Wenig Schlaf verstärkt Schmerz nach Muskeltrauma

Es ist bekannt, dass Schlaf das Schmerzempfinden beeinflussen kann. Nun konnte gezeigt werden, dass Schlafentzug zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit bei akuten Muskelschmerzen führen kann.

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Schmerz und Schlaf

Schmerz ist als eine unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung definiert, die mit einem Gewebeschaden oder der Gefahr desselben verbunden ist. Schmerz kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Ein wichtiger Faktor diesbezüglich ist der Schlaf. Viele Menschen mit chronischen Schmerzen berichten über eine schlechte Schlafqualität im Vergleich zu gesunden Kontrollen.

Eine direkte Beziehung scheint zudem zwischen der Schlafqualität und der Schwere von Schmerzen zu bestehen. Ein Langzeiteffekt von einer solchen Assoziation kann zu einem Teufelskreis werden, wo Schmerzerfahrung und Schlafmangel einen aufrechterhaltenden Effekt aufeinander haben. Obwohl bekannt ist, dass lange Phasen von schlechtem Schlaf das Risiko erhöhen chronische Schmerzen zu entwickeln, ist unbekannt, ob und wie Schlafstörungen die Empfindlichkeit von Schmerzmechanismen nach einem akuten Muskelschaden modulieren.

Zusammenhang zwischen Schlafentzug und Schmerzempfindlichkeit nach Muskeltrauma

Eine verblindete Vergleichs-Querschnittsstudie untersuchte daher kürzlich, ob und wie Schlafstörungen die Schmerzempfindlichkeit nach akutem Muskeltrauma modulieren. Es wurden 36 gesunde Teilnehmer zwischen 20 und 35 Jahren in die Studie eingeschlossen und in drei Gruppen randomisiert. Von den Teilnehmern kamen 11 Probanden in die Kontrollgruppe und der Rest wurde auf zwei Gruppen aufgeteilt, die wiederholt exzentrische Übungen für den Quadrizeps machen sollten, um einen verspätetet einsetzenden Muskelschmerz zu verursachen. Von den beiden Übungsgruppen ging eine Gruppe mit 12 Personen ihrer gewöhnlichen Schlafroutine nach (Schlafgruppe) und die restlichen 13 Teilnehmer wurden gebeten, eine Nacht nicht zu schlafen (Nicht-Schlaf-Gruppe). Die Schmerzlevel wurden am ersten Tag sowie nach 48 Stunden gemessen.

Schmerzschwelle in Übungsgruppen reduziert

Die Wissenschaftler sahen, dass bei beiden Übungsgruppen die Schmerzschwelle am Tag drei im Vergleich zur Ausgangsmessung signifikant reduziert war. Die relative Änderung der Schmerzschwelle war in der Nichtschlafgruppe im Vergleich mit der Kontrollgruppe größer (p<0,05), wohingegen keine signifikanten Änderungen in der Schlafgruppe im Vergleich mit den Kontrollen zu beobachten war.

Die Studienautoren erklären diese Ergebnisse durch einen zusätzlichen Anstieg der Schmerzüberempfindlichkeit, der durch den Schlafentzug zustande kam. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass ein Schlafentzug die Schmerzempfindlichkeit, die durch exzentrische Übungen verursacht wurde, erhöhen könnte.

Trend zu größerem Abfall der Schmerzschwelle außerhalb des Schmerzgebietes

Die Größe des Gebietes, in dem Schmerz empfunden wurde, unterschied sich nicht zwischen den drei Gruppen. Interessanterweise wurde ein nichtsignifikanter Trend dahingehend beobachtet, dass es zu einem größeren Abfall der Schmerzschwelle außerhalb des Muskelschmerzgebiets (M. tibialis anterior und M. deltoideus) kam. Die subjektive Wahrnehmung des verspätet einsetzenden Muskelschmerzes war in der Nicht-Schlaf-Gruppe leicht höher im Vergleich mit der Schlafgruppe. Diese Unterschiede waren jedoch nicht signifikant (p>0,05).

Schlafverlust verstärkt Schmerzempfindlichkeit nach Weichgewebstrauma

Die Studienautoren empfehlen weitere Studien, um die Ergebnisse der Studie im klinischen Kontext zu verifizieren. Es scheint sinnvoll zu sein, eine gute Schlafhygiene einzuhalten, wenn man sich von einer Verletzung erholt.

Autor:
Stand:
21.08.2023
Quelle:

Palsson et al. (2023): Sleep deprivation increases pain sensitivity following acute musclesoreness. Sleep medicine, DOI: https://doi.org/10.1016/j.sleep.2023.06.010

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