Ambulante Versorgung regional sehr unterschiedlich – Zahl der Selbstständigen geht zurück

Die ambulante Versorgungslandschaft in Deutschland war auch 2024 durch starke regionale Unterschiede geprägt. Gleichzeitig machen sich immer weniger Mediziner selbstständig und die Bedeutung von medizinischen Versorgungszentren mit angestellten Ärzten wächst.

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Große regionale Unterschiede in der hausärztlichen Versorgung

Hausärzte sind in Berlin und im Saarland besonders gefordert: Auf jeden Hausarzt kommen dort mehr als 1.500 Einwohner. Nach Angaben der Versorgungsanalyse 2024 der Stiftung Gesundheit liegt der bundesweite Durchschnitt bei 1.371 Einwohnern pro Arzt. In Brandenburg, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen liegt dieser Wert über 1.400 und damit ebenfalls über dem Bundesdurchschnitt. Niedersachsen, Bremen und Hamburg bewegen sich mit Werten zwischen 1.376 und 1.400 nahe am Durchschnitt.

Eine bessere Versorgungssituation weist die Stiftung Gesundheit für Sachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein aus, wo die Einwohnerzahl pro Hausarzt zwischen 1.305 und 1.352 liegt. Am günstigsten sei die Lage in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern, mit weniger als 1.300 Einwohnern pro Hausarzt.

In der ambulanten Versorgung sind die regionalen Unterschiede viel größer

Immer wieder ist zu lesen, die ambulante medizinische Versorgung auf dem Land sei schlechter als in der Stadt. Und gleichzeitig auch die – widersprechende – Feststellung: In der Stadt komme man noch schlechter an Arzttermine. Wie die Versorgungsanalyse 2024 zeigt, erklären sich die unterschiedlichen Wahrnehmungen wohl auch aus dem Wohnort: Denn die regionalen Unterschiede bei der ambulanten Versorgung durch Ärzte, Zahnärzte und psychologische Psychotherapeuten (Leistungserbringer) sind enorm. Im Stadtkreis Heidelberg etwa versorgt ein Leistungserbringer durchschnittlich 169 Einwohner. Im ansonsten mit Hausärzten gut versorgten bayrischen Kreis Landshut entfallen auf jeden Leistungserbringer 1.055 Einwohner. Das sind mehr als sechsmal so viele Einwohner pro Hausarzt wie im Stadtkreis Heidelberg. Diese Diskrepanz verdeutlicht die ungleiche Verteilung medizinischer Versorgungskapazitäten innerhalb Deutschlands.

Weniger Selbstständige in eigener Praxis – mehr Anstellungen in MVZ

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Zahl der MVZ steigt kontinuierlich. Ende 2022 waren 4.574 MVZ zugelassen: 10 Prozent mehr als im Vorjahr. In diesen Zentren waren 26.434 angestellte Ärzte und Psychotherapeuten tätig.

Die Anzahl der niedergelassenen Ärzte geht weiter leicht zurück. Waren 2022 noch 72,6 Prozent aller Ärzte in eigener Praxis selbstständig tätig, sind es inzwischen nur noch 70,3 Prozent (2023: 70,9). Gleichzeitig stiegt die Zahl der angestellten Ärzte kräftig von 13,8 Prozent (2022) auf nun 16,2 Prozent.

Frauen öfter als Männer in angestellten Tätigkeiten

Auch 2024 verändern sich die Arbeitsmodelle von Medizinern weiter. Auffällig ist vor allem der hohe Frauenanteil bei angestellten Tätigkeiten in Praxen und medizinischen Versorgungszentren. Laut Versorgungsanalyse war 2024 ein Drittel der Ärztinnen und ein Viertel der Zahnärztinnen angestellt tätig. Im Vergleich dazu liegt der Anteil der angestellten männlichen Ärzte niedriger: Jeder vierte Arzt und jeder siebte Zahnarzt sind angestellt, während bei den psychologischen Psychotherapeuten nur 6,4 Prozent in Anstellung arbeiten.

Das Angestellten-Arbeitsmodell biete offenbar attraktivere Bedingungen für Ärztinnen, möglicherweise aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten oder besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Entscheidung für eine Anstellung statt einer eigenen Praxis könne auch mit dem Wunsch nach geringerer administrativer Belastung und finanziellen Risiken zusammenhängen.

Versorgungslage dürfte sich in den kommenden Jahren verschlechtern

Die Versorgungslage könnte sich nach Einschätzung der Stiftung Gesundheit in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Beispiel Saarland: Dort stehe gut ein Fünftel der niedergelassenen Ärzte kurz vor dem Rentenalter und könnte demnächst in den Ruhestand gehen.

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Stand:
04.03.2025
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