Erdnussallergie-Prävention: Je früher, desto besser?

Die Studie zeigte, dass das Fenster zur Vermeidung einer Erdnussallergie sehr eng ist und spricht dafür, Erdnüsse in die Ernährung vor dem sechsten Lebensmonat in der Gesamtbevölkerung bzw. im vierten Lebensmonat bei Kindern mit Ekzemen aufzunehmen.

Kleines Mädchen isst Erdnüsse

Wie kann Erdnussallergie vorgebeugt werden?

Die Erdnussallergie betrifft etwa 1-2% der nordamerikanischen und europäischen Kinder [1]. Sie führt zu einer merklichen Einschränkung der Lebensqualität.

Studien zeigten, dass durch frühzeitige Einführung von Erdnüssen in die Ernährung bei Kindern, das Risiko der Entwicklung einer Erdnussallergie reduziert werden kann.

So zeigte die LEAP (Learning Early About Peanut Allergy)-Studie, dass eine frühzeitige Einführung von Erdnüssen bei Hochrisiko-Kindern, das Risiko der Entwicklung einer Erdnussallergie um bis zu 81% senken kann [2,3].

Verschiedene Staaten nahmen Empfehlung zur Introduktion von Erdnüssen in die Alimentation von Kindern in ihre Leitlinien auf

So empfiehlt die präventive Leitlinie 2017 des US National Institute of Allergy and Infectious Diseases die Einführung von Erdnüssen in die Ernährung mit vier bis sechs Monaten bei Kindern mit einem schweren Ekzem oder Ei-Allergie, mit sechs Monaten bei Kindern mit mildem oder moderatem Ekzem und alters-angemessen im Einklang mit Familienpräferenzen und kulturellen Gewohnheiten bei den übrigen Kindern [4].

In Europa empfahl 2021 die Leitlinie der European Academy of Allergy and Clinical Immunology die Einführung von Erdnüssen in die Ernährung ab einem Alter von vier bis sechs Monaten bei Kindern, in deren Bevölkerung eine hohe Erdnussallergie-Prävalenz ist [5]. Die australische Leitlinie änderte ihre Empfehlung 2016 dazu, dass Kinder im ersten Lebensjahr mit Erdnüssen in der Nahrung konfrontiert werden sollten [6].  Ersichtlich wird, dass es bisher keine einheitliche Empfehlung gibt, wann welche Zielgruppe mit Erdnüssen in der Nahrung konfrontiert werden sollte.

Wann sollten bei welcher Zielgruppe Erdnüsse in die Ernährung integriert werden?

Die vorliegende Studie setzte sich daher zum Ziel, den optimalen Zeitpunkt zur Einführung von Erdnüssen in die kindliche Ernährung zur Prävention der Erdnussallergie zu ermitteln [8]. Zunächst evaluierten die Wissenschaftler, welche Faktoren mit der Entwicklung einer Erdnussallergie im ersten Lebensjahr assoziiert waren. Zudem untersuchten sie die relative Reduktion der Erdnussallergie im fünften Lebensjahr in Abhängigkeit davon, wann die Erdnüsse in die Diät integriert wurden. Hierfür untersuchten die Wissenschaftler die Daten aus der LEAP Screening-Studie, publizierte und nicht-publizierte Daten der LEAP Präventions-Studie, nicht-publizierte Daten der PAS (Peanut Allergy Sensitization)-Studie und publizierte Daten der EAT (Enquiring About Tolerance)-Präventionsstudie. Hierdurch konnten Daten von Hochrisiko-Patienten (LEAP-Studien und PAS-Studie) sowie von Niedrigrisiko-Patienten (EAT-Studie) ausgewertet werden.

