expopharm 2025: Cannabis in der Apotheke richtig prüfen und abgeben

Der dynamische Cannabismarkt stellt Apotheken vor neue Herausforderungen. Rechtskonforme Prüfung, sichere Abgabe und strukturierte Beratung sind entscheidend für Qualität und Patientensicherheit.

cannabis-prüfung-apotheke

Auf der expopharm 2025 in Düsseldorf stellte Michael Becker (Lender Apotheke) praxisnahe Strategien für den Umgang mit Cannabis in der Apotheke vor.

Becker betonte, dass der Cannabismarkt bislang nur von wenigen Ärzten und Apothekern betreut werde. Ziel seines Vortrags war es, die komplexen Anforderungen rund um Prüfung und Abgabe verständlich aufzubereiten – und Apothekenteams zu ermutigen, selbst aktiv in dieses Feld einzusteigen.

Neue rechtliche Rahmenbedingungen bei der Verordnung

Mit dem G-BA-Beschluss vom Oktober 2024 können Haus- und Fachärzte medizinisches Cannabis – teilweise auch ohne vorherige Genehmigung der Krankenkassen – verordnen. Damit entfällt eine wesentliche Hürde in der Versorgung. Dennoch müssen Rezepte sorgfältig geprüft werden: Cannabis wird als Rezepturarzneimittel verschrieben. Eine Dosierungsangabe ist verpflichtend, da sonst Retaxationen drohen. Auch für Rezepte aus dem Ausland oder Online-Verordnungen bleibt der Kontrahierungszwang bestehen – außer es bestehen begründete Hinweise auf Missbrauch.

Qualitätsprüfung als zentrale Aufgabe der Apotheke

Die Anforderungen an die Qualität von Cannabisblüten sind nicht eindeutig geregelt. Es gibt keine expliziten mikrobiologischen Grenzwerte und keine einheitliche Arzneibuchkategorie. Hersteller prüfen unterschiedlich: Einige orientieren sich an Ph.Eur. 5.1.8 für pflanzliche Arzneimittel, andere an Ph.Eur. 5.1.4 für Inhalativa. Becker empfiehlt die strengere Variante (Ph.Eur. 5.1.4), mindestens Kategorie B, insbesondere bei inhalativer Anwendung, da hier die mikrobiologische Reinheit entscheidend ist.

Fakt ist: Die Apotheke trägt die Verantwortung für die Qualität der abgegebenen Cannabisprodukte.

Analysenzertifikate

Bei der Prüfung der Qualität sollte man die Analysenzertifikate besonders sorgfältig prüfen. Wichtig ist, dass die Cannabisware ausschließlich von GMP-zertifizierten Herstellern stammt, die mikrobiologische Qualität der Produkte gewährleistet ist – idealerweise nach den Vorgaben der Ph.Eur. 5.1.4 – und dass zudem auf mögliche Aflatoxine sowie Pestizidrückstände untersucht wurde. Becker empfiehlt, hierfür die EudraGMDP-Datenbank zu nutzen, um die Zertifikate direkt einzusehen.

Makroskopische und mikroskopische Betrachtung

Die makroskopische Kontrolle der Cannabisblüten umfasst Farbe, Blütenstruktur und Rispendichte, um Qualität und mögliche Auffälligkeiten zu beurteilen. Ergänzend dient die mikroskopische Prüfung der Identitätsprüfung über Cystolithhaare und Drüsenschuppen und ermöglicht zugleich die Erkennung von Schimmel oder anderen mikrobiologischen Verunreinigungen, die für die Patientensicherheit relevant sind.

Dünnschichtchromatographie und Alternativen

Die Identitätsprüfung per Dünnschichtchromatographie ist zwar präzise, jedoch zeitaufwendig und mit hohen Kosten für die benötigten Referenzsubstanzen verbunden.

Als praktische Alternative können bei Cannabisblüten Testkits oder eine Kombination aus Teststreifen und nasschemischem CBD-Nachweis eingesetzt werden. Becker weist darauf hin, dass die Auswertung der Teststreifen anders funktioniere als bei bekannten Influenza- oder COVID-Tests: positiv = ein Strich, negativ = zwei Striche. Der nasschemische CBD-Nachweis mit Kaliumhydroxid biete zudem den Vorteil, dass dieser sich auch mit den unverarbeiteten Blüten durchführen ließe.

Mit den Testkits lassen sich schnell und einfach sowohl CBD als auch THC nachweisen. Michael Becker gibt dazu folgende Tipps: Tests ordnungsgemäß lagern, auf ausreichende Extraktionszeiten achten, um falsch negative Ergebnisse zu vermeiden, und bei hochkonzentrierten Extrakten aufgrund der starken Färbung zunächst eine Verdünnung mit MCT-Öl vornehmen, um eine präzise Analytik zu gewährleisten.

Auch moderne zerstörungsfreie Verfahren wie NIR- und MIR-Spektroskopie gewinnen an Bedeutung. Diese Methoden ermöglichen eine schnelle Bestimmung von THC- und CBD-Gehalten, ohne die Probe zu zerstören.

Wichtig bleibt die Validierung der Tests, damit sie regulatorischen Anforderungen entsprechen – bei Unsicherheit empfiehlt es sich, direkt beim Hersteller nachzufragen.

Dokumentation und Abfüllung

Die Dokumentation stellt Apotheken weiterhin vor Herausforderungen: Digitale Lösungen sind noch begrenzt, spezialisierte Software erleichtert die Arbeit, verursacht aber zusätzliche Kosten. Ein vereinfachtes Herstellungsprotokoll für Blüten ist empfehlenswert. Seit April 2024 sind BtM-Safes für Cannabis nicht mehr erforderlich.

Vorgehensweise in der Patientenberatung

Ebenso wichtig ist die Patientenberatung, bei der ausreichend Zeit für ein ausführliches Gespräch eingeplant werden sollte. Eine strukturierte Anamnese, die Erfassung der bisherigen Medikation und die gemeinsame Definition von Therapie- und Erwartungszielen sind entscheidend. Hilfsmittel wie Blütenkarten oder speziell entwickelte Leitfäden unterstützen die Beratung, erleichtern die Orientierung bei der Auswahl geeigneter Präparate und helfen bei einer sicheren, schrittweisen Dosissteigerung.

Fazit: Qualität, Sicherheit und Patientenorientierung

Die Abgabe von Cannabis in der Apotheke ist komplex, aber mit klaren Strategien gut zu meistern. Michael Becker zeigt, dass durch sorgfältige Rezeptprüfung, systematische Qualitätskontrolle, praxisgerechte Testmethoden und strukturierte Patientenberatung die Abgabe rechtskonform und sicher erfolgt.

Autor:
Stand:
30.09.2025
Quelle:

Vortrag: „Cannabis in der Apotheke: Prüfung und Abgabe meistern!“, Michael Becker (Lender Apotheke), Tilray Deutschland GmbH. expopharm 2025, Düsseldorf, 16. September 2025.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: