Wenn Staphylococcus aureus in der Blutkultur nachgewiesen wird, besteht per definitionem eine Bakteriämie (SAB), die fast immer zu einer Blutstrominfektion führt. Und die SAB ist keineswegs selten: Die Inzidenz liegt bei 20–30 pro 100.000 Einwohner. Zwar ist die SAB per se noch nicht lebensbedrohlich, aber sie kann es werden, z.B. wenn sich eine Sepsis entwickelt. Die Mortalitätsrate bei SAB wird mit 20–30% angegeben.
Risikofaktor Geschlecht
Im klinischen Alltag wäre es gut zu wissen, welche Patienten besonders gefährdet sind. Zu den bisher identifizierten Risikofaktoren für die Mortalität bei Patienten mit Staphylococcus aureus-Bakteriämie gehören unter anderem zunehmendes Alter, infektiöse Endokarditis, Hämodialyse-Abhängigkeit und persistierende Bakteriämie. Im Zuge der Gender-spezifischen und personalisierten Medizin richtet sich der Blick auch darauf, welches Geschlecht für einen schweren Verlauf disponiert ist.
Widersprüchliche Datenlage zu SAB und Geschlechtseinfluss
In Sachen SAB gab es bisher widersprüchliche Studienergebnisse – mal galten Frauen als besonders gefährdet, mal war die Mortalitätsrate bei beiden Geschlechtern annähernd gleich. Wissenschaftler der Universitäten Leiden (Niederlande) und Durham (North-Carolina, USA) wollte es nun genau wissen. In ihre Metaanalyse wurden 89 Studien mit 132.582 Patienten eingeschlossen, von denen 62,1% männlich und 37,9% weiblich waren.
Frauen sterben eher an SAB
Unadjustierte Mortalitätsdaten lagen aus 81 Studien (109.828 Patienten) vor und ergaben in der Analyse eine um 12% erhöhte Mortalität bei weiblichen Patienten im Vergleich zu männlichen (gepoolte Odds Ratio [OR]: 1,12; 95% Konfidenzintervall [KI]: 1,06 bis 1,18).
Zusätzliche Daten zu Patientenmerkmalen und behandlungsbedingte Variablen lagen bei 32 Studien mit 95.469 Patienten vor. Wurden diese gesondert berechnet (adjustierte Berechnung), lag das Mortalitätsrisiko bei Frauen im Vergleich zu Männern sogar um 18% höher (gepoolte adjustierte OR: 1,18; 95%-KI: 1,11 bis 1,27).
Wohnort hat Einfluss auf Mortalitätsrisiko
Diese Mortalitätsrate der Frauen schwankt aber je nach geografischer Lage: Subgruppenanalysen zeigten, dass die Frauen in Ostasien ein annähernd den Männern gleiches Sterberisiko bei SAB haben (gepoolte aOR von 0,96; 95%-KI 0,76 bis 1,22). Hingegen sterben deutlich mehr Frauen als Männer an SAB, wenn sie in Nordamerika behandelt wurden (gepoolte aOR 1,57; 95%-KI 1,23 bis 2,01).
Weitere Studien zu den Hintergründen nötig
Das Fazit der Autoren: Frauen sterben eindeutig häufiger an einer Staphylococcus aureus-Bakteriämie als Männer. Warum das so ist, konnte die Studie allerdings nicht eruieren. Hier seien weitere Untersuchungen erforderlich, so das Forscherteam.









