expopharm 2025: pDL bei oraler Tumortherapie sicher begleiten und Therapietreue stärken

Orale Antitumortherapien verlagern die Verantwortung für eine komplexe Behandlung in die Hände der Patienten. Viele fühlen sich dabei überfordert. Auf der expopharm 2025 in Düsseldorf zeigten Experten, wie Apotheken die pDL strukturiert umsetzen und welchen Mehrwert sie für Betroffene bietet.

Krebspatient Tabletteneinnahme

Prof. Dr. Kai Kolpatzik präsentierte in einem Panel zur pharmazeutischen Dienstleistung (pDL) bei oraler Antitumortherapie (OAT) aktuelle Daten zur Gesundheitskompetenz in Deutschland. Demnach haben drei von vier Erwachsenen Schwierigkeiten, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen und anzuwenden. Für Krebspatienten bedeutet dies: Viele verstehen ihre Therapie nur unzureichend und setzen sie nur schwer konsequent um.

Eine Patientin schilderte im Panel eindrücklich, wie überfordert sie nach ihrer Diagnose war: „Ich weiß noch, dass ich nach dem Arztgespräch einkaufen war und mir mehr Gedanken darüber gemacht habe, welchen Käse ich kaufen soll.“ Besonders belastend sei gewesen, das Medikament allein zu Hause einnehmen zu müssen. Die pDL in der Apotheke gab ihr Sicherheit – mit strukturiertem Gespräch, Infomaterialien und einem individuellen Einnahmeplan. Sie war positiv überrascht, dass die Leistung von der Krankenkasse übernommen wird.

Nutzen der pDL bei oraler Antitumortherapie

Die von der ABDA definierte pharmazeutische Dienstleistung verfolgt folgende Ziele:

  • Arzneimitteltherapiesicherheit erhöhen,
  • arzneimittelbezogene Probleme erkennen und vermeiden,
  • die Therapietreue fördern,
  • und die Zusammenarbeit zwischen Apotheke und Arztpraxis stärken.

Vergütet werden 90 € netto für die initiale Beratung sowie 17,55 € netto für ein semistrukturiertes Folgegespräch nach 2–6 Monaten.

Das Fazit der Diskussion: Die pDL bei OAT verbessert die Behandlungsqualität nachweislich. Apothekerin Sabine Schöning ermutigte ihre Kollegen: „Einfach machen!“ – und empfahl, mit kleinen Schritten zu beginnen.

Praktische Umsetzung: Tipps aus der Offizin

Apothekerin Silvia Wicha erläuterte anschließend in ihrem Vortrag, wie sich die pDL OAT konkret in den Apothekenalltag integrieren lässt. Sie empfiehlt, Patienten direkt beim Einlösen eines OAT-Rezepts anzusprechen. Während das Medikament bestellt wird, kann das Apothekenteam bereits das Beratungsgespräch vorbereiten. Ärzte könnten zudem ein grünes Rezept mitgeben, um Patienten gezielt auf die pDL aufmerksam zu machen.

Für ein erfolgreiches Angebot seien gut geschulte und motivierte Teams entscheidend. Apotheker müssen eine Weiterbildung nach dem Curriculum der Bundesapothekerkammer, „Medikationsanalyse, Medikationsmanagement als Prozess“ oder eine gleichwertige Qualifikation (z. B. ATHINA, ARMIN) vorweisen. 

Die pDL OAT erfolgt nach einem klar strukturierten Ablauf: 

Teilleistung 1 – Erweiterte Medikationsberatung:
Patienten werden angesprochen, eingeschrieben und geben ihre Zustimmung schriftlich. Im Beratungsgespräch werden Handhabungs- und Anwendungsprobleme sowie die Therapietreue erfasst. Anschließend erfolgt die AMTS-Prüfung, Lösungsvorschläge werden erarbeitet, und der Medikationsplan wird aktualisiert. Patienten erhalten einen Medikationsplan, ggf. einen Einnahmeplan und weitere Informationsmaterialien.

Teilleistung 2 – Semistrukturiertes Folgegespräch:
2–6 Monate nach der Erstberatung erfolgt ein Folgegespräch, um offene Fragen zu klären, mögliche Probleme zu erkennen und die Therapietreue zu sichern.

Für die Beratung selbst bewähren sich strukturierte Gesprächsleitfäden und Materialien wie die AMBORA-Merkblätter, Einnahmepläne und Nebenwirkungsinformationen. 
Aus Wichas Erfahrung sei es hilfreich, die Patienten am Ende selbst erklären zu lassen, wie sie das Medikament einnehmen müssen, um herauszufinden, ob sie es verstanden haben. Zudem sei es wichtig, die Patienten darauf hinzuweisen, nach jeder Einnahme die Hände zu waschen – ein Aspekt, der vielen Patienten nicht bewusst sei.

Ergebnisse aus einer eigenen Projektarbeit von Wicha zeigen: Patienten fühlten sich nach der Erstberatung deutlich sicherer im Umgang mit ihrer Therapie. Dieser Effekt ließ jedoch nach einigen Monaten nach. Daher sei das semistrukturierte Folgegespräch nach 2–6 Monaten essenziell, um Therapietreue und Sicherheit langfristig zu stabilisieren.

Fazit: mehr Sicherheit und Therapietreue

Die Experten auf der expopharm waren sich einig: Die pDL bei oraler Antitumortherapie bietet einen deutlichen Mehrwert. Sie verbessert die Arzneimitteltherapiesicherheit, stärkt die Therapietreue und entlastet Patienten in einer oft überwältigenden Lebenssituation. Apotheken, die die Dienstleistung strukturiert einführen und ihre Teams gut vorbereiten, können ohne großen Mehraufwand einen entscheidenden Beitrag zum Therapieerfolg leisten – und ermöglicht Apotheken, ihre pharmazeutische Expertise sichtbar zu machen.

Autor:
Stand:
30.09.2025
Quelle:
  1. Panel: „Sicher, kompetent und nah am Patienten - Ihre Rolle bei der oralen Tumortherapie - Best practise mit den pDL“. Kerstin Bornemann (Marien Apotheke in Göttingen), Prof. Dr. Kai Kolpatzik (Wort & Bild Verlag), Dr. Jelena Rosentreter (Aukamm-Apotheke), Sabine Schöning (Adler- Apotheke am Klinikum), Dr. Nina Griese-Mammen (ABDA), AstraZeneca. expopharm 2025, Düsseldorf, 16. September 2025.
  2. Vortrag: „onkologische Patient*innen im Fokus - Pharmazeutische Dienstleistung bei oraler Antitumortherapie praxisnah umgesetzt“. Silvia Wicha (antares-apotheke). expopharm 2025, Düsseldorf, 16. September 2025.
  3. ABDA: Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie, aufgerufen am 24.09.2025.
  4. Kolpatzik, K., Bollweg, T., Fretian, A., Okan, O. (2025). Gesundheitskompetenz in Deutschland 2024. Ergebnisbericht. Technische Universität München. School of Medicine and Health. Department of Health and Sport Sciences. WHO
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