In der AiDAPT-Studie zeigte sich, dass die kontinuierliche Blutzuckermessung (CGM) mit oder ohne Insulinpumpe in der Schwangerschaft nicht für eine optimale glykämische Kontrolle ausreicht, berichtete Professor Dr. Helen Murphy von der University of East Anglia in Norwich [1]. Ein hybrides Closed-Loop-System („künstlicher Pankreas“) führte zu einer besseren glykämischen Kontrolle und zu positiven Auswirkungen auf mütterliche und kindliche Endpunkte des Schwangerschaftsausgangs bei Frauen mit Typ-1-Diabetes (T1D) [1, 2].
Studiendesign
In der multizentrischen Studie wurden 124 Schwangere mit Typ-1-Diabetes und einem HbA1c-Wert ≥6,5% (im Mittel 7,7%) randomisiert einer Standard-Insulintherapie (n=63, mit Pumpe oder multiplen Injektionen) oder einer Therapie mit einem hybriden Closed-Loop-System (n=61) zugewiesen. Beide Gruppen verwendeten einen CGM-Sensor (Descom G6/G7). Das hybride Closed-Loop-System bestand aus einem Smartphone mit der App CamAPS FX, die den Algorithmus Cambridge model predictive control (Version 0.3.71) verwendet. Das Smartphone war über Bluetooth mit dem CGM-System und der Insulinpumpe Dana Diabecare RS verbunden. Alle vier Wochen bis zur Geburt erfolgte eine Kontrolluntersuchung.
Primärer Endpunkt war der prozentuale Anteil im Zielbereich (engl. time in range, TiR) in der Zeit zwischen 16. Woche nach Gestation bis zur Geburt. Als Zielbereich wurde in diesem Zeitraum ein Blutzuckerspiegel von 63–140 mg/dl (3,5–7,8 mmol/l) definiert.
Gute Akzeptanz des künstlichen Pankreas
Das hybride Closed-Loop-System wendeten die Frauen in der Interventionsgruppe über den gesamten Zeitraum hinweg zu über 90% der Zeit an. Das resultierte in der Zeit von der 16. Woche nach Gestation bis zur Geburt in einer TiR von 68,2% gegenüber 55,6% bei Standardtherapie. Die adjustierte Differenz betrug 10,5% und war statistisch signifikant (p<0,001). Die TiR mit dem Closed-Loop-System war im Vergleich zur Standardtherapie über den gesamten Schwangerschaftsverlauf hinweg überlegen. Das galt für alle Tageszeiten, mit bis zu 90% TiR nachts.
Das mütterliche Alter, der Ausgangs-HbA1c und die Art der Insulintherapie vor Studienbeginn beeinflussten die TiR-Ergebnisse nicht.
Reduktion mütterlicher Komplikationen
In der Closed-Loop-Gruppe waren 20% der Frauen von einer Verschlechterung einer bestehenden Hypertonie oder einer neu aufgetretenen hypertensiven Schwangerschaftserkrankung betroffen, in der Standardgruppe 42% (p=0,02). Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft war mit dem künstlichen Pankreas im Mittel geringer als mit der Standardtherapie (11,1 vs. 14,1 kg; p=0,02).
Eine Fehlgeburt gab es in einem Fall mit dem Closed-Loop-System und in drei Fällen im Standardarm. Nur im Standardarm kam es zu einer Totgeburt. Eine Frühgeburt vor der 37. Woche nach Gestation war allerdings im Closed-Loop-Arm der Studie häufiger als im Standardarm (46% vs. 23%).
Neonatologische Ergebnisse
Das mittlere Geburtsgewicht betrug in der Closed-Loop-Gruppe 3,3 kg, in der Standard-Gruppe 3,5 kg. Unterschiede zeigten sich im Anteil der Neugeborenen, die groß (39% vs. 50%) oder extrem groß (22% vs. 32%) für ihr Gestationsalter waren. Über 4 kg wogen bei Geburt 7% der Kinder in der Cloosed-Loop-Gruppe und 15% in der Standard-Gruppe.
Numerisch geringer als in der Standardgruppe waren mit dem Closed-Loop-System auch schwere Geburtsschäden (2% vs. 7%), Atemnotsyndrom (8% vs. 13%) und ein Aufenthalt auf der neonatologischen Intensivstation ≥1 Tag (22% vs. 25%).
Empfehlung für künstlichen Pankreas in der Schwangerschaft
Murphy betonte, es genüge nicht, einzelne Elemente wie CGM oder Insulinpumpe anzuwenden, um einen T1D in der Schwangerschaft ausreichend zu kontrollieren. Das hybride Closed-Loop-System sollte ihres Erachtens nach allen Schwangeren mit T1D angeboten werden – besser noch allen Frauen mit T1D, die schwanger werden möchten, denn ideal sei es, mit dem geschlossenen System vor der Schwangerschaft zu beginnen. Die Erfahrung der Frauen mit diesem System sei in der Studie sehr gut gewesen: Der Stress des Diabetesmanagements in der Schwangerschaft wurde als deutlich geringer empfunden als mit der Standardtherapie, wie die Befragung von 23 Teilnehmerinnen zeigt [3]. Durch die verbesserte TiR waren auch die Sorgen um diabetesbedingte Risiken für den Nachwuchs geringer.
Die AiDAPT-Studie ist auf www.isrctn.com unter der Nummer ISRCTN 56898625 registriert. Sie wurde vom National Institute for Health Research (NIHR) des Vereinigten Königreichs finanziert. Die Studie wurde am Tag der Präsentation anlässlich des EASD 2023 im New England Journal of Medicine publiziert [2].








