Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (health-related quality of life [HRQoL] von Krebspatienten ist durch den Krebs nicht nur während der Therapie und in den ersten Jahren danach eingeschränkt, sondern auch langfristig. Neben den Nebenwirkungen wie der Kardiotoxizität, die die kardiorespiratorische Kapazität stark beeinträchtigen kann, können auch indirekte Einflüsse wie Konditionsverlust und Gewichtszunahme die Lebensqualität negativ beeinflussen. Aus klinischer und gesundheitspolitischer Sicht ist es von großer Bedeutung, diese langfristigen negativen Auswirkungen zu mindern.
Nicht-pharmakologische Optionen
Bewegung gilt als eine der wichtigsten nicht-pharmakologischen Interventionen für die Verbesserung der verschiedenen Dimensionen der Lebensqualität bei Krebspatienten. Studien und systematische Reviews berichten, dass körperliche Aktivität in Form von Bewegung die Entwicklung von Metastasen abschwächen, das Immunsystem fördern und die kardiorespiratorische Fitness verbessern kann. Zusätzlich kann sie die Wirkung systemischer Therapien verstärken, indem sie die Durchblutung der tumoralen Mikroumgebung verbessert und dadurch die Aggressivität des Krebses verringert. Es ist jedoch nach wie vor unbekannt, welche Bewegungsansätze für die Verbesserung der HRQoL bei Krebspatienten am wirksamsten sind.
Es existieren jedoch bereits zahlreiche randomisierte kontrollierte Studien, in denen der Effekt verschiedener Bewegungsarten zur Verbesserung der HRQoL von Krebspatienten untersucht wurde. In der aktuellen Netzwerk-Metaanalyse aus 93 Studien mit 7.435 Krebspatienten wurden die Auswirkungen von Bewegung während und nach der Krebsbehandlung in den Bereichen der körperlichen und mentalen HRQoL mittels allgemeiner und krebsspezifischer Fragebögen untersucht. Bei der Bewegung wurde zwischen Ausdauertraining, Krafttraining, kombiniertem Ausdauer- und Krafttraining, anaerobem Training, Gehen, Dehnen und Mind-Body-Verfahren wie Pilates, Tai Chi und Yoga unterschieden. 3.697 Patienten absolvierten eine jegliche Art von Training, 3466 dienten als Kontrollgruppe.
Kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining wird empfohlen
In den allgemeinen Fragebögen zur HRQoLkonnte nur beim kombinierten Ausdauer- und Krafttraining ein signifikanter Effekt (Effektgröße (effect size [ES]: 0,35; 95%-Konfidenzintervall (KI): 0,14 bis 0,56) gemessen werden.
Bei der Analyse der krebsspezifischen Fragebögen bestätigte sich dieser signifikante Effekt für das kombinierte Ausdauer- und Krafttraining (ES: 0,31; 95%-KI: 0,13 bis 0,48). Weiterhin konnten darin signifikante Effekte für das Gehen (ES: 0,39; 95%-KI: 0,04 bis 0,74) und für die Mind-Body-Verfahren (ES: 0,54; 95%-KI: 0,18 bis 0,89) nachgewiesen werden.
Empfohlene Bewegung während und im Anschluss an die Krebstherapie
Während und im Anschluss an eine Krebstherapie schnitt wie in den oben genannten Auswertungen in den allgemeinen Fragebögen eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining am besten ab(ES: 0,44; 95%-KI: 0,27 bis 0,61). In der Analyse der krebsspezifischen Fragebögen fanden sich ebenfalls signifikante Effekte für diese Kombination (ES 0,32, 95%-KCI: 0,03 bis 0,61) sowie für Mind-Body-Verfahren (ES 0,92, 95%-KI: 0,34 bis 1,51)
Auswirkungen der Bewegung auf körperliche und geistige Bereiche
Betrachtete man die Analysen getrennt für die körperliche und mentale Lebensqualität, zeigte sich auch hier für die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining eine statistisch signifikante Effektstärke von 0,52 (95%-KI: 0,23 bis 0,82) für den körperlichen Bereich und eine Effektstärke von 0,59 (95%-KI: 0,24 bis 0,95) für den mentalen Bereich.
Bewegung ist das A und O
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bewegung im Allgemeinen einen positiven Effekt auf die HRQoL ausüben kann, da die Metaanalyse keine negativen Effekte aufzeigte. Der größte Effekt zeigte sich unter der Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining, unabhängig davon, mit welchen Fragebögen die HRQoL bewertet wurde, und es war die einzige Trainingsart, die sowohl auf den körperlichen als auch auf den mentalen Bereich Auswirkungen hatte.
Weitere kontrollierte randomisierte Studien sollten untersuchen, welche Arten von Bewegung in Abhängigkeit von Tumorart, Progress, und anderen persönlichen Patientenmerkmalen, einschließlich Alter und Art der Behandlung, zu empfehlen sind.






