Review: Zusammenhang zwischen Riechstörungen und Gebrechlichkeit bei älteren Personen

Riechstörungen und Gebrechlichkeit treten beide häufig im höheren Lebensalter auf und beeinträchtigen die Lebensqualität signifikant. Eine umfassende Meta-Analyse hat nun die Beziehung zwischen diesen beiden Phänomenen beleuchtet.

Riechstörungen

Im Alter vermehrt Riechstörungen

Riechstörungen sind eine häufige Erkrankung bei Älteren. Etwa 24,5% der älteren Erwachsenen in Amerika sind von einer Riechstörung betroffen. 
Mehrere Studien zeigten bereits, dass das Alter mit einer erhöhten Prävalenz und Schwere von Riechstörungen einhergeht. Die Fähigkeit zu riechen, beeinflusst die täglichen Abläufe und die Lebensqualität der Menschen. Neue Erkenntnisse deuten zudem darauf hin, dass das Vorliegen einer Riechstörung mit der Gesamtmortalität inklusive neurodegenerativen, kardiovaskulären und Immunerkrankungen assoziiert zu sein scheint.

Gebrechlichkeit bedeutet erhöhte Empfänglichkeit für externe Stressoren

Die Gebrechlichkeit oder Frailty kennzeichnet eine besondere Verletzlichkeit gegenüber negativen Gesundheitsereignissen als Reaktion auf Stress. Sie manifestiert sich durch eine fortschreitende, kumulative Verschlechterung verschiedener physiologischer Systeme. Typische Anzeichen von Frailty sind unter anderem ungewollter Gewichtsverlust, reduzierte Händedruckstärke, anhaltende Müdigkeit, verlangsamte Gehgeschwindigkeit und eingeschränkte körperliche Aktivität. Zusätzlich ist die Gebrechlichkeit durch einen fortschreitenden Funktionsverlust mehrerer Organe und eine erhöhte Anfälligkeit für externe Stressfaktoren charakterisiert. Aktuelle Schätzungen beziffern die globale Prävalenz der Gebrechlichkeit unter älteren Menschen auf etwa 43,4 Fälle pro 1.000 Personenjahre.

Kann eine Riechstörung Gebrechlichkeit hervorsagen?

Es gibt Hinweise darauf, dass das Vorliegen einer Riechstörung ein prädiktiver Faktor für Prä-Frailty und Gebrechlichkeit sein könnte.

Eine Studie beschäftigte sich daher mit der Fragestellung, ob das Vorliegen einer Riechstörung mit der Gebrechlichkeit assoziiert ist. Für dieses Review wurden die Daten von 10.624 Menschen in zehn Studien analysiert. 52,9% der Probanden waren Frauen. Das durchschnittliche Alter zum Studienzeitpunkt betrug 62,9 Jahre.

Vorliegen Riechstörung erhöht Risiko für Frailty

Die Studienautoren sahen, dass das Vorliegen einer Riechstörung mit einem 2,32-fach erhöhten Risiko für eine Gebrechlichkeit assoziiert war.

Je höher Grad der Frailty desto höher Risiko für Riechstörung

Die Wissenschaftler zeigten ferner, dass das Risiko für das Vorliegen einer Riechstörung mit der Zunahme der Gebrechlichkeit stieg (1,55-fache Risikoerhöhung bei Individuen mit Prä-Frailty, 2,28-fache bei Individuen mit Gebrechlichkeit und 4,67-fache bei starker Frailty).

Wie kommt es zur Assoziation zwischen Riechstörung und Frailty?

Die Studienautoren schlagen verschiedene zugrunde liegende Mechanismen für die gefunden Ergebnisse vor:

Riechstörung mit neurodegenerativem Status assoziiert

Es ist aus vergangenen Studien bekannt, dass die Beeinträchtigung des Riechvermögens mit dem neurodegenerativen Status assoziiert ist. Hier wird davon ausgegangen, dass die olfaktorische Identifikation und Regulation abhängig von der Integrität höherer kognitiver Funktionen sind.

Radiologische Untersuchungen zeigten, dass es durch das Altern zu atrophischen Veränderungen im Gehirn kommt. Diese können auch Bereiche betreffen, die für das Riechen wichtig sind.

Zudem liegen verschiedene dokumentierte Korrelationen zwischen Riechstörungen oder neurodegenerativen Erkrankungen und Charakteristika der Gebrechlichkeit wie beispielsweise langsame Laufgeschwindigkeit oder schwacher Händedruck vor.

Riechstörung verändert Nutrition

Zweitens könnte eine Riechstörung mit Ernährungsgewohnheiten und damit auch Malnutrition assoziiert sein. So könnten kumulative Störungen der Riechfunktion über die Zeit mit Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten assoziiert sein. Hierdurch könnten manche Patienten unbeabsichtigten Gewichtsverlust, ein Charakteristikum der Gebrechlichkeit, erleiden.

Hierzu passend zeigten verschiedene Beobachtungsstudien Assoziationen, die eine geringere Gebrechlichkeits-Prävalenz bei Erwachsenen mit Riechstörungen, die eine spezielle Diät machten, beispielsweise reich an Proteinen/Selen und Vitamin A/Betacarotin, nachwiesen.

Riechstörung und Frailty liegt Entzündung zugrunde

Drittens gibt es Hinweise, dass eine Entzündung ein häufiger Weg ist, der die Riechstörung und die Gebrechlichkeit miteinander verbindet.

So sind beide mit erhöhten Leveln von proinflammatorischen Biomarkern in Verbindung gebracht worden.

Fazit: Riechstörung möglicher Biomarker für Frailty

Laut den Studienautoren könnte eine Riechstörung somit ein möglicher Biomarker für Gebrechlichkeit sein. Sie empfehlen die Durchführung von weiteren Studien, um zu evaluieren, ob eine Riechstörung ein modifizierbarer Risikofaktor für Gebrechlichkeit darstellen könnte.

Autor:
Stand:
29.08.2024
Quelle:

Yeo et al. (2024): Olfactory Impairment and Frailty. JAMA Otolaryngology-Head&Neck Surgery. doi:10.1001/jamaoto.2024.1854

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