DGP 2024: Obstruktive Schlafapnoe- kardiovaskuläres Risiko berücksichtigen?

Die Entscheidung über die angemessene Therapie bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA) sollte nicht ausschließlich auf dem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) basieren. Die ursprüngliche Baveno-Klassifikation nahm neben dem AHI auch OSA-Symptome und Schäden an Zielorganen in den Fokus. Nun wurde eine aktualisierte Fassung dieser Klassifikation eingeführt.

Schlafapnoe

Die bisherige Baveno-Klassifikation der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) aus dem Jahr 2018 setzte einen Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von ≥5/h voraus, erläuterte Dr. Sandhya Matthes, Fachärztin für Innere Medizin/Pneumologie und Allergologie vom Krankenhaus Bethanien in Solingen, anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Mannheim. Weiter wurde die Therapiebedürftigkeit aber nicht vom AHI abhängig gemacht. Bei mäßiger Tagesschläfrigkeit nach der Epworth Sleepiness Scale (ESS) ohne Zeichen einer Hypersomnie/Insomnie oder Endorganschäden ergab sich nach dieser Einteilung keine Therapieindikation, bei schweren Symptomen war unabhängig vom Ausmaß der Endorganschäden eine Therapie indiziert, bei milden Symptomen und bereits bestehenden relevanten Endorganbeeinträchtigungen war nach dieser Klassifikation die Therapie optional.

AHI-Abstufung eingeführt

Aus Schweden kam der Vorschlag, die kardiovaskuläre Komorbidität und das Alter stärker mit einzubeziehen und den AHI mit zu berücksichtigen. Der Vorschlag einer Modifikation der Baveno-Klassifikation geht in eine ähnliche Richtung. Es wird differenziert zwischen einem AHI <30/h und ≥30/h, wobei ein AHI ≥30/h unabhängig vom kardiovaskulären Risiko als Therapieindikation angesehen wird. Bei einem AHI < 30/h spielt neben der OSA-Symptomlast das kardiovaskuläre Risiko eine Rolle dafür, ob eine Therapie empfohlen wird oder nicht.

Kardiovaskuläres Risiko definiert den Therapiebedarf

Das kardiovaskuläre Risikoprofil wird in der modifizierten Bavenoklassifikation gemäß der Definition der European Society of Cardiology (ESC) nach Faktoren wie Alter, Rauchen, Blutfettwerten, Geschlecht, Herkunft und bereits bestehenden oder durchgemachten kardiovaskulären Erkrankungen in ein niedriges, hohes und sehr hohes Risiko eingestuft. In der höchsten Risikoklasse ist ebenfalls in jedem Fall eine OSA-Therapie indiziert. Bei einem niedrigen Risiko und fehlenden OSA-Symptomen wird eine Therapie nicht empfohlen, bei niedrigem Risiko und Symptomen sowie bei hohem kardiovaskulärem Risiko unabhängig von Symptomen sollte die Therapieentscheidung individuell getroffen werden.

Therapieindikation in der ESADA-Kohorte

In einer noch nicht publizierten retrospektiven Analyse von 8.625 Patienten aus der European Sleep Apnea Database (ESADA) zeigte sich, dass die stärkste Behandlungsindikation bei 70% der Patienten vorlag, berichtete Matthes. Nach der früheren Baveno-Klassifikation hätte der Anteil bei etwa 25% gelegen. Nur bei 6% der Patienten aus der Datenbank gab es nach der modifizierten Klassifikation keine und bei 24% eine intermediäre Behandlungsindikation. In der günstigsten Gruppe waren Frauen und jüngere Patienten überpräsentiert. Am bedeutsamsten für den hohen Anteil an starken Therapieindikationen war der AHI ≥30/h, den 44,6% der Patienten aufwiesen.

OSA-Therapie in der Praxis

Tatsächlich erhielten 99% der Patienten mit starker Therapieindikation laut der Datenbank eine CPAP-Therapie (CPAP für engl. continuous positive airway pressure). Bei kardiovasklärem Risiko war der Anteil etwas geringer (mit OSA-Symptomen 82%, ohne OSA-Symptome 67%). Auch Patienten ohne Symptome und ohne kardiovaskuläres Risiko erhielten zu 52% eine CPAP-Verordnung. Die Detailanalyse zeigte, dass bei ihnen der AHI im Median höher war als bei denjenigen ohne eine solche Verordnung (19,8/h vs. 11,6/h), berichtete Matthes.

Verlauf bestätigt Einschätzung

Die Nachbeobachtung nach ein bis zwei Jahren zeigte, dass die Patienten mit intermediärer und starker Therapieindikation signifikant weniger tagesschläfrig waren. Bei starker Therapieindikation hatte als Folge der häufig eingesetzten CPAP-Therapie der systolische Blutdruck signifikant gegenüber dem Ausgangswert abgenommen, so Matthes.

Die Relevanz der neuen Klassifikation im Hinblick auf therapieassoziierte Endpunkte wird aktuell anhand einer prospektiven Studie untersucht.

Autor:
Stand:
28.03.2024
Quelle:
  1. Dr. Sandhya Matthes: „Neudefinition der Baveno-Klassifikation für obstruktive Schlafapnoe“, 22. März 2024, Datum, 64. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Mannheim, 21.-24. März 2024.
  2. Randerath W et al. (2018): Challenges and perspectives in obstructive sleep apnoea: Report by an ad hoc working group of the Sleep Disordered Breathing Group of the European Respiratory Society and the European Sleep Research Society. European Respiratory Journal. DOI: 10.1183/13993003.02616-2017
  3. Grote L et al. (2023): National Knowledge-Driven Management of Obstructive Sleep Apnea-The Swedish Approach. Diagnostics (Basel). DOI: 10.3390/diagnostics13061179
  4. Matthes S et al. (2023): Redefining the Baveno Classification for obstructive sleep apnea. European Respiratory Journal. DOI: 10.1183/13993003.congress-2023.OA4840

 

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