Einige Krebserkrankungen beruhen auf angeborenen genetischen Veränderungen. Pathogene Keimbahnvarianten in Krebsprädispositionsgenen erhöhen das Tumorrisiko teils erheblich und bilden die Grundlage für risikoadaptierte Screening- und Surveillance-Konzepte.
Bisher wurden genetische Testungen meist auf Personen mit auffälliger Eigen- oder Familienanamnese beschränkt. Wie häufig solche Varianten in der allgemeinen Bevölkerung vorkommen, ist dagegen weniger gut untersucht. Eine im 'JAMA' veröffentlichte Studie aus den USA liefert hierzu neue Daten aus einer großen populationsbasierten Kohorte.
Mehr als 400.000 Erwachsene liefern Daten zur Häufigkeit genetischer Risiken
Die Analyse basierte auf Daten des „All of Us Research Program“ der National Institutes of Health. Ein Forschungsteam unter Leitung von Joshua Arbesman (Cleveland Clinic Medical Specialty Institute) und Kollegen untersuchte genetische Sequenzierungs- und Gesundheitsdaten von mehr als 400.000 erwachsenen Teilnehmern.
Die Studie sollte klären, wie häufig pathogene oder wahrscheinlich pathogene Keimbahnvarianten in zentralen Krebsprädispositionsgenen in der Allgemeinbevölkerung vorkommen. Bisherige Analysen richteten sich vor allem auf Patienten mit manifesten Tumorerkrankungen.
Pathogene Varianten bei rund fünf Prozent der Erwachsenen nachweisbar
Insgesamt fanden sich bei etwa 5 % der untersuchten Erwachsenen pathogene oder wahrscheinlich pathogene Varianten in 72 relevanten Krebsgenen. Damit könnten genetische Prädispositionen in der Allgemeinbevölkerung häufiger auftreten als bislang angenommen.
Am häufigsten betroffen war das Gen MUTYH. Einzelne heterozygote Veränderungen sind hier in der Regel nicht mit einem deutlich erhöhten Krebsrisiko verbunden. Seltener fanden sich Veränderungen in hochpenetranten Genen wie BRCA1 oder BRCA2, die mit erheblichen Risikoanstiegen für bestimmte Tumorentitäten verbunden sein können.
Zudem verdeutlichte die Studie, dass nicht jede nachgewiesene Keimbahnvariante klinisch gleich relevant ist. Häufig handelte es sich um Veränderungen in Genen mit moderater oder niedriger Penetranz, bei denen weitere Faktoren wie Eigen- und Familienanamnese eine wichtige Rolle spielen.
Fazit: Prävalenzdaten erweitern Verständnis genetischer Krebsrisiken
Die Autoren werten die populationsweite Prävalenzbestimmung als wichtigen Beitrag, um genetische Krebsrisiken in der Allgemeinbevölkerung besser einzuordnen – unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie Lebensstil oder Familienanamnese. „Die Kenntnis der Häufigkeit genetischer Varianten in der Allgemeinbevölkerung ermöglicht ein klareres Bild, ohne Vorannahmen etwa aufgrund von Lebensstil oder familiärer Belastung“, schreiben sie. Zugleich machen die Ergebnisse die Bedeutung einer konsequenten Krebsfrüherkennung deutlich.
Langfristig könnten solche Daten dazu beitragen, Personen mit genetisch erhöhtem Krebsrisiko besser zu identifizieren.














