Der kardiogene Schock ist eine schwerwiegende Komplikation, bei der das Herz nicht mehr in der Lage ist, eine ausreichende Blutversorgung der Organe sicherzustellen. Er tritt häufig im Kontext von Herzinfarkten auf oder selten auch nach operativen Eingriffen am Herzen. Dabei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung mit einer Sterblichkeitsrate von ca. 50%. Eine einheitliche und zuverlässige Bewertung der Schwere eines kardiogenen Schocks ist entscheidend für die Auswahl der optimalen Therapie und die Durchführung wissenschaftlicher Studien.
Die SCAI-Schockklassifikation
Risikoklassifikationssysteme sind essenziell für eine standardisierte und präzise Bewertung des Patientenzustands und spielen eine zentrale Rolle bei der Entscheidung über das optimale Vorgehen bei der Therapie. Zudem können sie als Kriterien für die Teilnahme oder den Ausschluss an wissenschaftlichen Studien fungieren. Wichtig ist dabei, dass die Klassifikationssysteme eine zuverlässige Unterscheidung zwischen Patienten mit niedrigem und hohem Risiko ermöglichen und die Anwendbarkeit auf eine Vielzahl von Patienten aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen und geografischen Regionen gegeben ist.
Die Society for Cardiovascular Angiography and Interventions (SCAI) erarbeitete im Jahr 2019 eine Klassifikation zur Bewertung der Schwere eines kardiogenen Schocks, die Patienten basierend auf Vitalparametern wie Herzfrequenz und Blutdruck sowie Laborwerten in fünf Kategorien (A bis E) einteilt. Das niedrigste Mortalitästsrisiko aufgrund eines kardiogenen Schocks wird dabei durch Kategorie A (At Risk) beschrieben und das höchste durch E (Extreme).
SCAI-Klassifikation in der Herzchirurgie
Während die Klassifikation für den Einsatz in verschiedensten kardiologischen Bereichen wie Kardiologie, Herzchirurgie, Notfallmedizin und Intensivmedizin entwickelt wurde, erfolgte eine Validierung bisher vor allem an Intensivpatienten. Eine Gruppe von Wissenschaftlern vom Deutschen Herzzentrum der Charité untersuchte nun unter Leitung von Prof. Dr. med. Alexander Meyer die Anwendbarkeit der SCAI-Schockklassifikation bei Patienten nach herzchirurgischen Eingriffen.
Für die Studie wurden die Daten von 26.792 Patienten analysiert, die im Zeitraum zwischen 2012 und 2022 in einem Herzzentrum postoperativ auf der Intensivstation behandelt wurden. Die Patienten wurden anhand elektronischer Gesundheitsdaten in die Kategorien A-E der SCAI-Klassifikation eingeteilt., um die Mortalität sowie das Risiko postoperativer Komplikationen zu bewerten.
Mortalitätsraten nach SCAI-Klassifikation
In Kategorie A wurden 24,4% der Patienten eingeteilt, die Verteilung in den weiteren Kategorien war wie folgt: 18,8% in B, 8,4% in C, 35,5% in D und 12,9% in E. Es wurde eine klare Zunahme der Mortalitätsraten über die Kategorien A bis E festgestellt, beginnend bei 0,4% in Kategorie A über 0,6%, 3,3% und 4,9% in B-D bis zu 30,2% in Kategorie E. Zusätzlich wurde beobachtet, dass mit jeder höheren Klassifikationsstufe die Häufigkeit postoperativer Komplikationen wie Nieren- oder Lungenversagen zunahm. Verglichen mit Kategorie A, war jede aufeinanderfolgende Kategorie mit einer erhöhten Rate an Mortalität und postoperativen Komplikationen verbunden.
Fazit
Die im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichte Studie bestätigt damit, dass die SCAI-Schockklassifikation erfolgreich zur Risikoabschätzung bei herzchirurgischen Intensivpatienten eingesetzt werden kann. Den Wissenschaftlern zufolge stellt sie ein zuverlässiges Instrument zur Bewertung des Mortalitätsrisikos, postoperativer Komplikationen und Organdysfunktionen dar. Sie bietet eine wichtige Grundlage für die Wahl der angemessenen Behandlungsstrategie und erleichtert die gezielte Auswahl von Patienten für künftige wissenschaftliche Studien.









