Für chirurgische Therapieempfehlungen Lokalisation der Obstruktion wichtig
Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) zählt zu den häufigsten Schlafstörungen und betrifft Schätzungen zufolge bis zu einer Milliarde Menschen weltweit. Die Erkrankung geht mit gesteigerter kardiovaskulärer Morbidität, metabolischen Dysregulationen und erhöhter Mortalität einher. Pathophysiologisch liegt der OSA ein nächtlicher Kollaps der oberen Atemwege zu Grunde. Um Behandlungsempfehlungen insbesondere in Richtung operative Therapie aussprechen zu können, ist es häufig notwendig, die Lokalisation der Obstruktion zu ermitteln.
Schlafvideoendoskopie visualisiert Lokalisation des Atemwegskollapses
Hierfür wird die medikamenteninduzierte Schlafvideoendoskopie eingesetzt. Diese visualisiert das anatomische Kollapsmuster des oberen Atemwegs. Eine Einschränkung dieser Untersuchung ist jedoch die fehlende Nachbildung aller Stadien des natürlichen Schlafs-insbesondere des REM-Stadiums. Zudem erfordert die Durchführung der Schlafvideoendoskopie eine klinische Infrastruktur sowie Fachpersonal. Um diese Einschränkungen zu überwinden, untersuchte ein Forscherteam eine Heim Schlafvideoendoskopie (NasoLens) - also eine endoskopische Untersuchung im häuslichen Umfeld während des natürlichen Schlafs.
Studie untersuchte Machbarkeit von Heim-Schlafvideoendoskopie
In einer Studie evaluierten sie die prinzipielle Machbarkeit dieser Heim-schlafvideoendoskopie. Hierfür wurden elf erwachsene Patienten untersucht. Sie führten selbstständig vor dem Einschlafen das dünne Endoskop in die Nase und unterzogen sich der endoskopischen Untersuchung. Sie durchliefen nacheinander drei experimentelle Bedingungen: E1 (nur eine Smartwatch [Vivoactive 5]), E2 (Smartwatch und Heim-PSG [Apnea Link air von Resmed]) und E3 (Smartwatch, Heim-PSG und NasoLens-Heimendoskopie). Die Forscher analysierten die Schlafparameter, um den Einfluss der verschiedenen Bedingungen (E1-3) auf die Schlafkontinuität und -qualität zu ermitteln.
Heim-Schlafvideoendoskopie erstellte hochauflösende Velum-Aufnahmen und störte Schlafarchitektur nicht
Die Wissenschaftler zeigten, dass die Nutzung der Heim-PSG mit einer signifikanten Reduktion der Gesamtschlafdauer assoziiert war (p<0,05), während das nachfolgende Hinzufügen der Heim-Endoskopie nicht mehr in einer weiteren statistisch signifikanten Verkürzung resultierte (p=0,32). Die Studienteilnehmer hielten unter der Nutzung der Heim-Endoskopie die Gesamtschlafzeit von etwa 5,8 h aufrecht. Die Einschlaflatenz nahm von E1-E3 (E1: 19,7 min, E2: 17,9 min und E3: 27,7 min) leicht zu. Diese Unterschiede waren jedoch nicht signifikant. Auch die Schlafeffizienz unterschied sich nicht signifikant zwischen den verschiedenen Bedingungen (E1-E3). Die Häufigkeit von vorzeitigem Erwachen sank signifikant von E1 auf E3 (4,5 versus 2,5; p<0.05). Die Dauer der Wachzeiten unterschied sich nicht. Das Gerät erstellte hochauflösende endoskopische Aufnahmen des velopharyngealen Kollapses ohne die Schlafarchitektur zu stören.
Ausblick in die Zukunft: Validierung der Heim-Schlafvideoendoskopie und zusätzliche Visualisierung des Oropharynx
Eine Einschränkung des NasoLens Systems ist, dass bisher nur die Visualisierung des Velums gelingt. Die Forscher planen diese mit Hilfe eines zwei-Endoskop-Systems zu überwinden. So könnten das Velum und der Oropharynx gleichzeitig dargestellt werden. Zudem planen die Forscher als nächsten Schritt die Validierung des NasoLens Systems mit Hilfe eines Vergleiches mit der Schlafvideoendoskopie. Sollte die Heim-Schlafvideoendoskopie in größeren Studien validiert werden, könnte sie als ergänzendes Diagnostikum in der Schlafmedizin etabliert werden. Insbesondere in Versorgungsbereichen mit eingeschränktem Zugang zu spezialisierten Zentren bietet sich ein solches Instrument an.









