Schichtarbeit stört zirkadiane Rhythmik
Schichtarbeit wird in vielen Arbeitsbereichen genutzt, um einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb aufrecht erhalten zu können. Etwa 20% der globalen Arbeitskraft wird von Schichtarbeitern geleistet. Durch ihre häufig irregulären Arbeitszeiten kommt es zu wechselnden Schlaf-Wach-Rhythmen, wodurch Störungen des zirkadianen Rhythmus auftreten können. Resultate können beispielsweise Schlafstörungen und Fatigue sein. Kommt es hierdurch zu Beeinträchtigungen der Betroffenen, kann ein Schichtarbeiter-Syndrom vorliegen, welches geschätzt rund 26,5% der Schichtarbeiter betrifft.
Störung der zirkadianen Rhythmik kann zu Problemen führen
Die Störung des zirkadianen Rhythmus kann zudem das Risiko für Krebserkrankungen und kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen. Auch für die Arbeitsstätte können sich problematische Situationen ergeben, wie beispielsweise reduzierte Level an Aufmerksamkeit und Produktivität, häufigere Krankheitstage sowie ein höheres Risiko für Unfälle und Verletzungen. Um dem entgegenzuwirken, können Schlafinterventionen genutzt werden.
Übersichtsarbeit evaluiert Schlafinterventionen für Schichtarbeiter
Ein aktuelles Review fasst nicht-pharmakologische Maßnahmen für Schichtarbeiter zusammen und informiert über ein präventives Schlafmanagementprogramm. Mögliche Strategien umfassen: 1) angepasster Schichtplan, 2) kontrollierte Lichtexposition, 3) Schlafhygiene, 4) geplantes Schläfchen, 5) Koffeinkonsum, 6) Verhaltenstherapie und 7) Mind-Body-Interventionen.
Angepasster Schichtplan kann den Schlaf verbessern
Im Vergleich zu rückwärts-rotierten Arbeitszeitsystemen (Nachtschicht-Spätschicht-Frühschicht), scheint das vorwärts-rotierte Schichtsystem (Frühschicht-Spätschicht-Nachtschicht) vorteilhaft für den Schlaf und die Aufmerksamkeit zu sein.
Zudem zeigten Studien, dass eine schnelle Rotation (zwei Frühschichten, zwei Spätschichten, zwei Nachtschichten, zwei Tage frei) den Schlaf der Schichtarbeiter im Vergleich zur langsamen Rotation (sieben Frühschichten, zwei Tage frei, sieben Spätschichten, zwei Tage frei, sieben Nachtschichten, zwei Tage frei) verbessert.
Für die Arbeiter ist es zudem vorteilhaft, selbst entscheiden zu können, wann ihre Schicht startet, wie lange sie dauert und welche Aufgaben sie wahrnehmen. So steigt ihre Autonomie und Stress kann reduziert werden.
Arbeitsdauer und freie Zeit zwischen den Schichten
Die Evidenz bezüglich der optimalen Schichtdauer ist nicht eindeutig. Die Reduktion der Schichtdauer von >12 Stunden zu <10 Stunden scheint den Schlaf zu verbessern. Um die zirkadiane Rhythmik so wenig wie möglich zu stören, sollten Morgenschichten so spät wie möglich starten, während die Abendschichten so früh wie möglich enden sollten.
Um das Risiko für Fatigue-bedingte Unfälle zu reduzieren, empfehlen Experten ein Maximum von fünf bis sieben konsekutiven Schichten und nicht mehr als drei aufeinander folgende Nachtschichten. Als Ruhezeiten zwischen den Schichten empfiehlt die Gesellschaft für Arbeitszeit ein Minimum von elf Stunden. Freie Tage sollten nach Nachtschichten genommen werden. Zudem sollte ein Wochenend-Äquivalent, also zwei freie Tage am Stück, pro Rotation gewährt werden, um die Work-Life-Balance zu schützen.
Bedeutung von Chronotyp und Lichtexposition
Zudem geben Studien Hinweise darauf, dass es vorteilhaft zu sein scheint, wenn bei der Vergabe der Schichten der Chronotyp des jeweiligen Arbeiters berücksichtigt wird. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Lichtexposition. Die Forschung zeigt, dass blaues Licht die Schlafqualität, Aufmerksamkeit, Konzentration und Performance verbessern kann. Die Exposition gegenüber blauem hochintensem Licht zum Zeitpunkt der zirkadianen Müdigkeit kann die Adaption an eine Nachtschicht erleichtern. Um die Rückkehr zu „normalen“ Schlafmustern vorzubereiten, kann die Lichtexposition jeden Tag zu einem etwas späteren Zeitpunkt stattfinden.
Schlafhygiene sollte an Schichtarbeit angepasst sein
Die Schlafhygiene kann häufig von Schichtarbeitern schwer umgesetzt werden und muss an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. So kann beispielsweise ein 20–30-minütiges Schläfchen vor oder während einer Nachtschicht helfen, die Aufmerksamkeit und Performance zu erhöhen. Unterstützend kann hier auch eine geringe Dosis Koffein wirken. Diese sollte jedoch nicht zu nah an der geplanten Schlafzeit sein.
Kognitive Verhaltenstherapie kann vorteilhaft sein
Um eine mögliche Insomnie bei Schichtarbeitern zu behandeln, empfiehlt das Mini-Review eine an Schichtarbeit angepasste kognitive Verhaltenstherapie. Als Modifikation wurde beispielsweise ein vierstündiger Hauptschlaf mit gleichzeitiger extra Stunde im Bett im Vergleich zu dem in der Therapie etablierten einheitlichen Schlafschema vorgeschlagen.
Mind-Body-Interventionen können Stress reduzieren
Die Forschung konnte zudem zeigen, dass Mind-Body-Interventionen, beispielsweise Yoga und körperliche Aktivität, Stress reduzieren und die Schlafquantität erhöhen können. Sie werden von den Autoren des Reviews daher als sinnvolle Ergänzung gemeinsam mit weiteren Maßnahmen bewertet.









