Deutscher Schmerzkongress 2023: Postoperative Schmerzen nach ambulanten Eingriffen

Im Rahmen der Krankenhausentlastung geht die Tendenz zu ambulanten Operationen. Eine deutschlandweite Registeranalyse untersuchte schmerzrelevante Outcomes bei den ambulanten Eingriffen und patientenseitige oder prozessbedingte Risikofaktoren für deren Entstehung.

Op-Einwilligung

Bedeutung ambulanter Operation steigt

Die Zahl ambulanter Operationen liegt derzeit schätzungsweise bei 10-11 Millionen pro Jahr. Der Katalog ambulant durchführbarer Operationen (AOP-Katalog) wurde am 01.01.2023 von 2.879 um weitere 308 auf 3.087 Leistungen erweitert. Doch wie sind eigentlich die Schmerzoutcomes nach ambulanten Operationen?

Das Forschungsprojekt "Schmerztherapie nach ambulanten Operationen: Auswertung AQS1 Befragung" des Bundesverbandes Ambulantes Operieren e.V. (BAO) und des Universitätsklinikums Jena ging dieser Frage nach. Auf dem Deutschen Schmerzkongress 2023 in Mannheim präsentierte Dr. Philipp Baumbach aus der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena in seinem Vortrag „Evaluation schmerzrelevanter Outcomes nach ambulanten Operationen — eine deutschlandweite Registeranalyse“ die Ergebnisse der Studie.

Datenherkunft, Ziele und Endpunkte

Die in der Studie analysierten Daten stammen aus dem AQS-System, einem deutschlandweiten Register zur Qualitätssicherung für ambulantes Operieren. Für die systematische Analyse standen die über den Fragebogen AQS-1 erhobenen Daten zur Schmerztherapie (Informationen der Behandler) sowie die schmerzbezogenen Patient Reported Outcomes (PROs) aller bis einschließlich 31.12.2021 im AQS-System erfassten Patienten zur Verfügung.

Die Analyse sollte beantworten, wie viele Patienten nach einem ambulanten Eingriff relevante Schmerzen haben. Darüber hinaus wollten die Wissenschaftler erfahren, ob es Hoch-Risiko-Operationen und/oder Patienten- und Prozess-relevante Risikofaktoren gibt und welche Konsequenzen relevante, postoperative Schmerzen haben.

Als primärer Endpunkt wurden die Beschwerden durch Wundschmerzen bis zum 3. Tag nach der Operation definiert. Dabei wurde die relative Häufigkeit der Patienten mit mindestens moderaten Schmerzen (≥ 4/10 Numerische Rating Skala [NRS]) errechnet. Darüber hinaus wurden die häufigsten Eingriffsgruppen verglichen. Zu den sekundären Endpunkten gehörten unter anderem „Prädiktoren“ von postoperativen Schmerzen (≥ 4/10 NRS) und weitere PROs, wie beispielsweise Arbeitsunfähigkeit durch die Schmerzen.

Demografie und perioperative Verfahren

In die Analyse wurden insgesamt 330.008 Patienten (65,7%, im Median 52 Jahre alt und in gutem Gesundheitszustand), die sich den häufigsten Eingriffstypen (n=34; ≥ 1.000 Patienten) unterzogen hatten, eingeschlossen. Die Operationen waren zu 95,7% elektiv, 3,7% dringlich und 0,4 als Notfall deklariert. Die meisten Eingriffe (71,7%) wurden in Vollnarkose durchgeführt. Im Median betrug die Schnitt-Naht-Zeit 25 Minuten.

Ein knappes Viertel erreicht den primären Endpunkt

Etwa ein Viertel (22,5%) der ambulant operierten Patienten berichtete über relevante postoperative Schmerzen (≥4/10 NRS) bis zum 3. postoperativen Tag. Die Prävalenz dieser Beschwerden schwankte zwischen einzelnen Eingriffen stark. Nach Hämorrhoiden-Operationen waren 51,2% der Patienten, nach einer extrakapsulären Extraktion der Linse (ECCE) nur 3,2% von Beschwerden betroffen.

Als Prädiktoren für Wundschmerzen bis zum Tag 3 kristallisierten sich ein junges Alter, weibliches Geschlecht und eine längere Schnitt-Naht-Zeit heraus. Darüber hinaus erhöhten Schmerz bzw. Unterversorgung mit Schmerzmitteln im Aufwachraum und postoperative Komplikationen (insbesondere Wundinfektionen) das Risiko. Als Folgen der Wundschmerzen wurden häufigere und längere Arbeitsunfähigkeit, häufigere notfallmäßige Arztkontakte und eine geringere Zufriedenheit der Patienten verzeichnet.

Wenig Komplikationen, zufriedene Patienten

Die Studie hat gezeigt, dass ambulantes Operieren in Deutschland allgemein mit geringen Komplikationsraten und einer hohen Patientenzufriedenheit verbunden ist. Die Stärken der Studie bestanden in den großen Fallzahlen und der Bandbreite Operationen. Baumbach räumte jedoch auch wichtige Limitationen ein, so betrugen die Rücklaufquoten der ASQ1 Fragebögen im untersuchten Zeitraum nur 40%.

Zudem Baumbach wies daraufhin, dass eine nicht ausreichende Schmerzversorgung im Aufwachraum signifikant mit postoperativen Schmerzen verbunden ist. Diese wäre ein Ansatzpunkt, um die schmerzrelevanten Outcomes nach ambulanten Eingriffen noch zu verbessern. Für die Zukunft wünschte sich Baumbach, dass die Forschungsprojekte um Analysen zu Zeit- und Zentrumseffekten, um längere Follow-Up Intervalle und um direkte Vergleiche zwischen den Outcomes von ambulanten gegenüber stationären Operationen erweitert werden können.

Autor:
Stand:
06.11.2023
Quelle:

Dr. Philipp Baumbach „Evaluation schmerzrelevanter Outcomes nach ambulanten Operationen — eine deutschlandweite Registeranalyse“ Deutscher Schmerzkongress 2023, 19. Oktober 2023 in Mannheim und online

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