Die eosinophile Ösophagitis ist eine chronische Entzündung der Speiseröhre. Dabei kommt es durch T-Helferzellen vom Typ 2 zu einer allergischen Immunantwort gegen die Schleimhaut des Ösophagus. Unbehandelt kann die Erkrankung Strikturen und Fibrostenosierungen verursachen. Behandelt wird sie bei Erwachsenen auf eine von drei verschiedenen Arten oder durch deren Kombination mit Protonenpumpeninhibitoren, topischen Kortikosteroiden oder Eliminationsdiät.
6FED bei eosinophiler Ösophagitis
Die Eliminationsdiät wird meist mit sechs Lebensmitteln (6FED) durchgeführt, die die häufigsten Allergene abdecken: Kuhmilchproteine, Weizen, Soja, Eier, Nüsse und Fisch/Meeresfrüchte. Zunächst wird alles weggelassen und mittels Spiegelung und Biopsie überprüft, ob die Betroffenen in Remission gehen. Anschließend werden Lebensmittel einzeln wieder in die Ernährung aufgenommen – jedes Mal mit späterer Spiegelung plus Biopsie.
Die Erfolgsraten sind mit ca. 70% histologischem Ansprechen hoch. Die 6FED bedeutet jedoch eine hohe Belastung für die Betroffenen. Ein amerikanisches Forschungsteam hat deshalb in einer multizentrischen, randomisierten, Open-label-Studie untersucht, ob sich auch eine 1FED, also eine Eliminationsdiät mit nur einem Allergen (hier Tiermilch), zur Behandlung der eosinophilen Ösophagitis bei Erwachsenen eignen würde.
1FED vs. 6FED im Test
Um die Theorie zu testen, rekrutierte das Team 129 Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren mit einer aktiven, symptomatischen eosinophilen Ösophagitis mit mindestens 15 Eosinophilen pro high-power Feld (eos/hpf) in einem histologischen Segment. Anschließend wurden die Teilnehmenden1:1 randomisiert in die 1FED- oder die 6FED-Gruppe und die Spiegelungen samt Biopsie nach 6 Wochen Diät wiederholt. Die Therapie galt als erfolgreich, wenn in der Kontrolle <15 eos/hpf gefunden wurden. Eine Komplettremission war definiert als ≤1 eos/hpf, eine partielle als ≤10 bzw. ≤6 eos/hpf. Zusätzlich wurden Scorings, genetische Daten und Evaluationen erhoben.
Remission auch unter 1FED
Von den Teilnehmenden erreichten nach sechs Wochen 40% (25/62) in der 6FED-Gruppe und 34% (23/67) in der 1FED-Gruppe eine histologische Remission. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war mit 6% (95%-Konfidenzintervall [KI]: -11 bis 23) nicht signifikant (p=0,59). Auch bei der partiellen Remission mit ≤10 eos/hpf gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen (p=0,069). Lediglich zur Komplettremission unterschieden sich die beiden Gruppen signifikant um 13% (95%-KI: 2 bis 25; p=0,031). Ähnlich verhielt es sich mit verschiedenen Scores wie EoEHSS, EREFS und EEsAI. Hier konnte ebenfalls kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.
Therapie von Nonrespondern
Ein Teil der Betroffenen sprach jedoch gar nicht auf die gewählte Erstlinientherapie an. Sie durften nach den 6 Wochen freiwillig zu einer anderen Therapieform wechseln. Den Teilnehmenden der 1FED-Gruppe wurde die 6FED-Therapie angeboten, denen der 6FED-Gruppe eine topische Kortikosteroidtherapie mit Fluticasonpropionat (880 µg 2x/Tag). In der anschließenden Kontrollspiegelung samt Biopsie erreichten 43% der Nonresponder in der 1FED-Gruppe (9/21) eine histologische Remission und 82% (9/11) der in der 6FED-Gruppe.
Verminderte Genexpression
In den Biopsien zeigte sich eine weitere interessante Entwicklung: Untersuchte das Team Genexpressionen, die mit der eosinophilen Ösophagitis in Zusammenhang stehen, unterschieden sich die Responder von den Nonrespondern. Bei ihnen normalisierte sich die Genexpression von 75 Genen, während sich bei den Nonrespondern nur die Expression von 4 Genen normalisierten.
Relevanz für die Praxis
Die Studie hat jedoch zwei Limitierungen: Sie schloss zum einen bereits im Vorfeld Erkrankte aus, die gut auf Protonenpumpeninhibitoren ansprachen. Zum anderen reicht die Power der Studie nicht aus, um weiterführende Analysen zu machen. Die beobachteten Unterschiede bzw. fehlenden Unterschiede könnten ein regionaler Effekt sein.
Mit den aktuellen Daten lässt sich nur schlussfolgern, dass die 6FED der 1FED bei eosinophiler Ösophagitis nicht überlegen ist. Die 1FED könnte bei Erwachsenen möglicherweise als Erstlinientherapie versucht werden, da sie weniger Mangelerscheinungen durch die Eliminationsdiät verursachen dürfte und für die Betroffenen leichter durchzuführen sein könnte.










