Bei bildgebenden Verfahren hat sich die Befundung durch selbst lernende Programme – künstliche Intelligenz (KI) – mittlerweile als durchaus hilfreich erwiesen. Die Programme können weitaus mehr Aufnahmen – seien es Fotos, mikroskopische Bilder, Röntgen-, Ultraschall- oder MRT-Aufnahmen – samt den dazu gestellten Befunden einspeichern als es ein Arzt während seines Berufslebens könnte.
Sicherheit der KI-Befundung
Auch bei der Mammografie wird bereits die KI zur Befundung hinzugezogen. Allerdings gibt es bisher nur retrospektive Daten zu der Frage ob KI- und herkömmliche Befundung gleichwertig sind. Ein schwedisches Forscherteam der Universität Lund wollte dies ändern. In ihrer randomisierten Studie testeten sie die klinische Sicherheit eines KI-gestützten Screening-Protokolls im Vergleich zum Standard-Screening durch Radiologen bei einer Mammografie.
Mehr als 80.000 Mammografien beurteilt
Dafür teilten sie 80.033 Frauen im Alter von 40 bis 80 Jahren, die sich einer Mammografie unterzogen, in zwei Gruppen auf: Bei der Interventionsgruppe (n=40.003) wurden die Mammografien mittels einer KI-Software (Transpara Version 1.7.0) ausgewertet, bei der Kontrollgruppe (n=40.030) wurden die Mammografien von zwei Röntgenologen (Doppelbefundung) beurteilt.
Mit KI 20% mehr Tumore entdeckt
Beim KI-gestützte Screening wurden die Daten von 39.996 Teilnehmerinnen aufgenommen. In dieser Interventionsgruppe wurden 244 Krebserkrankungen entdeckt, 861 wurden wegen fraglicher Befunde mehrmals untersucht (Rückrufe). Insgesamt erfolgten 46.345 Screening-Messungen mit KI. Mit dem Standardscreening konnten bei 40.024 Teilnehmerinnen 203 Krebserkrankungen entdeckt werden; 817 Rückrufe erfolgten. Wegen der Doppeluntersuchungen wurden hier 83.231 Screening-Befundungen erforderlich.
Insgesamt führte das KI-gestützte Screening zu einer Krebserkennungsrate von 6,1 pro 1.000 gescreente Frauen, verglichen mit 5,1 pro 1.000 bei einer standardmäßigen Doppelbefundung ohne KI. Anders ausgedrückt: pro 1.000 untersuchter Frauen kann mittels eines KI-gestützten Systems ein Mammakarzinom mehr erkannt werden als auf dem herkömmlichen Weg.
Vorteil Arbeitsersparnis
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass in der KI-gestützten Gruppe 36.886 weniger Mammographien auswerten mussten als in der Kontrollgruppe (46.345 gegenüber 83.231). Das bedeutet, dass die Arbeitslast der Radiologen durch den Wegfall der Doppelbefundung deutlich gesenkt werden konnte.
Ergebnisse vorsichtig interpretieren
Zwar hat die Studie ergeben, dass die KI-Auswertung der Mammografien der herkömmlichen Methode mit der Doppelbefundung durch Radiologen um etwa 20% überlegen ist und die Arbeitslast der Radiologen deutlich reduziert. Doch die Autoren schränken ihre Ergebnisse ein. Die Analyse wurden an einem einzigen Zentrum durchgeführt, nur eine Art von Mammografiegerät wurde verwendet und war auf nur ein KI-System beschränkt. Daher könnten die Ergebnisse nicht generalisiert werden.








