HPV-Status und Suizidrisiko bei Kopf-Hals-Tumoren

HPV-positive Kopf-Hals-Tumore haben zwar eine bessere Prognose, da sie durch sexuellen Kontakt übertragen werden, könnten Patienten aber stigmatisiert werden. Eine Studie untersuchte das Suizidrisiko bei Patienten und prüfte eine mögliche Assoziation mit dem HPV-Status.

Humane Papillomaviren

Hintergrund

Humane Papillomviren (HPV) kennt man vor allem als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs. Doch HPV kann auch Kopf-Hals-Tumoren auslösen. Als Kopf-Hals-Tumore bezeichnet man Krebserkrankungen der Mundhöhle, des Rachens, des Kehlkopfes, der Nase und der Nasennebenhöhlen. Die wichtigsten Risikofaktoren sind Tabak- und Alkoholkonsum sowie HPV-Infektionen.
Jährlich werden über 500.000 Fälle von Kopf-Hals-Tumoren weltweit gemeldet. Über eine vermehrte Assoziation mit HPV wird vor allem bei Oropharynxkarzinomen (OSCC) zu berichtet. Man geht mittlerweile von zwei getrennten Entitäten für HPV-assoziiert und HPV-negative OSCC aus, da sich die Tumore je nach HPV-Assoziation bezüglich biologischer Charakteristika, dem Therapieansprechen und der Prognose unterscheiden [1].

Stigmatisierung und psychische Belastung bei HPV-assoziierten Tumoren?

Bei Kopf-Hals-Tumoren spielen vor allem die „high risk“ Papillomviren 16 und 18 eine Rolle. Diese werden bei sexuellem Kontakt übertragen. Ob Patienten mit HPV-assoziierten Kopf-Hals-Tumoren daher möglicherweise häufiger eine Stigmatisierung erfahren und psychisch stärker belastet sind, ist bislang nicht hinreichend untersucht worden. Dies wollte eine US-amerikanische Studie ändern: Ein Team um Tatenda Chakoma von der Stanford University School of Medicine, Stanford, USA, untersuchte die Assoziation zwischen HPV-Status und Suizidrisiko bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren [2].

Retrospektive Analyse des Suizidrisikos bei Kopf-Hals-Tumoren

In die retrospektive Kohortenstudie gingen die Daten von über 60.000 Patienten ein. Die Forscher nutzten Daten aus der „Surveillance, Epidemiology, and End Results Program“-Datenbank. Das kumulative Suizidrisiko wurde bei Patienten mit HPV-positiven und HPV-negativen Kopf-Hals-Tumoren mithilfe des Fine-Gray-Modells ermittelt. Kovariaten waren unter anderem Alter, Ethnie, Familienstand, Krebsstadium bei Vorstellung und Therapie.

HPV-Status scheint Suizidrisiko nicht zu beeinflussen

Die 60.361 Teilnehmer waren im Mittel 61,2 Jahre alt und etwa ein Drittel (28,2%) war weiblichen Geschlechts. Die kumulative Suizidinzidenz war bei Patienten mit HPV-assoziierten Kopf-Hals-Tumoren gegenüber Patienten mit HPV-negativem Status erhöht, gemessen anhand der suizidspezifischen Fünf-Jahres-Mortalität (HPV-positiv: 0,43%; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,33% bis 0,55%; HPV-negativ: 0,24%; 95%-KI 0,19 bis 0,29).

Im unadjustierten Modell zeigte sich bei Patienten mit HPV-positivem Kopf-Hals-Tumor ein erhöhtes Suizidrisiko (Hazard Ration [HR] 1,76; 95%-KI 1,28 bis 2,40). Nach Adjustierung gab es keinen Unterschied mehr zwischen beiden Gruppen (adjustierte HR 1,18; 95%-KI 0,79 bis 1,79). Nur bei Patienten mit OSCC  war der HPV-positive Status auch nach Adjustierung mit einem erhöhten Suizidrisiko assoziiert, doch aufgrund des breiten Konfidenzintervalls war eine abschließende Bewertung nicht möglich (adjustierte HR 1,61; 95%-KI 0,88 bis 2,94).

Autoren fordern frühzeitige psychologische Unterstützung der Patienten

Die Ergebnisse dieser Kohortenstudie zur Assoziation zwischen HPV-Status bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren und Suizidrisiko konnten keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen feststellen. Das Suizidrisiko scheint gleich, unabhängig davon, ob HPV-positive oder -negative Tumore vorliegen. Ob hier die bessere Prognose bei HPV-positiven Kopf-Hals-Tumoren eine Rolle spielt und eine mögliche Stigmatisierung aufwiegt, bleibt unklar. Das retrospektive Studiendesign erlaubt keine Aussagen zur Kausalität.

Chakoma et al. weisen abschließend darauf hin, dass frühe Interventionen zur Unterstützung der psychischen Gesundheit bei allen Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren mit einem reduzierten Suizidrisiko einhergehen könnten. Dies solle in Zukunft berücksichtigt werden, so die Autoren.

Quelle:
  1. Wittekindt et al. (2018): HPV – Das andere Kopf-Hals-Karzinom. Laryngorhinootologie, DOI: 10.1055/s-0043-121596
  2. Chakoma et al. (2023): Association of Human Papillomavirus Status With Suicide Risk Among Patients With Head and Neck Cancer. JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery, DOI: 10.1001/jamaoto.2022.4839
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: