Assoziationen zwischen Hörminderung und körperlicher Aktivität
Etwa zwei Drittel der Erwachsenen über 70 Jahre sind von einer Hörminderung betroffen. Viele Aspekte des Alterns hängen mit dem Vorliegen einer Hörstörung zusammen.
So zeigte beispielsweise eine Studie, dass eine Hörminderung mit einer verminderten physikalischen Aktivität assoziiert ist.
Die Fähigkeit einer Person, alltägliche körperliche Aktivitäten zu bewältigen, wird als Funktionsstatus bezeichnet. Zu diesem zählen Aktivitäten des täglichen Lebens (z.B. anziehen, essen, von einem zum nächsten Raum laufen, aus dem Bett aufstehen und ins Bett zu gehen, Aufstehen von einem Stuhl ohne Armstütze), instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens (z.B. Haushaltsaufgaben, Zubereitung von Essen, die Finanzen managen) und körperliche Aufgaben (z.B. ohne Pause zehn Stufen hinaufsteigen, sich bücken, sich hocken oder sich hinknien).
Ob das Vorliegen einer Hörstörung den Funktionsstatus beeinflusst, ist bisher allerdings wenig untersucht, aber auch deshalb von Relevanz, da ein schlechter Funktionsstatus mit einer verminderten Lebenserwartung verbunden ist.
Ist ein Hörverlust mit dem Abfall des Funktionsstatus assoziiert?
Eine Studie beschäftigte sich daher mit der Frage, ob ein Hörverlust mit einem Abfall des Funktionsstatus assoziiert ist und ob die Nutzung von Hörhilfen diese Assoziation modifiziert.
Studiendesign und Demographie
In dieser Querschnittsstudie wurden 3.142 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 79,3 Jahren eingeschlossen. Dabei waren 32,2% der Studienteilnehmer normal hörend, 38,8% hatten eine geringgradige und 29% eine mittelgradige bis schwergradige Hörbeeinträchtigung. Von den Personen mit geringgradiger Hörminderung nutzten 11,6% Hörhilfen, während bei denen mit mittel- bis schwergradiger Beeinträchtigung 55,9% Hörgeräte verwendeten.
Befunde zum Funktionsstatus
Es zeigte sich, dass Hörstörungen mit einem Rückgang des funktionalen Status assoziiert waren. Verglichen mit den Teilnehmern ohne Hörbeeinträchtigung berichteten mehr Personen mit mittelschwerer bis schwergradiger Beeinträchtigung über Schwierigkeiten bei alltäglichen Aktivitäten (39,9% vs. 31,5%), bei instrumentellen Alltagsaktivitäten (25,7% vs. 21,2%) und bei anspruchsvolleren körperlichen Aufgaben (69,5% vs. 64,4%).
Einfluss der Hörhilfenutzung
Die Autoren der Studie stellten fest, dass eine moderate oder höhere Hörbeeinträchtigung im Vergleich zu normalem Hörvermögen auch mit einem schnelleren Rückgang des funktionalen Status verbunden war. Zudem war jede 10 dB Differenz im Reintondurchschnitt (Pure Tone Average [PTA]) des besser hörenden Ohrs bei einer mittelschweren oder schweren Hörbeeinträchtigung mit einem erhöhten Risiko verbunden, Schwierigkeiten bei Alltagsaktivitäten sowie körperlichen Aufgaben zu haben.
Interessanterweise zeigte sich kein Unterschied im Rückgang des funktionalen Status zwischen den Nutzern von Hörgeräten und den Nicht-Nutzern unter den älteren Patienten mit Hörbeeinträchtigungen.
Die Studienautoren sahen, dass eine moderate oder höhere Hörminderung im Vergleich zum Vorliegen einer Normakusis zudem mit einem schnelleren Abfall des Funktionsstatus assoziiert war.









