Spinneninspirierter Mikroroboter zur minimalinvasiven gastrointestinalen Therapie

Magnetisch gesteuerte, spinnenartige Soft-Roboter bewegen sich sicher durch den Verdauungstrakt, erreichen auch schwer zugängliche Regionen und setzen gezielt Arzneimittel frei. Das eröffnet neue minimalinvasive Behandlungsoptionen bei gastrointestinalen Erkrankungen.

Koloskopie Darm

Die weltweite Inzidenz gastrointestinaler Karzinome hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Parallel dazu wächst der Bedarf an effektiven, frühzeitigen und patientenschonenden Diagnostik- und Therapieverfahren. Konventionelle endoskopische Methoden sind zwar etabliert, stoßen jedoch an physische und funktionelle Grenzen: Tief gelegene oder stark gewundene Bereiche des Verdauungstrakts sind nur eingeschränkt erreichbar. Zudem ist die Untersuchung häufig mit erheblichem Patientenunbehagen verbunden.

Vom Bewegungsverhalten der Radspinne zur bioinspirierten Robotik im Verdauungstrakt

Zur Überwindung dieser Limitationen erforschen Ingenieure zunehmend miniaturisierte, magnetisch steuerbare Systeme, die den Verdauungstrakt autonom oder ferngesteuert durchqueren können. Eine aktuelle Studie der Universität Macau (China), veröffentlicht im 'International Journal of Extreme Manufacturing', beschreibt die Entwicklung bioinspirierter magnetischer Soft-Roboter (BMSR), deren Bewegungsprinzip vom Rollverhalten der sogenannten goldenen Radspinne abgeleitet ist.

Die Forscher setzten dabei auf flexible, verformbare Materialien anstelle herkömmlicher rigider Strukturen. Diese Materialeigenschaften minimieren das Risiko mechanischer Gewebeschädigungen und erhöhen die Anpassungsfähigkeit an die organische Umgebung des Gastrointestinaltrakts.

Magnetfeldgesteuerte Kontrolle und adaptive Beweglichkeit

Die Mikroroboter werden durch ein extern erzeugtes, rotierendes Magnetfeld angetrieben. Zwei sechsachsige Roboterarme (6-DOF-Systeme) kommen simultan zum Einsatz: Einer dient der Echtzeitsteuerung, der andere der kontinuierlichen Statusüberwachung. Unter diesen Bedingungen konnten die Soft-Roboter auf geneigten und sogar invertierten Oberflächen manövrieren.

Die Auswertung zeigte eine stabile Fortbewegung auch unter physiologisch anspruchsvollen Bedingungen – etwa bei Schleimschichten und Faltenbildungen – sowie die Fähigkeit, Höhenunterschiede bis zu 8 cm zu überwinden. Zusätzlich wird eine effektive Wirkdistanz des Magnetantriebs von etwa 8 cm berichtet, die in etwa der mittleren Distanz zwischen Körperoberfläche und Magenzentrum entspricht.

In-vitro-Tests bestätigen präzise Navigation und Wirkstofffreisetzung

In ersten In-vitro-Tierversuchen testeten die Forscher die Navigations- und Freisetzungsleistung der BMSR in biologischem Gewebe. Die Roboter erreichten gezielt definierte Zielregionen innerhalb des Verdauungstrakts und setzten dort erfolgreich Wirkstoffe frei, ohne makroskopische Gewebeschädigungen zu verursachen.

Die Kombination der magnetischen Steuerung mit endoskopischer Bildgebung ermöglichte eine präzise Echtzeitnavigation. Damit wurde die technische Machbarkeit der Methode für minimalinvasive Anwendungen im Verdauungstrakt experimentell bestätigt.

Fazit: Magnetisch gesteuerte Soft-Roboter als neue Generation minimalinvasiver Systeme

Die an der Universität Macau entwickelte Technologie demonstriert ein hohes Potenzial für minimalinvasive Anwendungen im gastrointestinalen Bereich. Ihre in vitro nachgewiesene Fähigkeit zur omnidirektionalen Fortbewegung und präzisen Wirkstofffreisetzung stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung funktioneller Mikrorobotik für die Medizin dar.

Weitere Untersuchungen, insbesondere in vivo, sind erforderlich, um Sicherheit, Steuerbarkeit und klinische Anwendbarkeit zu evaluieren. Gleichzeitig soll die technische Weiterentwicklung eine größere Reichweite und präzisere Steuerung der magnetischen Soft-Roboter ermöglichen, so das Forschungsteam.

Autor:
Stand:
17.11.2025
Quelle:

Xu, R. et al. (2025): Bio-inspired magnetic soft robots with omnidirectional climbing for multifunctional biomedical applications. International Journal of Extreme Manufacturing, DOI: 10.1088/2631-7990/ae0214.

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