Grundlage dieses Artikels sind mehrere auf dem Kongress vorgestellte Poster, deren zentrale Ergebnisse im Folgenden zusammengefasst werden.
Digitale Verordnungssysteme: einzelne Fehlertypen gehen zurück
Am Beispiel der Einführung von BD Cato™ Prescribe sank die Fehlerrate pro Verordnung in einer Vorher-Nachher-Analyse nominal von 0,11 auf 0,08. Die Gesamtzahl der dokumentierten Fehler ging dabei von 275 auf 223 zurück. Zudem lag die relative Risikoreduktion bei 12,3 %, während kritische Fehler wie „Patient falsch“ und „Dosis nicht angeordnet“ nach Einführung der Software im Beobachtungszeitraum nicht mehr dokumentiert wurden. Allerdings blieb die Veränderung der Gesamtfehlerrate statistisch nicht signifikant. Gleichzeitig verschoben sich die Fehlerprofile: Dosisfehler gingen signifikant zurück, während andere Fehlerkategorien zunahmen.
Elektronische Patientenakten: Fehler bleiben trotz Systemeinführung bestehen
Auch nach Einführung einer elektronischen Patientenakte wurden weiterhin medikationsbezogene Verschreibungsfehler beobachtet. In einer Untersuchung lag die Fehlerrate in einer Klinik in beiden Erfassungszeiträumen bei 1,1 Fehlern pro Patient, in einer zweiten Klinik sank sie nach einer fehlerorientierten Schulung von 1,9 auf 1,6 Fehler pro Patient. Im Vergleich der beiden Zeiträume zeigte sich insbesondere bei der geschulten Klinik eine Reduktion dosierungsbezogener Fehler. Die Autoren leiten daraus ab, dass auch nach Einführung elektronischer Verordnungssysteme Fehler weiterhin auftreten und kurze, fehlerorientierte Schulungen zu ihrer Reduktion beitragen können.
Digitale Dokumentation: Umsetzung bleibt heterogen
Eine weitere Analyse untersuchte die Qualität der Gabendokumentation in der digitalen Patientenakte. Über 33 Stationen hinweg lag die durchschnittliche Prävalenz korrekt dokumentierter Gaben bei 80 %; die Spannweite reichte von 13 % bis 99 %. Nur etwa ein Achtel der Stationen erreichte die angestrebte Prävalenz von über 95 %. Der Großteil lag darunter. Die Autoren werten dies als Hinweis darauf, dass der etablierte Gabenstandard bislang heterogen und überwiegend unzureichend umgesetzt wird.
Digitale Plausibilitätsprüfung: Standardisierung und Dokumentation
Für die pharmazeutische Plausibilitätsprüfung applikationsfertiger Parenteralia wurde ein digitales Fragebogensystem in BD Cato implementiert. Im Auswertungszeitraum von Mai bis Dezember 2025 wurden 3.231 Plausibilitätsfragebögen und 105 Dokumentationsbögen für Bedenken oder Rücksprachen erfasst. Die Autoren bewerten dies als erfolgreiche Implementierung und betonen, dass das System eine lückenlose Dokumentation von Bedenken, Unklarheiten und ärztlichen Rücksprachen ermöglicht. Zudem können substanzspezifische Fragebögen die pharmazeutische Plausibilitätsprüfung unterstützen.
ABS-App: hohe Akzeptanz aus Anwendersicht
Auch eine digitale Antiinfektiva-App wurde aus Nutzerperspektive evaluiert. An der Umfrage nahmen 145 Personen teil; 97,9 % davon gehörten dem ärztlichen Personal an. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, die App häufiger als die analoge Alternative zu nutzen. Nach eigener Einschätzung erleichtert die App die Arbeitsabläufe, reduziert den Rechercheaufwand und trägt zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei. Gleichzeitig schlugen über 70 % der Teilnehmenden vor, die App auf weitere Themengebiete auszuweiten.
Diese Ergebnisse beruhen auf einer anonymen Online-Befragung und bilden damit die Nutzerwahrnehmung ab, nicht jedoch direkte klinische Endpunkte.
Redaktionelle Einordnung
Die auf dem ADKA-Kongress vorgestellten Arbeiten zeigen übereinstimmend: Digitalisierung kann Prozesse unterstützen, Standardisierung erleichtern und einzelne Fehlertypen reduzieren. Zugleich machen die Daten deutlich, dass der Nutzen digitaler Systeme wesentlich davon abhängt, wie konsequent sie in den klinischen Alltag eingebettet, genutzt und durch Schulung begleitet werden. Für die pharmazeutische Praxis liegt der Mehrwert digitaler Systeme daher nicht allein in ihrer Einführung, sondern in ihrer prozessualen Begleitung: durch Schulung, Standardisierung, Rückfragen, Dokumentation und fortlaufende Anpassung. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus der gemeinsamen Betrachtung der fünf Poster.
Fazit
Die Daten des ADKA-Kongresses 2026 sprechen dafür, dass digitale Systeme die Arzneimitteltherapiesicherheit unterstützen können – etwa durch bessere Strukturierung, gezieltere Prüfprozesse oder die Reduktion einzelner Fehlertypen. Ebenso klar wird aber: Ohne Schulung, Standardisierung und aktive Prozesssteuerung bleiben ihre Effekte begrenzt.
Für Apotheker in Klinik und Offizin bedeutet das: Digitale Lösungen sind kein Selbstläufer, sondern ein Werkzeug, dessen Nutzen erst durch fachliche Einordnung und gute Prozesse entsteht.












