Studien haben gezeigt, dass geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Entstehung einer Atherosklerose existieren. Frauen entwickeln demnach im Vergleich zu Männern erst in höherem Alter Atherosklerose. Ebenfalls besteht bei Frauen ein höheres Risiko für die Ausdehnung nicht-obstruktiver Plaques, von Plaques in der linken Hauptschlagader und der Größe und Ausdehnung der verkalkten Plaques mittels Agatson-Kalk-Scoring.
Untersucht wird die prognostische Bedeutung der koronaren Atherosklerose anhand eines Scores, der den Schweregrad der Stenose, die Lage, das Ausmaß und die Zusammensetzung der Plaques berücksichtigt.
Eine aktuelle Studie untersuchte nun geschlechts- und altersspezifische Wechselwirkungen zwischen dem Auftreten von Atherosklerose und dem MACE-Risiko anhand einer großen Patientenkohorte, die sich einer klinisch indizierten koronaren CT-Angiographie (coronary computed tomography angiography [CCTA]) unterzog. Hierfür wurden 11.678 Frauen im mittleren Alter von 58,5 Jahren und 13.272 Männer mit einem mittleren Alter von 55,6 Jahren, die für eine CCTA überwiesen wurden über 3,7 Jahre nachverfolgt und der Leiden CCTA Score berechnet. Weiterhin wurden geschlechtsspezifische Unterschiede für das Auftreten von MACE nach Anpassung an das Alter und die kardiovaskulären Risikofaktoren analysiert.
Alters- und geschlechtsabhängiges Ausmaß und Schwere der Atherosklerose
Generell zeigte sich, dass die atherosklerotische Gesamtbelastung, gemessen mittels dem Leiden CCTA-Risikoscore, mit steigendem Alter sowohl bei Frauen als auch bei Männern anstieg. Jedoch zeigte sich eine Verzögerung beim Auftreten der koronaren Atherosklerose (Leiden CCTA-Risikoscore ≥ 0) im Vergleich von Frauen zu Männern von 12 Jahren (Frauen 64-68 Jahre vs. Männer 52-56 Jahre, p<0,001). Der geschlechtsspezifische Unterschied nahm mit steigendem Alter ab, war aber bei den Männern in allen Alterskategorien gegenüber den Frauen signifikant erhöht.
Assoziation des Leiden CCTA-Risikoscore und dem Auftreten von MACE
Es zeigte sich, dass der Leiden CCTA-Risikoscore unabhängig mit dem Auftreten von MACE assoziiert war, sowohl bei Frauen als auch bei Männern (Frauen: Score 6 bis 20: Hazard Ratio (HR): 2,29, 95%-Konfidenzintervall (KI): 1,69 bis 3,10); Score > 20: HR: 6,71, 95%-KI: 4,36 bis 10,32 vs. Männern: Score 6 bis 20: HR: 1,64, 95%-KI: 1,29 bis 2,08; Score > 20: HR: 2,38, 95%-KI: 1,73 bis 3,29).
Für prämenopausale Frauen (Alter < 55 Jahre) war der Risikoscore gleichermaßen prädiktiv und vergleichbar mit den Männern, während für postmenopausale Frauen (≥ 55 Jahre) der prognostische Wert höher mit einer signifikanten Wechselwirkung für die höchste Risikogruppe (Frauen: Score 6 bis 20: HR: 2,21, 95%-KI: 1,57 bis 3,11; Score > 20: HR: 6,11, 95%-KI: 3,84 bis 9,70 vs. Männer: Score 6 bis 20: HR: 1,57, 95%-KI: 1,19 bis 2,09; Score > 20: HR: 2,25, 95%-KI: 2,25, 95%-KI: 1,58 bis 3,22). Im Allgemeinen zeigten Frauen bei der höchsten Score-Gruppe ein signifikant höheres Risiko.
Geschlechtsspezifische Unterschiede für postmenopausale Frauen
Die Studienergebnisse bestätigen, dass bei Frauen die Entstehung von Atherosklerose im Vergleich zu Männern verzögert ist und Frauen eher eine nicht-obstruktive Erkrankung haben und diese ebenfalls ein Risiko für Myokardinfarkte darstellt. Das erhöhte Risiko wurde anhand des Leiden CCTA-Risikoscores ermittelt. Ursächlich hierfür könnte der geringere Innendurchmesser der Koronararterien bei Frauen sein. Dies führt dazu, dass eine vergleichbare Plaquegröße bei Frauen zu einem höheren Einfluss auf den Blutfluss haben könnte und somit zu einer beschleunigten Atheroskleroseentwicklung bei ähnlicher Belastung in postmenopausalen Frauen führt. Diese Erkenntnisse sollten bei der Intensität der Prävention und der therapeutischen Behandlung von Frauen einfließen.









