Empty-Nose-Syndrom: Der übersehene Einfluss der Septumperforation

Das Empty-Nose-Syndrom stellt diagnostisch eine Herausforderung dar. Neue Daten zeigen, dass Septumperforationen das Testergebnis beim Watte-Test beeinflussen und damit die Diagnostik erschweren können. Eine aktuelle Fallserie gibt zudem Empfehlungen für das therapeutische Vorgehen bei dieser seltenen Kombination.

Riechstörung Frau

Cotton-Test als Diagnostik beim Empty-Nose-Syndrom

Das Empty-Nose-Syndrom ist charakterisiert durch eine paradoxe Nasenatmungsbehinderung. Es kann als Komplikation nach nasenchirurgischen Eingriffen, insbesondere nach Muschelresektionen auftreten. Betroffene berichten trotz objektiv weiter Nasenpassage über eine subjektive Nasenobstruktion, Dyspnoegefühl und erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität.

Die Diagnosestellung ist komplex, da klinische Befunde und subjektive Symptomatik häufig diskrepant sind. Standardisierte diagnostische Verfahren fehlen weitgehend, wodurch funktionelle Tests wie der sogenannte Cotton-Test eine wichtige Rolle einnehmen.

Bei diesem Test wird ein trockener Wattebausch in den unteren Nasengang eingelegt. Durch die Simulation der zuvor verkleinerten oder entfernten Nasenmuschel stellt sich vorübergehend das ursprüngliche Nasengewebevolumen wieder her. Eine symptomatische Besserung gilt als Hinweis auf ein Empty-Nose-Syndrom und potenzielle Indikation für rekonstruktive Verfahren.

Beeinflusst eine Septumperforation den Cotton-Test?

Allerdings ist die Aussagekraft dieses Tests begrenzt, da verschiedene anatomische und funktionelle Faktoren wie die Septumperforation den anterioren Luftstrom und damit das Testergebnis beeinflussen können. Eine japanische Forschergruppe stellte die Hypothese auf, dass eine Septumperforation zu einem negativen Testergebnis führen könnte, obwohl ein Empty-Nose-Syndrom vorliegt. Sie gingen daher dieser Fragestellung im Rahmen einer Studie nach. Die Wissenschaftler untersuchten hierfür retrospektiv vier Patienten mit dem Ziel, potenzielle Fehlinterpretationen des Cotton-Tests zu identifizieren.

Septumperforation: Ursache falsch negativer Cotton-Tests

Alle Patienten der Fallserie hatten eine Septumperforation und Atrophie der unteren Nasenmuscheln. Als klinische Verdachtsdiagnose lag zudem ein Empty Nose Syndrom vor.  Bei allen Patienten wurde die Indikation zum Septumperforationsverschluss gestellt. Präoperativ wurde ein Cotton-Test durchgeführt. Dieser war bei allen vier Patienten negativ.  Nach dem operativen Eingriff wurde der Watte-Test bei drei der vier Patienten positiv.

Diese Patienten erreichten präoperativ im Empty Nose 6-Item Questionnaire (ENS6Q) Score Werte oberhalb des Schwellenwertes, was für ein Empty Nose Syndrom spricht. Im Gegensatz dazu wies der Patient mit dem postoperativ unverändert negativen Cotton-Test einen unauffälligen Score auf. Bei den drei anderen Patienten besserten sich postoperativ die Symptome. Sie erhielten aufgrund der Diagnose eines Empty Nose Syndroms zusätzlich eine Augmentation der unteren Nasenmuschel, woraufhin sich die Symptome noch weiter reduzierten.

Die Analyse zeigte also, dass Septumperforationen einen signifikanten Einfluss auf die Wahrnehmung der nasalen Luftströmung haben können. Durch veränderte aerodynamische Verhältnisse kann der Cotton-Test verfälschte Ergebnisse liefern.

Behandlungsstrategie bei ENS mit Septumperforation

Die Studienautoren schlagen zur Reduktion möglicher Komplikationen und zur Erlangung optimaler Ergebnisse einen Algorithmus bei gleichzeitig vorliegender Septumperforation und fehlendem Volumen der unteren Nasenmuschel, beziehungsweise vermutetem Empty-Nose-Syndrom vor: Ist der Septum-Patch Test negativ lautet die Arbeitsdiagnose Empty-Nose-Syndrom und sollte entsprechend behandelt werden. Wenn sich die Symptome mit einem Septum-Patch-Test verbessern, empfehlen sie die Durchführung des Verschlusses der Septumperforation. Nach dem Eingriff sollten erneut ein Cotton-Test und ENS6Q-Score erhoben werden. Sind diese auffällig, sollte mit einem Mindestabstand von sechs Monaten eine Augmentation der unteren Nasenmuschel durchgeführt werden. Ist der Cotton-Test negativ, empfehlen die Kollegen nur ein Follow-Up.

Fazit für die Klinik

Bei Verdacht auf ein Empty-Nose-Syndrom sollte das Vorliegen einer Septumperforation überprüft und in die Interpretation diagnostischer Tests einbezogen werden. Insgesamt hilft die Studie die diagnostische Präzision beim Empty-Nose-Syndrom zu erhöhen und Fehlentscheidungen in der Therapieplanung zu vermeiden.

Quelle:

Hosokawa et al. (2026): Nasal Septal Perforation: A Potential Pitfall in Cotton Testing for Suspected Empty Nose Syndrome – A Case Series and Staged Algorithm. International Forum of Allergy and Rhinology. DOI: 10.1002/alr.70140.

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