Nikotin und Alkohol als wichtigste Risikofaktoren für Kopf-Hals-Tumore
Kopf-Hals-Karzinome (head and neck squamous cell carcinoma [HNSCC]) zählen weltweit zu den häufigsten malignen Erkrankungen. Tabak- und Alkoholkonsum gelten seit Jahrzehnten als zentrale Risikofaktoren. Alkohol ist eher mit Oropharynx und Mundhöhlenkarzinomen assoziiert, wohingegen Nikotin insbesondere das Risiko für Larynxkarzinome erhöht. Insbesondere die Intensität und Dauer des Nikotinkonsums beeinflusst das HNSCC-Risiko. Auf der anderen Seite konnten Studien zeigen, dass durch die Beendigung des Nikotinkonsums das HNSCC Risiko wieder sinken kann. Offen blieb aber bislang insbesondere, wie stark das Restrisiko nach Rauchstopp von Tumorlokalisation (Mundhöhle, Oropharynx oder Larynx), kumulativer Tabakexposition und Alkoholkonsum beeinflusst wird.
Studie untersuchte HNSCC-Risiko bei Ex-Rauchern
Dieser Fragestellung ging nun ein internationales Forscherteam in einer großen multizentrischen Studie nach. Ihre Untersuchung basierte auf gepoolten Daten des International Head and Neck Cancer Epidemiology Consortium (INHANCE). Eingeschlossen wurden ausschließlich ehemalige Raucher, die definitionsgemäß vor mindestens einem Jahr das Rauchen beendet hatten. Insgesamt analysierten die Autoren so insgesamt 2.143 Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen sowie 5799 Kontrollpersonen ohne Tumorerkrankung. Die Malignome wurden entsprechend ihrer Lokalisation unterteilt in: Larynxkarzinome (n=954), Oropharynxkarzinome (n= 685) und Mundhöhlenkarzinome (n= 504).
Langer Nikotinkonsum erhöhte das Tumorrisiko deutlich
Die Studie zeigte eine klare Beziehung zwischen kumulativer Tabakexposition und dem HNSCC-Risiko. Personen mit mehr als 50 Pack-Years wiesen im Vergleich zu ehemaligen Rauchern mit weniger als 10 Pack-Years ein signifikant erhöhtes Erkrankungsrisiko auf.
Dabei unterschieden sich die Risiken je nach Tumorlokalisation: Mundhöhlenkarzinome und Larynxkarzinome wiesen das höchste Risiko auf (2,8-fach erhöhtes Risiko bzw. 2,6-fach erhöhtes Risiko).
Früher Rauchbeginn steigerte das Risiko für ein HNSCC
Auch das Alter des Beginns des Rauchens spielte eine Rolle. So zeigten die Autoren, dass Personen, die vor dem 15. Lebensjahr mit dem Rauchen starteten, das höchste Risiko für die Entwicklung eines HNSCC aufwiesen.
Zeitpunkt des Rauchstopps beeinflusste das Risiko
Zudem zeigten die Wissenschaftler, dass Patienten, die erst nach dem 55. Lebensjahr mit dem Rauchen aufgehört hatten, ein deutlich erhöhtes Tumorrisiko im Vergleich zu Personen mit Rauchstopp bis zum 45. Lebensjahr hatten. Dies traf insbesondere für das Larynxkarzinom (3fach erhöhtes Risiko) und Mundhöhlenkarzinom (2,2-fache Risikoerhöhung) zu.
Alkohol verstärkt das Risiko insbesondere im Oropharynx
Neben der Tabakexposition erwies sich auch Alkohol als Risikofaktor. So erhöhte der Konsum von mehr als drei alkoholischen Getränken am Tag im Vergleich zu 0-0,9 alkoholischen Getränken täglich das Risiko für HNSCC. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Patienten mit hohem Alkoholkonsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken pro Tag.
Diese hatten ein um 5-fach erhöhtes Risiko für Oropharynxkarzinome, 4,4-fach erhöhtes Mundhöhlenkarzinom-Risiko und 3,1-fach erhöhtes Risiko ein Larynxkarzinom zu entwickeln.
Die Daten sprechen dafür, dass Alkohol insbesondere bei Tumoren der Mundhöhle und des Oropharynx das Risiko modifiziert.
Bedeutung für Prävention und Nachsorge ehemaliger Raucher
Für die klinische Praxis unterstreichen die Studienergebnisse die Bedeutung früher Präventionsmaßnahmen und konsequenter Tabakentwöhnung bereits in jüngeren Lebensjahren.
Trotz des Nikotin-Stops bleibt ein Restrisiko für die Entwicklung eines HNSCC bestehen. Auf Grundlage ihrer Studienergebnisse empfehlen die Forscher insbesondere folgende Patientengruppen aufgrund ihres erhöhten Risikos intensiver zu überwachen:
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