Herausforderung der späten Diagnosestellung bei Herzinsuffizienz
Herzinsuffizienz ist eine der führenden Ursachen für Morbidität und Mortalität in Deutschland. Schätzungsweise vier Millionen Menschen sind betroffen, wobei viele Fälle erst in einem späten Stadium erkannt werden. Dies liegt vor allem daran, dass die Erkrankung im frühen Stadium asymptomatisch verläuft. Bestehende Diagnoseverfahren, wie Echokardiographie oder BNP(Brain natriuretic Peptide)-Bestimmungen, sind zwar etabliert, erkennen jedoch subklinische Formen oft nicht frühzeitig genug. Eine frühzeitige Diagnose könnte helfen, schwerwiegende Verläufe zu verhindern und die Versorgung, gerade im ländlichen Raum, zu verbessern.
Innovatives MRT-Screening als Lösung
Das Innovationsfondsprojekt "HerzCheck" verfolgt unter der Leitung des Deutschen Herzzentrums der Charité Berlin (DHZC) gemeinsam mit Partnern wie der AOK Nordost einen neuen Ansatz: Eine nahezu vollautomatisierte, telemedizinisch überwachte MRT-Diagnostik ermöglicht eine frühzeitige Detektion einer subklinischen (asymptomatischen) Herzinsuffizienz.
Studienaufbau und Methodik
Zwischen Juni 2021 und April 2023 wurden 4.509 beschwerdefreie Personen im Alter von 40 bis 69 Jahren untersucht, die mindestens einen kardiovaskulären Risikofaktor wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht, Hyperlipidämie, Niereninsuffizienz oder Rauchen aufwiesen. Die mobilen Herz-MRTs fanden an 12 Standorten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern statt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Untersuchung des linksventrikulären globalen longitudinalen Strains (GLS), einer sensitiven Messgröße zur Beurteilung der Myokardfunktion.
Ergebnisse: Frühere Diagnose, bessere Prognose
- Bei 22,7 % der Untersuchten wurde eine subklinische Herzinsuffizienz festgestellt.
- Männer mit Risikofaktoren hatten ein signifikant höheres Risiko (37 %) als Frauen (12 %).
- Mit zunehmendem Alter stieg die Prävalenz: 21 % bei 40- bis 49-Jährigen, 25 % bei 60- bis 69-Jährigen.
- Durch das MRT-Screening konnte die Erkrankung im Schnitt sieben Jahre früher diagnostiziert werden als mit herkömmlichen Verfahren.
Implikationen für die kardiologische Praxis
Diese Ergebnisse unterstreichen den hohen Stellenwert frühzeitiger Diagnostik mittels MRT. Die Integration solcher Screening-Programme in die Regelversorgung könnte helfen, Herzinsuffizienz besser zu kontrollieren und Hospitalisierungen zu reduzieren.
Fazit und Ausblick
"HerzCheck" zeigt, dass mobile MRT-Screenings eine vielversprechende Strategie zur Früherkennung von Herzinsuffizienz sind.
Die Implementierung in die Routineversorgung erfordert jedoch weitere Forschung und gesundheitspolitische Weichenstellungen. Zukünftige Studien sollten prüfen, wie präventive Interventionen das Fortschreiten der Erkrankung weiter minimieren können. Es sollte außerdem die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, solche Verfahren auf andere Organsysteme auszudehnen.








