienten mit <25% Time above RangeAnteil der Patienten mit <4% Time below Range

Echtzeit-CGM
plus Insulinpumpe

36,2% (95%-KI: 33,9% bis 38,4%)32,5% (95%-KI: 30,4% bis 34,7%)73,1% (95%-KI: 71,1% bis 75,0%)

Echtzeit-CGM
plus Injektionsverfahren

20,9% (95%-KI: 18,0% bis 24,1%)20,6% (95%-KI: 17,7% bis 23,8%)68,5% (95%-KI: 64,9% bis 71,9%)

Intermittierend gescannte CGM
plus Injektionsverfahren

12,5% (95%-KI: 10,7% bis 14,4%)13,4% (95%-KI: 11,6% bis 15,5%)49,7% (95%-KI: 46,8% bis 52,7%)

Intermittierend gescannte CGM
plus Insulinpumpe

11,3% (95%-KI: 9,2% bis 13,8%)12,8% (95%-KI: 10,6% bis 15,4%)47,6% (95%-KI: 44,1% bis 51,1%)

KI: Konfidenzintervall. CGM: kontinuierliche Glukosemessung.

Zusammenhang auch zwischen Behandlungsart und Akutkomplikationen

Die Art der Glukosemessung und Insulinverabreichung hing auch mit der Wahrscheinlichkeit für Akutkomplikation der Insulintherapie zusammen. Dabei war der Anteil der Patienten, die schwere Hypoglykämien erfuhren, in den Behandlungsgruppen, die Echtzeit-CGM mit (2,5% [95%-KI: 2,0% bis 3,3%]) oder ohne (2,0% [95%-KI: 1,2% bis 3,3%]) Insulinpumpe nutzten, geringer als in den Gruppen, die intermittierend gescannte CGM mit (5,5% [95%-KI: 4,1% bis 7,2%]) oder ohne (5,2% [95%-KI: 4,0% bis 6,6%]) Insulinpumpe verwendeten. Auch der Anteil der Patienten mit mindestens einem Ereignis einer diabetischen Ketoazidose war in den Behandlungsgruppen, die Echtzeit-CGM mit (1,4% [95%-KI: 1,0% bis 2,0%]) oder ohne (0,7% [95%-KI: 0,3% bis 1,6%]) Insulinpumpe nutzten, geringer als in den Gruppen mit intermittierend gescannter CGM, mit (3,0% [95%-KI: 2,0% bis 4,4%]) oder ohne (1,5% [95%-KI: 1,0% bis 2,4%]) Insulinpumpe.

Diese Ergebnisse unterstreichen die bedeutenden Auswirkungen der gleichzeitigen Verwendung von Echtzeit-CGM und Insulinpumpen bei Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes.

Autor:
Stand:
16.03.2023
Quelle:
  1. Foster et al. (2019): State of type 1 diabetes management and outcomes from the T1D Exchange in 2016-2018. Diabetes Technology & Therapeutics, DOI: 10.1089/dia.2018.0384.
  2. Mauras et al. (2021): Impact of type 1 diabetes in the developing brain in children: a longitudinal study. Diabetes Care; DOI: 10.2337/dc20-2125.
  3. Dovc et al. (2023): Association of achieving time in range clinical targets with treatment modality among youths with type 1 diabetes. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2023.0077.
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