CT-Zeichen einer Rhinosinusitis bei akuter Dakryozystitis

Es besteht eine enge Beziehung zwischen den Nasennebenhöhlen und dem ableitenden Tränensystem. Hierzu passend zeigte eine Studie kürzlich, dass eine akute Dakryozystitis häufiger mit radiologischen Zeichen einer Rhinosinusitis einhergeht. Dies deutet auf eine mögliche Ausbreitung der Entzündung zwischen dem Tränensystem und den Nasennebenhöhlen hin.

Aerztin begutachtet CT

Enge anatomische Beziehung zwischen Nasennebenhöhlen und Tränenwegen

Eine akute Dakryozystitis, eine Entzündung des Tränensacks und des umgebenden Gewebes, entsteht meist durch eine Obstruktion des Tränennasenganges und eine virulente bakterielle Infektion. Typische Symptome umfassen Erythem, Schwellung und Schmerzen im Bereich der Tränensackregion. Die anatomische und entwicklungsgeschichtliche Verbindung des Tränensystems mit der Nasenhaupthöhle und den Nasennebenhöhlen ist gut dokumentiert. Diese Nähe erklärt, warum eine akute Dakryozystitis sich auf umliegende Gewebe ausdehnen und zu Erkrankungen wie orbitaler Zellulitis und suppurativer ethmoidaler Sinusitis führen kann.

Welche Assoziation zwischen Tränenwegen und Nasennebenhöhlen?

Es wird diskutiert, ob und wie Abnormalitäten der Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen bei Patienten mit obstruktiven Erkrankungen des Tränennasenganges bestehen. 

Eine kürzliche Querschnittstudie mit 44 Patienten mit akuter Dakryozystitis und 50 Patienten mit orbitalen Tumoren als Kontrollgruppe untersuchte die Korrelationen zwischen radiologischen Zeichen einer Sinusitis und einer akuten Dakryozystitis. Es wurde festgestellt, dass radiologische Anzeichen einer Rhinosinusitis bei Patienten mit akuter Dakryozystitis signifikant stärker ausgeprägt waren, insbesondere im vorderen und hinteren Siebbein sowie in der Stirnhöhle. Das Ausmaß der entzündlichen Rhinosinusitis wurde mittels des Lund-Mackay Systems bestimmt.

Akute Dakryozystitis mit radiologischen Sinusitis-Zeichen assoziiert

Die Forscher sahen, dass radiologische Zeichen einer Rhinosinusitis bei den Patienten mit akuter Dakryozystitis im Vergleich zu den Kontrollpatienten ausgeprägter waren (mittlerer Gesamt-Sinus Score p<0,001; Score für vordere Siebbeinzellen p<0,001; Score für hintere Siebbeinzellen p=0,003; Score für Stirnhöhle p=0,02, Score für osteomeatalen Komplex p<0,001). Im Verlauf der Erkrankung schwächte sich dies etwas ab.

Der Krankheitsverlauf war zudem negativ mit den Verschattungen der anterioren Siebbeinzellen (p=0,03) und der Stirnhöhle (p=0,01) korreliert.

Das Symptom der Lidschwellung korrelierte hingegen positiv mit den radiologischen Befunden der vorderen Siebbeinzellen (p=0,03), dem osteomeatalen Komplex (p=0,004) und dem Gesamt-Sinusscore (p=0,005).

Anatomische Verbindungen und ihre Bedeutung

Die anatomischen Verbindungen zwischen dem Tränengangsystem und den Nebenhöhlen sind von entscheidender Bedeutung für die Verbreitung von Infektionen. Beispielsweise dehnt sich bei der Hälfte der Menschen das Os ethmoidale vor der Crista lacrimalis posterior aus, was bedeutet, dass das Os lacrimale die einzige Barriere zwischen dem Tränensack und einigen vorderen Siebbeinzellen darstellt. Der Tränennasengang, der innerhalb der medialen Wand der Kieferhöhle verläuft und im unteren Nasengang mündet, unterstützt diese Theorie weiter. Studien bestätigen zudem, dass eine Invasion von nasaler Mukosa bei einer Dakryozystitis häufig vorkommt.

Ausbreitung einer Entzündung zwischen Tränensystem und Nebenhöhlen

Die vorderen Siebbeinzellen und die Stirnhöhlen sind anatomisch direkt neben dem Tränensystem lokalisiert und drainieren in den gleichen osteomeatalen Komplex, wodurch Infektionen übergehen können.

Zudem wurde eine ausgedehnte Expression von Genen, wie beispielsweise Interleukin-6, Interleukin-1ß und Chemokin-Ligand 2, die für die Entzündung eine Rolle spielen, gefunden.

Die Mechanismen für die Ausbreitung einer Entzündung zwischen dem Tränensystem und der Nase/Nebenhöhlen könnten beispielsweise Erosionen des Knochens, Dehiszenz der Knochenwand, lokale Osteitis und bakterielle Vaskulitis umfassen.

Fazit: Infektionsausbreitung zwischen Tränensystem und Nasennebenhöhlen möglich

Auch die vorliegende Studie unterstützt mit ihren Ergebnissen die Theorie einer möglichen Ausbreitung der Infektion zwischen dem ableitenden Tränensystem und den Nasennebenhöhlen. Die hauptsächlich beteiligten Strukturen scheinen die vorderen und hinteren Siebbeinzellen, die Stirnhöhle sowie der osteomeatale Komplex zu sein.

Autor:
Stand:
26.08.2024
Quelle:

Yueqi et al. (2024): Computed Tomography Signs of Sinonasal Inflammation in Patients with Acute Dacryocystitis. American Journal of Rhinology & Allergy. https://doi.org/10.1177/194589242412620

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden