expopharm 2025: Wie Apotheken KI sinnvoll einsetzen können

Die expopharm 2025 in Düsseldorf hat eines klar gezeigt: KI ist kein Zukunftsthema mehr – sie ist Realität. Für Apotheken bedeutet das: Wer jetzt handelt, kann Prozesse verschlanken, Beratung verbessern und neue digitale Services anbieten. Die Chancen sind groß, wenn man Risiken im Blick behält.

KI

Apotheken kämpfen mit Fachkräftemangel, Bürokratie und steigenden Kundenerwartungen. Gleichzeitig wächst der Druck durch Versandapotheken und Lieferengpässe. Künstliche Intelligenz (KI) kann hier ein entscheidender Hebel sein: Sie übernimmt Routineaufgaben, beschleunigt Abläufe und schafft Freiräume für das, was Apotheken stark macht – die persönliche Beratung.

„Apotheken, die KI nutzen, werden die ersetzen, die es nicht tun“, brachte es Marc Kriesten (Glückauf-Apotheke, Thinkery GmbH) auf den Punkt. Seine Botschaft: KI ist kein Trend, sondern ein Werkzeug, das den Alltag spürbar erleichtert.

Lagerverwaltung, Bestellvorbereitung, Kundendatenpflege – all das lässt sich mit KI effizienter gestalten. Kriesten sprach von bis zu 90 Prozent Zeitersparnis bei Routineaufgaben – basierend auf seiner Praxiserfahrung. Das bedeutet: weniger Klickarbeit, mehr Zeit für pharmazeutische Kernaufgaben.

Vom Assistenten zum Mitdenker

Heike Bollmann (CGM LAUER) zeigte, wie sich KI von reaktiven Systemen zu proaktiven Agenten entwickelt. Klassische KI beantwortet Fragen – etwa zu Wechselwirkungen oder Dosierungen. Agentische KI geht weiter: Sie plant Schritte, erkennt Muster und übernimmt Aufgaben eigenständig, im Rahmen klarer Regeln.

Ein Beispiel ist ASK STELLA: Der KIAssistent läuft bereits in Pilotapotheken und soll Anfang 2026 offiziell starten. Das Dialogsystem liefert pharmazeutische Informationen in natürlicher Sprache, stützt sich auf ABDADaten, ist mehrsprachig und hilft so, Sprachbarrieren bei Mitarbeitern und Kunden zu überwinden. So lassen sich etwa Dosierungsangaben oder die Anwendung in der Schwangerschaft schnell abrufen, ohne selbst in der Fachinformation suchen zu müssen. Geplant sind zusätzliche Funktionen wie die Erfassung von Kundendaten per Spracheingabe oder die Vorbereitung von Bestellungen. Damit sollen Arbeitsabläufe vereinfacht und mehr Zeit für die Beratung geschaffen werden.

Kommunikation neu gedacht

Digitale Kommunikation war ein weiteres Kernthema. Tilly Duderstadt (Apotheken mit Herz, Nordring Apotheke) und Stefan Feucht (Apotheken mit Herz) machten deutlich, dass die Digitalisierung nicht nur Technik bedeutet, sondern auch neue Formen der Ansprache erfordert. Patienten erwarten heute schnelle, flexible und sichere Kommunikationswege – von Telepharmazie über verschlüsselte Kommunikations-Softwares wie KIM (Kommunikation im Medizinwesen) sowie TIM (TI-Messenger) bis hin zu Social Media. Diese Kanäle eröffnen Apotheken die Chance, näher an den Bedürfnissen der Menschen zu sein, erfordern aber klare Strukturen und passende Inhalte. 

KI kann hier unterstützen, indem sie Texte erstellt, Sprachbarrieren überwindet und interne Prozesse wie die Erstellung von SOPs oder die Organisation von Teamworkshops erleichtert. So wird digitale Kommunikation nicht zum Zusatzaufwand, sondern zu einem echten Service-Plus.

Medikationsmanagement: Chancen mit Augenmaß

Im Medikationsmanagement kann KI wertvolle Unterstützung leisten: Sie strukturiert Daten, vereinfacht komplexe Informationen und erleichtert die Kommunikation mit Patienten. Damit hilft sie, zeitaufwendige Recherche zu verkürzen und Inhalte verständlicher zu machen.

Doch KI ist kein Allheilmittel. Anna Wermund (pharma4u) warnte auf der expopharm vor Risiken wie KI-Halluzinationen, fehlender Nachvollziehbarkeit der Antworten und dem sogenannten Automation Bias – der Tendenz, KI-Ergebnisse ungeprüft zu übernehmen.

Die Grundregel lautet daher: KI kann helfen – wenn sie richtig eingesetzt wird. Ihr Nutzen liegt vor allem dort, wo unstrukturierte Informationen geordnet, komplexe Inhalte aufbereitet und Beratungsgespräche unterstützt werden sollen.

Gleichzeitig gibt es klare Grenzen: KI ersetzt keine regelbasierte AMTS-Prüfung, trifft keine komplexen pharmakologischen Entscheidungen und sollte nicht unbeaufsichtigt von unerfahrenem Personal genutzt werden. Sinnvoll wird der Einsatz, wenn die Lösung gut in bestehende Software integriert ist, fachlich geprüft wurde, transparent und erklärbar arbeitet und im Rahmen regulierter Medizinprodukte betrieben wird. So verbindet die Apotheke den Geschwindigkeitsschub der KI mit der Sicherheit, die für eine verlässliche Arzneimitteltherapie unverzichtbar ist.

Rechtliche Leitplanken und Shadow AI

Mit dem EU AI Act gelten bereits klare Vorgaben für den Einsatz von KI im Gesundheitsbereich. Dazu gehört die Pflicht, Mitarbeitende im Umgang mit KI-Systemen zu schulen, sowie Anforderungen an Transparenz und Dokumentation. Ebenso wichtig: Patientendaten dürfen nicht in offene Sprachmodelle oder unsichere Plattformen gelangen, um Datenschutzverletzungen zu vermeiden.

Ein weiteres Risiko ist Shadow AI – also der Einsatz nicht freigegebener KI-Tools, wie beispielsweise ChatGPT durch Mitarbeitende. Das kann zur Weitergabe sensibler Daten, falschen Ergebnissen und rechtlichen Problemen führen. Deshalb sollten Apotheken festlegen, welche Tools erlaubt sind, wie sie genutzt werden dürfen und wie die Einhaltung überprüft wird.

Fazit: Jetzt starten – aber richtig

Die expopharm 2025 hat gezeigt: KI ist gekommen, um zu bleiben. Sie entlastet Teams, beschleunigt Prozesse und verbessert die Beratung. Wer jetzt klein anfängt – mit Marketing, Kommunikation oder Meeting-Assistenz – legt den Grundstein für die Apotheke der Zukunft.

Entscheidend ist, Verantwortung zu übernehmen: Datenschutz sichern, Mitarbeitende schulen, klare Regeln definieren. Dann wird KI nicht zur Bedrohung, sondern zum Mitdenker – und schafft das, was Apotheken am meisten brauchen: Zeit für ihre Patienten.

Autor:
Stand:
30.09.2025
Quelle:
  1. Heike Bollmann (Senior Product Manager PCS Product House Europe, CGM LAUER): „Künstliche Intelligenz in der Offizin: Auf dem Weg zur intelligenten Apotheke“, expopharm 2025, Düsseldorf, 16. September 2025.
  2. Tilly Duderstadt (Apotheken mit Herz, Nordring Apotheke), Stefan Feucht (Apotheken mit Herz): „Digitale Zukunft der Vor-Ort-Apotheke: Kommunikation, KI und Gesundheitskompetenz im Wandel“, expopharm 2025, Düsseldorf, 16. September 2025.
  3. Marc Kriesten (Glückauf-Apotheke, Thinkery GmbH): „Zukunft ist, was wir daraus machen. Wie KI die Apotheke neu erfindet.“, expopharm 2025, Düsseldorf, 16. September 2025.
  4. Anna Wermund (pharma4u GmbH): „KI im Medikationsmanagement - Hilfreiche Unterstützung oder Risiko mit Nebenwirkungen?“, expopharm 2025, Düsseldorf, 17. September 2025.
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