Risikofaktoren für die Entwicklung einer Erdnussallergie waren insbesondere: Ekzeme und nicht-weiße-Ethnizität

Die meisten Erdnussallergien wurden bereits im ersten Lebensjahr entwickelt. Eine Quaddel mit einem Durchmesser >4mm war hoch prädiktiv für eine Erdnussallergie [9]. Besonders Kinder mit schweren lang andauernden Ekzemen sowie einer nicht-weißen Ethnizität wiesen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Erdnussallergie auf. Die Forscher sahen zudem, dass der Einfluss der frühen Erdnuss-Introduktion in die Ernährung mit steigendem Alter sinkt. Am auffälligsten war der negative Einfluss der verzögerten Erdnuss-Einführung in die Diät bei den Kindern mit zunehmendem Ekzem-Schwergrad und/oder nicht-weißer-Ethnizität.

Das Risiko der Entwicklung einer Erdnussallergie wurde umso stärker reduziert, je früher die Erdnüsse in die Alimentation aufgenommen wurden

Die Forscher zeigten, dass die Einführung von Erdnüssen in die Ernährung von Kindern mit und ohne Ekzem im Alter von vier Monaten in einer 82% relativen Risikoreduktion mündet. Wenn die frühzeitige Einführung der Erdnüsse in die Ernährung der Kinder auf Hochrisikogruppen beschränkt bleibt, zeigt sich nur ein kleiner Effekt auf die Krankheitslast der gesamten Bevölkerung: So kommt es zu einer 77% Risikoreduktion, wenn Kinder mit Ekzem im Alter von vier Monaten und Kinder ohne Ekzem mit sechs Monaten beginnen Erdnüsse zu verzehren. Beginnen die Kinder mit Ekzemen mit vier Monaten und Kinder ohne Ekzeme mit zwölf Monaten Erdnüsse in die Ernährung aufzunehmen, kommt es zu einer 58%igen relativen Risikoreduktion im Vergleich zur Erdnussvermeidung.

Fazit

Um ein Maximum an Erdnuss-Allergie-Prävention zu erreichen, empfehlen die Studienautoren die Einführung von Erdnüssen in die Ernährung von allen Kindern innerhalb der ersten sechs Lebensmonate. Kinder mit Ekzemen sollten bereits ab dem vierten Lebensmonat mit Erdnussverzehr beginnen.

Autor:
Stand:
30.05.2023
Quelle:
  1. Nwaru et al. (2014): Prevalence of common food allergies in Europe: a systematic review and meta-analysis. Allergy; Doi: 10.1111/all.12423
  2. Du Toit et al. (2015): Randomized trial of peanut consumption in infants at risk for peanut allergy. The New England Journal of Medicine; DOI: 10.1056/NEJMoa1414850
  3. Roberts et al. (2019): Can dietary strategies in early life prevent childhood food allergy? A report from two iFAAM workshops. Clinical & Experimental Allergy; DOI: 10.1111/cea.13515
  4. Togias et al. (2017): Addendum guidelines for the prevention of peanut allergy in the United States: summary of the National Institute of Allergy and Infectious Diseases–sponsored expert panel. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics; DOI: 10.1016/j.jand.2017.03.004
  5. Halken et al. (2021): EAACI guideline: preventing the development of food allergy in infants and young children (2020 update). Pediatric Allergy and Immunology; DOI: 10.1111/pai.13496
  6. Soriano et al. (2019): Earlier ingestion of peanut after changes to infant feeding guidelines: the Early- Nuts study. Journal of Allergy and Clinical Immunology; DOI: 10.1016/j.jaci.2019.07.032
  7. Soriano et al. (2022): Association between earlier introduction of peanut and prevalence of peanut allergy in infants in Australia. JAMA; DOI: 10.1001/jama.2022.9224
  8. Roberts et al. (2023): Defining the window of opportunity and target population to prevent peanut allergy. The Journal of Allergy and Clinical Immunology. https://doi.org/10.1016/j.jaci.2022.09.042
  9. Peters et al. (2013): Skin prick test responses and allergen-specific IgE levels as predictors of peanut, egg, and sesame allergy in infants. Journal of Allergy and Clinical Immunology; DOI: 10.1016/j.jaci.2013.05.038
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden