Heilpflanzenanbau als Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt
Artenreiche Ökosysteme sind entscheidend für die Stabilität landwirtschaftlich genutzter Flächen. In Zeiten des Klimawandels gewinnen Initiativen zur Förderung der Biodiversität zunehmend an Bedeutung. Ein dreijähriges Forschungsprojekt der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, unterstützt von Bayer, belegt, dass der Anbau von Arzneipflanzen einen messbaren Beitrag zur Artenvielfalt in Agrarlandschaften leisten kann.
Ziel der Untersuchung war es, die Rolle von Heilpflanzenfeldern für den Schutz und die Förderung der Insektenfauna in der Region um Darmstadt zu analysieren – einem traditionellen Standort für den Anbau von Pflanzen, die in Phytopharmaka wie Iberogast und Phytodolor verarbeitet werden.
Forschungsergebnisse: Heilpflanzenfelder als ökologische Trittsteine
Zwischen 2021 und 2023 wurden über 1.000 Insekten aus verschiedenen Gruppen – darunter Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und Laufkäfer – erfasst und bestimmt. Die Studienflächen umfassten Bestände von fünf für die Iberogast- und Phytodolor-Herstellung relevanten Pflanzen: Bittere Schleifenblume, Schöllkraut, Zitronenmelisse, Echte Engelwurz und Echte Goldrute. Parallel wurden Referenzflächen mit typischen Ackerkulturen wie Winterweizen oder Zuckerrübe untersucht.
„Im Laufe der Untersuchungen konnten beachtliche Anzahlen an Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlingen und auch Laufkäfern in den Beständen selbst oder in deren direktem Umfeld nachgewiesen werden“, erläuterte Projektleiter Dr. Andreé Hamm vom Lehrstuhl für Agrarökologie und organischen Landbau der Universität Bonn. Besonders erfreulich sei, dass der Arzneipflanzenanbau auch seltene Bienenarten, darunter Vertreter der Roten Liste, fördere.
Positive Effekte für Insekten, Landwirte und Ökosysteme
Die Ergebnisse verdeutlichen: Arzneipflanzenfelder dienen nicht nur der Rohstoffgewinnung für Phytopharmaka, sondern erfüllen auch eine wichtige ökologische Funktion. Rund 25 % der erfassten Arten fungieren als Bestäuber – mit potenziell positiven Effekten auf landwirtschaftliche Erträge und den Gehalt wertvoller Inhaltsstoffe.
Neben dieser ökonomischen Komponente betonte Hamm die ökologische Nachhaltigkeit der Kulturen wie die lange Blühdauer und die Mehrjährigkeit der Bestände. Diese Eigenschaften führten zu einer erhöhten Bodenruhe beim Arzneipflanzenanbau, wodurch sie über weite Zeiträume Nahrung und Lebensraum für Insekten bieten. Spätblühende Arten wie die Goldrute stellten noch im Herbst eine wertvolle Nahrungsquelle dar.
Heilpflanzen mit doppeltem Nutzen: Für Mensch und Natur
Die Erkenntnisse zeigen, dass Heilpflanzen eine doppelte Rolle einnehmen: Sie dienen vor der Ernte als Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche Insektenarten und nach der Ernte als Grundlage für pflanzliche Arzneimittel. Präparate wie Iberogast Classic und Iberogast Advance kombinieren Extrakte aus bis zu neun Heilpflanzen (Bittere Schleifenblume, Kamillenblüte, Pfefferminze, Süßholzwurzel, Melissenblätter, Kümmelfrüchte, Schöllkraut, Angelikawurzel und Mariendistel) und werden zur Behandlung funktioneller Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt.
Joachim Leuschner, Head of Technical Supplier Management Herbals bei der Steigerwald Arzneimittelwerk GmbH, ergänzte, dass der Nachweis, wonach der Arzneipflanzenanbau entscheidend zur Biodiversität beiträgt, besonders erfreulich sei. Er hob hervor, dies unterstreiche das Ziel von Bayer, auf die Wichtigkeit des Erhalts und der Förderung der Biodiversität im Zuge des Klimawandels aufmerksam zu machen und einen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der UN wie ‚Leben an Land‘ zu leisten.
Bedeutung für Nachhaltigkeit und Forschungsperspektiven
Das Bonner Forschungsprojekt liefert ein Beispiel dafür, wie pharmazeutische Pflanzenproduktion und Biodiversitätsschutz miteinander vereinbar sind. Der gezielte Anbau von Arzneipflanzen kann agrarische Monokulturen ökologisch aufwerten und zur Vernetzung von Lebensräumen beitragen. Damit bietet das Projekt nicht nur neue Impulse für nachhaltige Landwirtschaft, sondern auch ein Modell für die Verbindung von medizinischer Pflanzenforschung und Umweltverträglichkeit.









