Niedrige HPV-Impfquoten als kommunikative Herausforderung
Trotz bestehender Impfempfehlungen für Kinder und Jugendliche werden die angestrebten HPV-Impfquoten in Deutschland weiterhin nicht erreicht. Neben Wissensdefiziten beeinflussen auch Einstellungen, Unsicherheiten und strukturelle Zugangsbarrieren die Impfentscheidung. Klassische ärztliche Aufklärung stößt insbesondere dann an Grenzen, wenn Zielgruppen außerhalb regulärer Versorgungskontakte schwer erreichbar sind.
Auf dem Nationalen Impfkongress 2026 wurden zwei Projekte vorgestellt, die HPV-Aufklärung gezielt außerhalb der Arztpraxis verorten und unterschiedliche Zielgruppen adressieren.
Social-Media-Kampagne adressiert Eltern gezielt
Das Projekt „Kurz geimpft, lang geschützt“ kombinierte verschiedene Kommunikationsformate mit einer Social-Media-Kampagne als zentralem Baustein. Ziel war es, insbesondere Eltern – vor allem Mütter als häufige Organisatorinnen von Impfterminen – evidenzbasiert zu informieren und zur Impfung zu motivieren.
Die Kampagne wurde in Zusammenarbeit mit einer Medienagentur umgesetzt und nutzte einen Mix aus statischen Informationsbeiträgen und Kurzvideos. Eine zentrale Rolle spielte die Kooperation mit der Content Creatorin Nicole Staudinger, deren Community bereits einen Bezug zum Thema Krebsprävention aufweist.
Im Kampagnenzeitraum (Juni bis Oktober 2025) wurden mehrere Beiträge auf Plattformen wie Instagram, Facebook und LinkedIn veröffentlicht. Nach Angaben der Projektverantwortlichen erzielten insbesondere videobasierte Inhalte mit persönlichem Bezug eine höhere Reichweite und Interaktion als rein informative Formate.
Als zentrale Erfolgsfaktoren wurden unter anderem Authentizität, klare Zielgruppendefinition, inhaltliche Flexibilität sowie der vorbereitete Umgang mit kritischen Reaktionen genannt.
Leichte Sprache verbessert Zugang für vulnerable Gruppen
Ein zweites Projekt adressierte Menschen mit geringer Literalität, Lernschwierigkeiten oder eingeschränkten Deutschkenntnissen. Unter dem Titel „HPV und HPV-Impfung in Leichter Sprache“ wurden Informationsmaterialien entwickelt, die medizinische Inhalte sprachlich und visuell vereinfacht darstellen.
Die Materialien basieren auf etablierten Regeln der Leichten Sprache, darunter kurze Sätze, einfache Begriffe und unterstützende Visualisierungen. Die Entwicklung erfolgte partizipativ unter Einbindung der Zielgruppe. Ziel ist es, Informationen so aufzubereiten, dass sie ohne zusätzliche Unterstützung verständlich sind.
Zum Einsatz kommen unterschiedliche Formate wie Infohefte, ein Erklärvideo sowie Materialien für Kinder und Jugendliche. Ergänzend wurde ein Peer-Konzept etabliert, bei dem geschulte Multiplikatoren Informationsangebote eigenständig vermitteln.
Einordnung für Praxis und öffentliche Gesundheitskommunikation
Die vorgestellten Projekte verdeutlichen, dass HPV-Aufklärung differenzierte und zielgruppenspezifische Kommunikationsstrategien erfordert. Während Social-Media-Formate insbesondere Reichweite und emotionale Ansprache bei Eltern ermöglichen, können barrierefreie Angebote neue Zugänge für bislang schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen schaffen.
Für ärztliche Praxis, Öffentlichen Gesundheitsdienst und Präventionsarbeit ergibt sich daraus die Notwendigkeit, Impfkommunikation über das klassische Versorgungssystem hinaus zu erweitern. Entscheidend sind dabei eine evidenzbasierte, verständliche und zielgruppengerechte Aufbereitung der Inhalte sowie die Auswahl geeigneter Kommunikationskanäle.












