Eine häufige Komplikation von Diabetes-Erkrankungen sind Probleme an den Füßen. Kleine Verletzungen oder Druckstellen reichen aus, um zu schlecht abheilenden Ulzerationen zu führen. Das Lebenszeitrisiko für diabetische Fußulzerationen liegt bei 19% bis 34%. Jeder Fußulkus bringt zusätzlich ein gewisses Risiko für Infektionen mit und im Endstadium für Amputationen.
Fußdeformitäten,wie der sogenannte Hammerzeh, können das begünstigen. Dabei kommt es zu einer dauerhaften hammerartigen Verformung der Zehe, die im Grundgelenk überstreckt ist. Behandelt wird die Deformität entweder konservativ oder durch Tenotomie, wobei die Beugesehnen durchtrennt werden. Jeder Eingriff birgt jedoch ein gewisses Risiko für Komplikationen – gerade für Menschen mit Diabetes, denn sie haben häufig eine schlechtere Wundheilung. Daher wird die Tenotomie häufig mit einem höheren Risiko für Infektionen und Amputationen assoziiert. Doch stimmt das wirklich?
Tenotomie oder klassische Behandlung bei Zehenulkus?
Das wollte ein dänisches Forschungsteam genauer wissen. Deshalb führten die Wissenschaftler eine randomisiert-kontrollierte multizentrische Studie mit Diabetespatienten durch. Im ersten Schritt untersuchten sie 95 Menschen, die Diabetes und Hammerzehen hatten und entweder bereits einen mit der Hammerzehe assoziierten Ulkus oder einen drohenden Ulkus aufwiesen. Durchschnittlich waren die Teilnehmenden etwa 67,7 (±9,8) Jahre alt und hatten seit im Schnitt 20 Jahren (25-75% Quartilenabstand: 13-26 Jahre) Diabetes. Knapp 60% der Teilnehmenden waren männlich. Von den Eingeschlossenen hatten 16 bereits einen Ulkus am betroffenen Zeh.
Beide Gruppen wurden nun gleichmäßig in jeweils eine Kontrollgruppe mit klassischer Behandlung und eine Interventionsgruppe mit Tenotomie der Flexorsehnen randomisiert. In der Interventionsgruppe wurden die Eingriffe während ambulanter Besuche durchgeführt. Anschließend wurden beide Gruppen in regelmäßigen Abständen nachuntersucht bzw. nachbehandelt. Zusätzlich testete das Team die Stehbalance der Teilnehmenden zu Beginn und zum Ende der Studie. Als Hauptendpunkt wurde die Heilung des Indexulkusdefiniert. Zusätzlich maß das Team, wie lange es dauerte, bis der Ulkus verheilte und ob Rückfälle oder Transferulzerationen an anderen Zehen auftraten.
Tenotomie erfolgreich in Ulkusgruppe
Der letzte Follow-Up Termin lag 12 Monate nach Studienbeginn bzw. Intervention. Die manifesten Ulki in der Interventionsgruppe waren nach der Tenotomie alle verheilt, während in der Kontrollgruppe nur bei 37,5% eine Ausheilung erreicht wurde (p=0,026). Bei einer Person in der Interventionsgruppe und zwei in der Kontrollgruppe wurden Rückfälle festgestellt (p=0,055). Sie erhielten eine sekundäre Intervention, durch die alle Ulki in der gesamten Ulkusgruppe abheilten.
Auch bei drohendem Ulkus Tenotomie vorteilhaft
Ähnlich sah es in der Gruppe der Teilnehmenden mit einem drohenden Ulkus aus. Die Progressionsinzidenz war generell niedrig mit 2,6% in der Interventionsgruppe vs. 17,5% in der Kontrollgruppe (p=0,028). Auch die Zahl der ulkusfreien Tage fiel in der Interventionsgruppe zugunsten der Tenotomie aus (p=0,043).
Tenotomie komplikationsarm
Keiner der Teilnehmenden hatten schwere Nebenwirkungen durch die Intervention oder die klassische Behandlung. In der Kontrollgruppe mit drohendem Ulkus entwickelte eine Person (2,5%) eine Infektion. In der Interventionsgruppe waren die häufigsten Komplikationen Schmerzen an der Fußsohle und Hämatome, die sich jedoch alle innerhalb von zwei Wochen deutlich besserten und ausheilten. Lediglich in zwei Fällen bildeten sich Transferulzera und in drei Fällen Transferdruckstellen. Die Ergebnisse der Balanceuntersuchung ergaben keine signifikanten Unterschiede.
Tenotomie als Standard bei Zehenulki?
Die Tenotomie bei Hammerzehen ist eine einfache Prozedur, die überall durchgeführt werden kann. Das macht sie attraktiv zur Behandlung. Die Ergebnisse der dänischen Studie zeigen nun, dass eine Tenotomie helfen kann, sowohl einen drohenden Ulkus zu vermeiden als auch bei einem bereits bestehenden Ulkus eine Heilung einzuleiten. Die Studie ist jedoch aufgrund von praktischen Einschränkungen nicht verblindet und die Teilnehmerzahl mit knapp 100 gering. Deshalb braucht es weitere Beobachtungen, um festzustellen, ob sich Tenotomien als Standardbehandlung bei Hammerzeh-assoziierten Ulzerationen eignen.







