Gesundheitsmarkt: Zahl der M&A-Transaktionen weiter auf hohem Niveau

Der deutsche Gesundheitsmarkt bleibt dynamisch: 2024 verzeichnet der Transaktionsmonitor 237 Transaktionen, besonders bei Pflegebetrieben, niedergelassenen Leistungserbringern und Laboren. Der Trend zur Rekommunalisierung von Krankenhäusern wird deutlich, während die Verkäufe insolventer Einrichtungen zunehmen.

Trendgrafik

Frankfurt. Die Zahl der M&A-Transaktionen auf dem deutschen Gesundheitsmarkt bleibt auf hohem Niveau: Sie steigt im Vergleich zum Vorjahr leicht an – von 234 auf 237. Das berichtet die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC im Transaktionsmonitor Gesundheitswesen.

Die Transaktionen verteilen sich demnach wie folgt:

  • Niedergelassene Leistungserbringer und Labore: 73 Transaktionen (ca. 31 Prozent)
  • Pflegebetriebe: 64 Transaktionen (27 %) 
  • Pflegeimmobilien: 43 Transaktionen (ca. 18 %)
  • Krankenhäuser und Fachkliniken: 34 Transaktionen (rund 14 %) 
  • Stationäre und ambulante Rehabilitation: 23 Transaktionen (knapp 10 %)

Trend zur Rekommunalisierung von Gesundheitseinrichtungen

Als auffällig bezeichnet PwC die hohe Anzahl von Verkäufen insolventer Krankenhäuser, insbesondere in kommunaler und freigemeinnütziger Trägerschaft. Gleichzeitig hätten einige größere freigemeinnützige Betreiber und vereinzelt auch private Klinikketten die Gelegenheit zur Marktkonsolidierung.

Ein bemerkenswerter Trend sei die Rekommunalisierung von Gesundheitseinrichtungen. Demnach treten Landkreise und Kommunen angesichts der prekären finanziellen Lage vieler Krankenhäuser vermehrt als Käufer von insolventen Kliniken auf. Privates Kapital (Private-Equity-Investoren) halte sich in diesem Bereich zurück. Ein prominentes Beispiel sei die Entscheidung der Freien und Hansestadt Hamburg, das Pflege- und Betreuungsunternehmen Pflegen & Wohnen Hamburg GmbH von der Deutsche Wohnen zurückzukaufen. Damit wird die Stadt künftig 13 Pflegeheimstandorte mit rund 2.000 Mitarbeitenden und etwa 2.400 Pflegeheimplätzen betreiben.  

Regulierung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) mit Investorenbeteiligung

Ebenfalls hoch bleibt die Anzahl der Transaktionen bei niedergelassenen Leistungserbringern und Laboren: mit 73 nach 80 im Jahr 2023. Das Segment der Niedergelassenen könnte nach Einschätzung der PwC-Experten für Finanzinvestoren zukünftig noch attraktiver werden. Ein Argument sei die Entbudgetierung der Einnahmen von Hausarztpraxen, die sich positiv auf die Umsätze auswirken könne – und damit höhere Gewinne von Investoren ermögliche. 

Für Unsicherheiten bei Finanzinvestoren gesorgt habe hingegen die Diskussion über die Regulierung Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) mit Finanzinvestorenbeteiligung. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Dezember 2024 erlaubt es EU-Mitgliedstaaten, Finanzinvestoren die Beteiligung an Rechtsanwaltsgesellschaften zu untersagen. Die Bundeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sehen hierin eine mögliche Übertragbarkeit auf den Gesundheitssektor und fordern in einer gemeinsamen Stellungnahme (Europäischer Gerichtshof erlaubt Mitgliedsstaaten Verbot von Fremdinvestoren) entsprechende gesetzliche Regelungen. Andere Stimmen argumentieren jedoch, dass die EuGH-Entscheidung nicht direkt auf MVZ anwendbar sei, da zwischen den Berufsgruppen wesentliche Unterschiede bestünden. 

Weiterhin viele Transaktionen im Pflegebereich zu erwarten

Im Pflegesektor verzeichnete PWC eine hohe Transaktionsdynamik mit vielen Einzelverkäufen, oft aus Insolvenzen heraus. Betreiber von Pflegeeinrichtungen standen – und stehen - vor bekannten Herausforderungen: Fachkräftemangel, vorgeschriebene Personalschlüssel, steigende Personalkosten, erhöhte Energiepreise und teurere Verbrauchsmaterialien belasteten die finanzielle Lage. Zudem erschwerten schleppende Auszahlungen der vereinbarten Pflegesätze durch Kassen und Sozialhilfeträger die Situation. Daher prognostiziert PwC für das laufende Jahr weiterhin zahlreiche Transaktionen im Pflegebereich. 

Finanzinvestoren blicken auf Wachstum im digitalen Gesundheitssektor

Der Markt der digitalen Leistungserbringer wuchs 2024 weiter und zog das Interesse von Finanzinvestoren an. Besonders gefragt waren Bereiche wie KI-gestützte Diagnostik, digitale Therapieplattformen und Anwendungen zur Prozessoptimierung in Krankenhäusern. Der Einstieg von Private-Equity-Investoren wie CVC bei der CompuGroup Medical (CGM) und TA Associates bei der Nexus AG können nach Einschätzung von PwC Impulse für weitere Deals im Digitalisierungssegment geben und den Markt weiter vorantreiben. 

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