Klimawandel und Herzgesundheit: Wissenschaftliche Erkenntnisse und Handlungsbedarf

In einer umfassenden systematischen Übersichtsarbeit, die am 12. Juni 2024 in JAMA Cardiology veröffentlicht wurde, haben Forscher herausgefunden, dass klimabedingte Umweltbelastungen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erheblich erhöhen. Die Studie zeigt, dass insbesondere ältere Menschen, ethnische Minderheiten und wirtschaftlich benachteiligte Gemeinschaften überproportional betroffen sind.

Hitze Herz

Eine systematische Überprüfung von 492 Beobachtungsstudien hat gezeigt, dass Umweltstressoren, die mit dem Klimawandel in Verbindung stehen, wie extreme Temperaturen und Hurrikane, mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind.

Extreme Temperaturen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Von den 492 untersuchten Studien beschäftigten sich 182 mit den Auswirkungen extremer Temperaturen. Diese Studien zeigen eine deutliche Zunahme der kardiovaskulären Sterblichkeit und Morbidität, wobei die Schwere der Auswirkungen je nach Temperatur und Expositionsdauer variierte. Besonders ältere Menschen und ethnische Minderheiten sind betroffen.

Ozon und extreme Wetterereignisse: Verstärkende Faktoren

210 Studien untersuchten den Einfluss von bodennahem Ozon, welches das Risiko bei hohen Temperaturen noch verstärkt. Weitere 63 Studien widmeten sich extremen Wetterereignissen wie Hurrikanen und Staubstürmen, die langfristige kardiovaskuläre Risiken mit sich bringen. Die Studien zeigen, dass die gesundheitlichen Auswirkungen solcher Ereignisse oft noch Monate nach dem eigentlichen Vorfall anhalten.

Unklare Datenlage bei Waldbränden

Im Gegensatz zu den klaren Ergebnissen bei extremen Temperaturen und Ozon ist die Datenlage zu den Auswirkungen von Rauch durch Waldbrände weniger eindeutig. Während einige Studien einen leichten Anstieg der kardiovaskulären Mortalität und Krankenhausaufenthalte feststellten, fanden andere keine signifikanten Zusammenhänge. Die Studienautoren betonen, dass zukünftige Studien deshalb dringend notwendig seien, um die gesundheitlichen Auswirkungen von Waldbränden besser zu verstehen und effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln.

Ungleichheit der Betroffenen

Ein zentraler Befund der Studie ist die ungleiche Verteilung der Gesundheitsrisiken. Besonders ältere Erwachsene, ethnische Minderheiten und wirtschaftlich benachteiligte Gemeinschaften sind überproportional von klimabedingten kardiovaskulären Risiken betroffen. Gleichzeitig fehle es an Daten zu den Auswirkungen in einkommensschwachen Ländern, was die globale Dimension des Problems unterstreicht.

Handlungsbedarf für Politik und Medizin

Die Studienautoren betonen, dass Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen sowie zum Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen dringend erforderlich sind. Sie heben hervor, dass der Klimawandel nicht nur eine Umwelt- und Wirtschaftskrise, sondern auch eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt.

Autor:
Stand:
19.06.2024
Quelle:

Kazi, Dhruv S., et al. "Climate Change and Cardiovascular Health: A Systematic Review." JAMA cardiology (2024).

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