Strukturierte Impfkommunikation als Herausforderung der Prävention
Unzureichende Impfquoten im Kindes- und Jugendalter stellen weiterhin eine Herausforderung für die Prävention dar. Daten aus Schuleingangsuntersuchungen und Erhebungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes weisen auf regionale Unterschiede und bestehende Impflücken hin. Vor diesem Hintergrund gewinnen strukturierte Ansätze zur Impfkommunikation in Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen an Bedeutung.
Auf der Nationalen Impfkonferenz 2026 wurden in einer Sitzung zwei Projekte vorgestellt, die auf eine nachhaltige Verankerung von Impfkommunikation in Kindertagesstätten und Schulen abzielen.
Peer-to-Peer-Ansatz im Setting Kindertagesstätte
Ein Projekt aus dem Oberbergischen Kreis setzt auf einen Peer-to-Peer-Ansatz in Kindertagesstätten und ist im Öffentlichen Gesundheitsdienst angesiedelt. Ziel ist es, Maßnahmen der Primärprävention direkt in den Alltag von Kindern und ihren Bezugspersonen zu integrieren.
Erzieher werden geschult und übernehmen eine Multiplikatorenfunktion zwischen Gesundheitsamt, Kindern und Eltern. Zentrale Bestandteile des Projekts sind Aktionstage für Vorschulkinder, bei denen Themen wie Infektionsschutz, Hygiene und Impfen altersgerecht vermittelt werden. Ergänzend erfolgen ärztliche Beratungsangebote sowie strukturierte Impfpass-Überprüfungen.
Nach Angaben der Referentin kann die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte, insbesondere im Bereich der motivierenden Gesprächsführung, die Kommunikation zu Gesundheitsthemen erleichtern und die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt unterstützen. Der Ansatz zielt zudem darauf ab, Zugangsbarrieren zu Präventionsangeboten zu reduzieren.
Unterrichtsmaterialien stärken Impfkompetenz in der Schule
Das Projekt „Wissen schützt“ stellt Unterrichtsmaterialien zu Impfungen und Infektionskrankheiten für den schulischen Kontext bereit. Ziel ist die Integration evidenzbasierter Inhalte in bestehende Lehrpläne sowie die Förderung von Gesundheits- und Medienkompetenz bei Jugendlichen.
Die Schule wird dabei als strukturierter und verpflichtender Lernort genutzt, um Informationen unabhängig von digitalen Informationsquellen zu vermitteln. Lehrkräfte fungieren als zentrale Vermittler und erhalten didaktisch aufbereitete Materialien zur Nutzung im Unterricht, beispielsweise in naturwissenschaftlichen oder gesellschaftswissenschaftlichen Fächern.
Neben medizinischen Grundlagen werden auch Aspekte wie Gemeinschaftsschutz und der Umgang mit Informationen thematisiert. Ein Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung von Kompetenzen zur Bewertung von Informationen, um evidenzbasierte Inhalte von Fehlinformationen unterscheiden zu können.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen werden die Materialien in der schulischen Praxis breit eingesetzt und von Lehrkräften gut angenommen.
Einordnung für die Praxis
Die vorgestellten Projekte verdeutlichen, dass Impfkommunikation im Kindes- und Jugendalter insbesondere dann wirksam adressiert werden kann, wenn sie strukturell in bestehende Lebenswelten integriert wird. Die Einbindung von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften als Multiplikatoren sowie niedrigschwellige, zielgruppengerechte Ansätze können dazu beitragen, Gesundheitskompetenz frühzeitig zu fördern.
Für die pädiatrische Versorgung und den Öffentlichen Gesundheitsdienst ergeben sich daraus Ansatzpunkte, präventive Maßnahmen stärker settingbezogen umzusetzen und bestehende Impflücken gezielt zu adressieren.












