Einfluss von BMI und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Krebsrisiko

Eine aktuelle Studie analysierte den Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index und kardiometabolischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes im Hinblick auf das Risiko für adipositasbedingte Krebserkrankungen. Dabei zeigte sich, dass eine höherer BMI unabhängig vom kardiometabolischen Status mit einem erhöhten Risiko assoziiert ist.

Frau Kardiologin

Die globale Zunahme von Übergewicht und Adipositas, charakterisiert durch einen Body-Mass-Index (BMI) von 25 kg/m2 bzw. 30 kg/m2 oder höher, hat in den letzten Jahrzehnten besorgniserregend zugenommen. Diese Entwicklung geht einher mit einem erhöhten Risiko für nichtübertragbare Krankheiten (NCDs), darunter kardiometabolische Erkrankungen (CMD) wie Typ-2-Diabetes (T2D) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) sowie bestimmte Krebsarten. Ein hoher BMI gilt zudem als Risikofaktor für mindestens 13 Krebsarten, darunter kolorektales Karzinom, Leber- oder Pankreaskarzinom sowie multiples Myelom.

Es hat sich außerdem gezeigt, dass die Kombination von kardiometabolischen Erkrankungen und Krebs bei einem Patienten häufig zu Multimorbidität führt, an deren Entstehung auch gemeinsame biologische Pfade, wie Entzündung und oxidativer Stress, beteiligt sind. So wird beispielsweise Typ-2-Diabetes ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für mehrere Krebsarten in Verbindung gebracht. Der Zusammenhang zwischen BMI und Krebs in der Bevölkerung wurde bereits in mehreren Studien untersucht, allerdings wurde bisher wenig Fokus auf das gleichzeitige Vorliegen einer kardiometabolischen Erkrankung gelegt.

Verbindung zwischen BMI, kardiometabolischen Erkrankungen und Krebs

Eine kürzlich publizierte Studie untersuchte deshalb, ob und wie sich das Krebsrisiko in Abhängigkeit vom BMI bei Erwachsenen mit und ohne kardiometabolische Erkrankungen unterscheidet. Die Analyse basiert auf Daten von zwei prospektiven Kohortenstudien, der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) und der UK Biobank (UKB) und umfasst 577.343 Teilnehmer ohne vorherige Diagnose einer Krebserkrankung, Typ-2-Diabetes oder einer kardiovaskulären Erkankung. Die Forscher verwendeten Cox-Proportional-Hazards-Regressionen, um multivariabel angepasste Hazard Ratios (HRs) und 95%-Konfidenzintervalle (CIs) zu schätzen.

Einblicke aus umfangreichen Datenanalysen

Die Auswertung ergab, dass ein erhöhter BMI (pro ~5 kg/m2) positiv mit dem Risiko für adipositasbedingte Krebserkrankungen bei Teilnehmern ohne kardiometabolische Erkrankungen assoziiert ist. Dieser Zusammenhang zeigte sich auch Patienten mit Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen oder beiden. Zudem wurde eine additive Interaktion zwischen Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m2) und kardiovaskulären Erkrankungen im Hinblick auf das Gesamtkrebsrisiko festgestellt.

Implikationen für die Prävention und Behandlung

Die Ergebnisse unterstreichen, dass ein höherer BMI, unabhängig vom kardiometabolischen Status, das Risiko für adipositasbedingte Krebserkrankungen erhöht. Im Hinblick auf die additive Interaktion zwischen Adipositas und kardiovaskulären Erkrankungen schlussfolgern die Autoren, dass Präventionsmaßnahmen gegen Adipositas insbesondere in Bevölkerungsgruppen mit kardiovaskulären Erkrankungen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine größere Reduktion des Krebsrisikos bewirken könnten.

Autor:
Stand:
05.02.2024
Quelle:

Fontvieille E, Viallon V, Recalde M, et al. Body mass index and cancer risk among adults with and without cardiometabolic diseases: evidence from the EPIC and UK Biobank prospective cohort studies. BMC Med. 2023;21(1):418. Published 2023 Nov 23. doi:10.1186/s12916-023-03114-z

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