NextGen für eine personalisierte Kardiologie

Auf einem Treffen in Utrecht wurde das EU-geförderte Projekt NextGen an den Start gebracht, das europäische Datensätze normieren soll, um auf der Basis genetischer und gesundheitlicher Informationen die Personalisierung der kardiologischen Versorgung voranzubringen.

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Folgen kardiovaskulärer Erkrankungen

Kardiovaskuläre Erkrankungen (cardiovascular diseases [CVDs]) sind global für fast 18 Millionen Todesfälle jährlich verantwortlich und damit weltweit die Haupttodesursache. Annähernd einer von drei Todesfällen in der Europäischen Union (EU) wird auf CVDs zurückgeführt. Die CVDs verursachen in der EU jährlich rund 282 Milliarden Euro Kosten, was 2% des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Für das Individuum bedeuten CVDs häufig Behinderung, Arbeitsunfähigkeit, Frühverrentung und Fehltage.

Chancen der personalisierten Medizin

In der personalisierten Medizin werden Prävention und Behandlung an die Genetik und die individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen eines Menschen angepasst. Um eine personalisierte Versorgung zu realisieren, müssen jedoch zunächst möglichst viele klinische und genetische Daten von CVD-Patienten gesammelt, für eine Analyse vereinheitlicht und aufbereitet werden. Nur so lassen sich Ansatzpunkte und Ziele für eine Personalisierung identifizieren.

Von einer personalisierten Herangehensweise verspricht man sich eine fundamentale Verbesserung der Versorgung von CVDs, wie Prof. Dr. Pim van der Harst vom University Medical Center Utrecht in einer Pressemitteilung zu einem Kick-off Treffen für das Projekt NextGen in Utrecht erläuterte: “Keine zwei Menschen gleichen sich exakt und so ist es sinnvoll, dass jede Person eine leicht veränderte Strategie benötigt, um ihre Gesundheit zu optimieren. Personalisierte Medizin ist daher der Weg, um Herzkrankheiten vorzubeugen, die Diagnose zu beschleunigen, sowie um Patienten mit CVD zu behandeln.“

Was soll NextGen leisten?

Im Rahmen von NextGen soll mithilfe künstlicher Intelligenz eine Toolbox erarbeitet werden, die es erlaubt alle Daten von CVD-Patienten in Europa zu vereinen und diese zur Implementierung von personalisierter Medizin zu nutzen. Hierzu wird NextGen klinische Forschungsorganisationen, Universitäten, kleine und mittlere Unternehmen (small and medium-sized enterprises [SMEs]) sowie Experten für professionelles Datenmanagement und Integration zusammenbringen.

Darüber hinaus wird NextGen zwei weitere Initiativen und Programme ergänzen, nämlich die 1+Million Genomes (1+MG) Initiative der EU, die einen sicheren Zugang zu genetischen und klinischen Daten europaweit gewährleisten soll, und den European Health Data Space, ein Programm der Europäischen Kommission zur Sicherung des Austauschs und der Nutzung von Gesundheitsdaten.

Das Projekt Next Gen ist aufgrund der Datensicherheit, gesetzlicher Regelungen, der unterschiedlichen Standards in der EU, variierenden Datenformaten und dem schierem Volumen an Informationen außerordentlich komplex. Durchgeführt wird das mit 7,6 Millionen vom EU Horizont Programm geförderte Projekt von einem Konsortium mit 21 Mitgliedern, darunter auch die European Society of Cardiology (ESC). Koordiniert wird das Konsortium von Pim van der Harst.

Erste Schritte zur Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit

In einem ersten Schritt werden die Initiativen, die bereits in die Wege geleitet wurden, im Detail geplant, um sicherzustellen, dass die Projekte tatsächlich bahnbrechende Veränderungen bewirken und bislang ungedeckten Bedarf befriedigen kann. Anschließend entwickeln die Mitglieder des Konsortiums neuartige Tools zur Zusammenführung unterschiedlicher Daten für die Forschung unter Wahrung der Datensicherheit. Real-World-Pilotstudien sollen zeigen, ob die Methoden zu Beseitigung aktueller Barrieren bei der Integration von Daten zu CVDs effektiv sind.

Van der Harst fasste abschließend zusammen: „Um individualisierte Therapien zu entwickeln, müssen wir so viel Informationen über Einzelpersonen wie möglich sammeln und hier setzt NextGen an. Das einzigartige Bild, das wir schaffen werden, wird dann die Basis zur Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit zum Wohl der Patienten bilden.“

Autor:
Stand:
11.03.2024
Quelle:

European Society of Cardiology (ESC), Pressemeldung 12. Februar 2024

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