Prophylaktische Drainage nach Gastrektomie?

Prophylaktische Drainagen nach einer Gastrektomie sind umstritten. Der Verzicht auf eine prophylaktische Drainage nach der Gastrektomie scheint das Risiko postoperativer invasiver Eingriffe zu erhöhen, fanden Forscher in der randomisierten klinischen Studie ADiGe.

Magenkarzinom

Unklare Datenlage zur Drainage nach Gastrektomie

Magenkrebs ist die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Die vollständige Tumorresektion bietet die beste Chance auf Heilung. Trotz begrenzter Datenlage, wurden lange abdominale Drainagen nach verschiedenen Bauchoperationen eingesetzt. Dadurch sollten Anastomosenfisteln früh erkannt und drainiert sowie intraabdominalen Abszessen vorgebeugt werden.

Cochrane-Analyse zeigt keine Vorteile von Drainagen nach Gastrektomie

Eine Cochrane-Analyse von 2015 untersuchte die Vorteile und Risiken der routinemäßigen Platzierung von Abdominaldrainagen nach einer Gastrektomie bei Magenkrebs. Die Analyse umfasste vier randomisierte kontrollierte Studien mit mehreren hundert Patienten.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die verfügbaren Daten die routinemäßige Verwendung von Drainagen nach einer Gastrektomie nicht ausreichend stützten. Die Drainagen verlängerten die Operationszeit und den postoperativen Krankenhausaufenthalt. Zudem traten aufgrund der Drainagen Komplikationen auf, ohne einen zusätzlichen Nutzen für die Patienten zu bieten.

Leitlinien raten von Drainage ab

Dementsprechend enthielten die Leitlinien für die Gastrektomie, die die Gesellschaft für die Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) veröffentlichte, die dringende Empfehlung, die routinemäßige Anwendung der Drainage bei der Magenchirurgie zu vermeiden.

Nach 2015 wurden einige weitere Publikationen über retrospektive Studien veröffentlicht, die alle zu widersprüchlichen Ergebnissen führten.

Ist der Verzicht auf routinemäßige Drainagen mit Komplikationen verbunden?

Mit ihrer kürzlich im Fachjournal JAMA Surgery veröffentlichten Studie versuchte eine Arbeitsgruppe um Dr. Jacopo Weindelmayer von der General and Upper GI Surgery Division, Azienda Ospedaliera Universitaria Integrata in Verona, Italien, die Datenlage zu verbessern.

Die Forscher versorgten im Rahmen der multizentrischen, prospektiven Studie ADiGe (NCT04227951) Patienten, die sich einer elektiven Resektion von Magenkrebs unterzogen, zum Zeitpunkt der Operation nach dem Zufallsprinzip mit einer prophylaktischen Drainage oder nicht.  Für die Auswertung wurde die Inzidenz von Reoperationen oder die Platzierung einer Drainage, die bis zu 30 Tage nach der Operation auftraten, sowie alle Komplikationen im Zeitraum von 90 Tagen herangezogen.

Erneute Operation häufiger bei Patienten ohne Drainage

Zwei Drittel der randomisierten Patienten waren Männer. Das Durchschnittsalter lag bei 71 Jahren. Insgesamt wurden 390 Patienten in die abschließenden Analysen einbezogen.

In der Drainagegruppe benötigten 7,7% der Patienten innerhalb von 30 Tagen eine erneute Operation oder Drainage. In der Gruppe ohne Drainage waren es 15%. Interessanterweise beruhte der Unterschied vor allem auf der Anzahl der Reoperationen (5,1% vs. 12,4%). Komplikationen aufgrund der Drainage traten bei vier Patienten auf.

Drainage scheint das Risiko postoperativer Komplikationen zu senken

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass der Verzicht auf prophylaktische Drainagen nach der Gastrektomie das Risiko postoperativer invasiver Eingriffe erhöht. Um Entscheidungen für oder gegen prophylaktische Drainagen zu erleichtern, sollten in weiteren Studien Gruppen mit besonders hohem Risiko identifiziert werden.

Autor:
Stand:
20.12.2024
Quelle:

Weindelmayer et al. (2024): Prophylactic drain placement and postoperative invasive procedures after gastrectomy - The abdominal drain after gastrectomy (ADIGE) randomized clinical trial. JAMA Surgery, DOI: 10.1001/jamasurg.2024.5227

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