Die allergische Rhinitis betrifft 25 % der Einwohner der westlichen Länder und gehört damit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen der Atemwege. Die einzige kausale Therapie ist derzeit die allergenspezifische Immuntherapie. Hierdurch kann das Risiko für einen Etagenwechsel zum Asthma bronchiale aber auch für neue Sensibilisierungen gesenkt werden. Wichtig ist die frühzeitige Diagnosestellung der Erkrankung, um die Therapie einleiten zu können.
Nasaler Provokationstest: Goldstandard mit Limitationen
Die Diagnostik umfasst neben der Anamnese beispielsweise den Prick-Test und/oder die Detektion allergenspezifischer IgE im Serum. Insbesondere bei perennialen Allergenen oder polysensibilisierten Patienten kann die Diagnostik aber eine Herausforderung darstellen. Ein besonderes Problem stellt zudem die lokale allergische Rhinitis dar, bei der systemische Sensibilisierungsmarker fehlen. Helfen kann da der nasale Provokationstest. Dieser gilt zwar als Goldstandard, ist jedoch aufwendig, in der klinischen Routine nur eingeschränkt verfügbar und kann neben lokalen allergischen Symptomen selten auch systemische Reaktionen hervorrufen.
Bedarf an innovativen diagnostischen Verfahren für allergische Rhinitis
Vor diesem Hintergrund besteht ein Bedarf an neuen nichtinvasiven, leicht durchführbaren und reproduzierbaren Diagnosemethoden. Die Analyse flüchtiger organischer Verbindungen (volatile organic compounds [VOC]) in der Ausatemluft stellt hier einen vielversprechenden Ansatz dar. Sie kann zwischen homöostatischen und inflammatorischen Zuständen der Atemwege unterscheiden. Die Proben sind einfach zu gewinnen - selbst bei unkooperativen Patienten - und können beispielsweise mit einem Gaschromatograph-Massenspektrometer untersucht werden.
VOCs zur Differenzierung von Rhinitisformen?
Eine aktuelle Studie beschäftigte sich daher mit der Frage, ob spezifische VOC-Profile geeignet sind, allergische von nicht-allergischen Rhinitisformen zu unterscheiden. Zudem untersuchten die Wissenschaftler mögliche Korrelationen zwischen VOCs und allgemeinen T2 Biomarkern.
In der Studie wurden verschiedene Patientengruppen untersucht: allergische Rhinitis (n=28), lokale allergische Rhinitis (n=31), nicht-allergische Rhinitis (n=29) sowie gesunde Kontrollen (n=14). Der Fokus lag auf der Identifikation spezifischer VOC bei allergischer Entzündung: saturierten Kohlenwasserstoffen (vor allem Decane) und VOCs, die mit eosinophilem Asthma assoziiert sind (vor allem Aceton, Styrol und Nonanal).
VOCs: Signatur zur Differenzierung allergischer Personen
Die Ergebnisse zeigten, dass es mit Hilfe bestimmter VOCs –Decan und Nonadecan – möglich war, allergische von nicht-allergischen Personen zu unterscheiden (p=0,009). Ihre Konzentration war höher bei Patienten allergischer Rhinitis (allergische Rhinitis und lokale allergische Rhinitis) im Vergleich zu den nichtallergischen Patienten (nichtallergische Rhinitis und gesunde Kontrollen).
VOCs als Biomarker für T2-Entzündungen?
Ferner zeigte sich, dass Patienten mit FeNO > 25ppb höhere mediane Level an bestimmten VOCs aufwiesen. Dies traf für Decan (p=0,005), Styrol (p=0,012) und Nonanal (p=0,005) zu. Dies spricht für ihr Potential als nichtinvasive Biomarker für T2-Entzündungen.
Zukünftige Perspektive: schnelle, nichtinvasive Screeningmethode?
Die Studie liefert wichtige Hinweise darauf, dass VOCs in der Ausatemluft als Biomarker für allergische Entzündungen dienen könnten. Im Vergleich zu bestehenden Verfahren könnte diese nichtinvasive Methode insbesondere bei Patienten mit unklarer Sensibilisierung oder Verdacht auf lokale allergische Rhinitis einen Mehrwert bieten. Zu bedenken bleibt, dass mit Hilfe dieser Methode das auslösende Allergen nicht identifiziert werden kann. Man könnte sie jedoch als Screening-Methode nutzen, um allergische Patienten zu identifizieren, bei denen dann ein nasaler Provokationstest durchgeführt wird.











