Gehörschutz auf Konzerten: Motivation und Barrieren

Die Nutzer und die Nichtnutzer von Gehörschutz hatten signifikant unterschiedliche Wahrnehmungen bezüglich der Verwendung eines Gehörschutzes in einer Studie, die half, die wichtigsten Motivationen und Barrieren zur Gehörschutznutzung aufzudecken.

Konzert

Lärminduzierte Schwerhörigkeit durch Musikveranstaltungen?

Lärminduzierte Schwerhörigkeit betrifft rund 24% der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten von Amerika und führt zu einem globalen Verlust der Produktivität von 980 Billionen US-Dollar jährlich. Musikveranstaltungen, wie Festivals und Konzerte, die zu einer Geräuschexposition mit hohen Dezibelwerten führen, sind eine immer häufigere Ursache für die lärminduzierte Schwerhörigkeit. Etwa 40% der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten von Amerika sind aktuell schädlichen Dezibelwerten bei diesen Musikveranstaltungen ausgesetzt. Trotz des bekannten Einflusses von lauter Musik auf das Hören, liegt die geschätzte Rate der Verwendung von Gehörschutz bei diesen Veranstaltungen nur zwischen 2% und 8%.

Klare Regularien am Arbeitsplatz, aber nicht bei Musikevents

Zudem gibt es keine Regulation bezüglich Gehörschutz oder der Lärmbelastung auf diesen Events, trotz klarer Leitlinien zur Verwendung von Gehörschutz in der Arbeitswelt. Dort liegt die Rate der Verwendung von Gehörschutz zwischen 32,8% und 80%. Es gibt zu diesem Thema einige Studien, die sich jedoch primär auf die Messung von Dezibelwerten bei den Events konzentrierten und nur wenig Augenmerk auf die Nutzung eines Gehörschutz legten.

Studie analysierte Gründe für und gegen Gehörschutz

Eine Studie analysierte daher kürzlich die Prävalenz der Gehörschutznutzung und Motivation und Barrieren für die Nutzung von Gehörschutz auf Musikevents. In die Befragung wurden 2.352 Erwachsene eingeschlossen. Das mittlere Alter der Teilnehmer betrug 29±7 Jahre. 61% der Befragten waren Männer. Die meisten der Probanden hatten keine Vorgeschichte von Ohrtraumata, -infektionen oder Hörproblemen (72,02% bzw. 71,4%).

Gehörschutznutzer hatten häufiger Ohrprobleme in Anamnese

Die Nutzer von Gehörschutz hatten einen signifikant höheren Anteil an Personen mit einem Ohrtrauma (35,9% versus 15,41%; p<0,001) und bereits diagnostizierten Hörproblemen (36,72% versus 15,60) in der Anamnese. Die Studienteilnehmer, die Gehörschutz nutzten, waren meist männlich und hatten mindestens einen Collegeabschluss im Vergleich zu den Nichtnutzern. Sie bevorzugten elektronische Musik/Dance (63,23% versus 57%; p<0,001), während die Nichtgehörschutznutzer eher Hip-Hop/R&B (47,48% versus 34,99%; p=0,002) und Pop hörten (44,86% versus 31,29%; p=0,0001).

Gehörschutznutzer überzeugt vom Nutzen

Die Studienautoren sahen, dass Gehörschutznutzer signifikant häufiger beunruhigt bezüglich des Effekts von Musikveranstaltungen auf das Hören waren (p<0,01). Sie glaubten, dass ihre Hörfähigkeit nach dem Besuch eines Musikevents gesunken war (p<0,01) und waren überzeugt, dass die Nutzung von Gehörschutz sie vor einer Hörminderung schützen könnte (p<0,01).

Motivation zur Nutzung von Gehörschutz

Als Motivation einen Gehörschutz zu nutzen, gaben die Gehörschutznutzer Bedenken wegen ihrem Langzeithörvermögen (66,43%) an. Zudem waren sie überzeugt, dass Gehörschutz notwendig sei (54,60%) und gaben an, dass ein Gehörschutz die Soundqualität nicht beeinflusst (35,69%).

Gründe des Nichtnutzens des Gehörschutz

Die größte Barriere für die Gehörschutznutzung war, dass die Teilnehmer es schlicht nicht in Erwägung zogen einen Gehörschutz zu tragen (36,38%). Das spricht dafür, dass Patientenedukation und Hörgesundheitsbewusstsein die Gehörschutznutzung erhöhen und Höroutcomes verbessern könnte.

Andere Teilnehmer nutzten keinen Gehörschutz aufgrund der Unbequemlichkeit während des Tragens (25,38%) und Bedenken wegen einer Reduktion der Musikqualität (32,46%). Bildende Interventionen sollten also auch Verhaltensbarrieren adressieren.

Möglichkeiten zur Erhöhung der Nutzung von Gehörschutz

Daten zeigen, dass die Nutzung von Gehörschutz sich deutlich erhöhte, wenn Zugang zu High Fidelity-Gehörschutz (high-fidelity filters music earplugs [HFMEs]) besteht. Dieser spezielle Gehörschutz wird oft von Musikern genutzt. HFMEs erhalten die Musikqualität und sind angenehmer zu tragen als die klassischen Schaumstoffgehörstöpsel, die den Sound um 20 dBA dämpfen.

Hochwertige Ohrstöpsel zusammen mit Tickets anbieten

Die Studienautoren schlagen vor, High Fidelity-Gehörschutz als Teil des Ticketverkaufs mit anzubieten. Dies könnte eine effektive Maßnahme zum Erhalt der Hörgesundheit sein. Die Studie weist zudem darauf hin, dass Personen, die häufiger auf Musikveranstaltungen gehen eher Gehörschutz nutzen. Diese Assoziation deutet darauf hin, dass das Wissen um negative Effekte von lauter Musik, welches über die Zeit gewonnen wird, mit dem Wunsch verbunden wird, die Musik genießen zu können, welches zu einer höheren Compliance führen könnte, Gehörschutz zu nutzen.

Autor:
Stand:
04.12.2023
Quelle:

Long et al. (2023): New Paradigm of Music Listening: Hearing Protection Perceptions and Treatment Decision-Making Among Music Venue Attendees. Otolaryngology-Head and Neck Surgery, DOI:  https://doi.org/10.1002/ohn.553

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: