Prostatakrebs zählt zu den häufigsten Krebsarten. Eine mögliche Behandlungsstrategie ist die Bestrahlung. Ein großes Problem dabei sind mögliche Schäden am umgebenden gesunden Gewebe. Beispielsweise liegt die Prostata sehr nah am Enddarm, wodurch es dort zu akuten Problemen kommen kann. Reduzieren lässt sich das möglicherweise, wenn die Strahlentherapie angepasst und bzw. oder der Abstand zwischen Prostata und Enddarm erhöht wird. Eine mögliche Technik dafür hat ein internationales Forschungsteam mittels randomisierter, prospektiver, einfachverblindeter, multizentrischer klinischer Studie untersucht.
Verschiedene Bestrahlungsarten im Vergleich und eine Problemlösung
Es gibt verschiedene Strahlentherapiekonzepte bei Prostatakrebs. Hypofraktionierte Bestrahlung und konventionell fraktionierte Bestrahlung sind zwei davon. Sie unterscheiden sich in der Anzahl der Fraktionierungen, den eingesetzten Einzelstrahlendosen und der Gesamtstrahlendosis. Bei der hypofraktionierten Strahlentherapie werden höhere Einzeldosen verwendet. Dadurch sind weniger Bestrahlungen insgesamt notwendig und gleichzeitig meist auch eine geringere Gesamtdosis. Bei Prostatakrebs werden dadurch aus den acht bis neun Wochen bei konventionell fraktionierter Strahlentherapie nur noch vier bis sechs Wochen.
Die hypofraktionierte Strahlentherapie ist jedoch mit größeren akuten Grad 2 toxischen Effekten auf den Gastrointestinaltrakt assoziiert. Verringern ließe sich das Risiko möglicherweise durch sogenannte Rektumspacer. Dabei wird ein Gel in einem kleinen operativen Eingriff beispielsweise mittels TRUS oder TURP zwischen Prostata und Rektum injiziert und so der Abstand zwischen den beiden Organen erhöht. Verwendet werden kann dafür beispielsweise Hyaluronsäure – und genau das wurde in der aktuellen Studie untersucht.
Studie mit direktem Vergleich zwischen Bestrahlung mit und ohne Spacer
Das Studienteam randomisierte dafür 201 Patienten mit biopsiebestätigtem Prostatakarzinom (T1 bis T2, Gleason-Score 7 oder geringer, prostataspezifisches Antigenlevel von 20 ng/mL oder weniger) 2:1 in eine Spacergruppe (136 Teilnehmende) und eine Kontrollgruppe (65 Teilnehmende). Die Teilnehmenden der Spacergruppe bekamen mittels TRUS einen Hyaluronsäure-Spacer platziert, die Kontrollgruppe fiduzielle Marker. Anschließend wurde die Strahlentherapie mittels CT/MRT geplant und durchgeführt und die jeweiligen unerwünschten Ereignisse erfasst.
Als Outcome definierte das Team:
- Mehr als 70% der Patienten in der Spacergruppe weisen eine ≥25%ige Reduktion der im rektalen Volumen erreichten 54 Gy auf
- Die Spacergruppe ist hinsichtlich akuten Grad 2 oder höher toxischen GI-Trakt-Effekten der Kontrollgruppe nicht unterlegen
Weniger Nebenwirkungen am Enddarm mit Spacer
Genau das konnte das Team auch beobachten: In der Spacergruppe traten weniger toxische Effekte auf den Gastrointestinaltrakt auf und der Enddarm wurde weniger stark mitbestrahlt. Durchschnittlich wurden den Teilnehmenden der Spacergruppe 11,2 mL (Standardabweichung [SD]: 1,7) Hyaluronsäure injiziert. So entstand ein Abstand zwischen Prostata und Rektum von 12,9 mm (SD: 3,5), der auch nach drei Monaten noch bei 12,6 mm (SD: 3,5) lag.
In der Spacergruppe konnte bei 98,5% der Teilnehmenden (95%-Konfidenzintervall [KI]: 94,7% bis 99,8%) 25% oder mehr Reduktion der Strahlung im Rektum V54 gemessen werden. Das waren signifikant mehr Personen als der mindestens benötigte Wert von 70% (p<0,001). Durchschnittlich lag die Strahlenreduktion bei 85,0% (SD: 20,9%).
Hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen wie akuter Grad 2 oder höher GI-toxischer Effekte war die Spacergruppe der Kontrollgruppe nicht unterlegen: Während in der Kontrollgruppe bei 13,8% der Teilnehmenden entsprechende Nebenwirkungen auftraten, waren es in der Spacergruppe gerade einmal 2,9% (Differenz: -10,9%; 95%-KI mit einseitigem oberen Konfidenzlimit: -3,5; p=0,01). Diese bildeten sich alle innerhalb der folgenden sechs Monate zurück.
Entscheidende Ergebnisse für die Strahlentherapie
Einige Kliniken bieten Patienten basierend auf früheren Studiendaten bereits Spacer für die Strahlentherapie an. Die aktuelle Studie bekräftigt diese mögliche Option weiter, denn der Hyaluronsäure-Spacer lässt sich meist unkompliziert und mit geringem Risiko platzieren, kann aber die rektale Dosimetrie verbessern und die toxischen Akuteffekte Grad 2 oder höher auf den Gastrointestinaltrakt verringern. Deshalb könnte es sich lohnen, Hyaluronsäure-Spacer bei Patienten mit angedachter hypofraktionierter Strahlentherapie zu erwägen.








