Meiste Rezidive innerhalb der ersten zwei postoperativen Jahre
Patienten, die eine kurative Behandlung eines Kopf-Hals Tumors (Head and Neck Squamous Cell Carcinoma [HNSCC]) erhalten haben, sollten regelmäßig zur Nachsorge gehen, um ein Rezidiv frühzeitig erkennen zu können.
Dies ist entscheidend für eine effektive Salvage Therapie und kann das Überleben bei diesen Patienten verbessern.
Was beinhaltet die Nachsorge?
Im Rahmen der Nachsorge sind insbesondere die klinische Untersuchung, Symptomerhebung und Bildgebung etablierte Verfahren.
Um eine frühe und akkurate Rezidivdiagnostik zu erreichen, ist es wichtig den richtigen Zeitpunkt und diagnostische Methode zu wählen.
Wann und wie Rezidivdiagnostik?
Eine aktuelle retrospektive Studie untersuchte das Timing sowie die Methode, um die früheste Rezidiverkennung zu ermöglichen. Für die Studie wurden Teilnehmer rekrutiert, die HNSCC der Mundhöhle, Oropharynx, Hypopharynx oder Larynx aufwiesen. Alle Patienten wurden kurativ operativ behandelt. Der Erhalt einer Radiatio mit oder ohne Chemotherapie war ein Ausschlusskriterium.
Insgesamt wurden 440 Patienten in die Studie eingeschlossen. Davon waren 367 Männer und 73 Frauen. Das mediane Alter der Teilnehmer lag zum Zeitpunkt der Operation bei 66 Jahren. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 44 Monate.
Welche Untersuchungen wurden gemacht?
Im Rahmen der Studie wurden die Patienten im ersten Jahr alle 1-3 Monate, im zweiten Jahr alle 2-6 Monate sowie alle 4-8 Monate im dritten bis fünften Jahr nachuntersucht. Danach erfolgten die Kontrollen jährlich.
Beim Follow Up wurden die Teilnehmer klinisch untersucht sowie mögliche Symptome erhoben. Als bildgebende Verfahren wurden Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder 18F-Fluorodeoxyglucosepositronen Emissionstomographie (FDG-PET) -CT in den ersten zwei Jahren alle 3-6 Monate und danach bei Abwesenheit von Rezidivzeichen alle 6-12 Monate eingesetzt.
Zudem wurden Ultraschalluntersuchungen der zervikalen Lymphknoten durchgeführt.
30% aller Patienten erlitten ein Rezidiv
Insgesamt kam es bei 133 der Patienten zu einem Tumorrezidiv, von denen die meisten im Hypopharynx auftraten (38%), gefolgt von der Mundhöhle (29%), Oropharynx (28%) und Larynx (25%).
In Stadium IV häufiger und früher Rezidive
Rezidive traten im Stadium IV signifikant häufiger auf im Vergleich zu den anderen Stadien (p<0,001). Je größer der Primärtumor jeglicher Lokalisation war, desto früher kam es zum lokalen Rezidiv (p=0,015).
Die meisten Rezidive (85%) traten innerhalb der ersten zwei Jahre nach der operativen Entfernung des Tumors auf. Im Median kam es innerhalb der ersten sechs Monate zum Rezidiv.
Regionale Rezidive treten früher auf als lokale Rezidive oder Fernmetastasen
Bei allen Primärlokalisationen trat eine regionale Rezidivsituation signifikant früher auf als lokale Rezidive oder Fernmetastasen (lokal versus regional, p=0,046; fern versus regional, p<0,001).
Rezidivrate bei LarynxCa in ersten zwei Jahren niedriger
Die Rezidivrate der Larynxkarzinome war innerhalb des ersten und zweiten postoperativen Jahres signifikant niedriger als bei den anderen Lokalisationen. Circa 40% der Rezidive traten jedoch erst ab dem dritten postoperativen Jahr auf. Daher ist es wichtig, auch nach Ablauf dieser Zeit die Patienten auf Rezidive zu monitoren.
Klinische Untersuchung effektiv bei Larynxkarzinomrezidiven
Die klinische Untersuchung war vor allem effektiv in der Detektion von laryngealen Rezidiven. So konnten über 80% der Rezidive entdeckt werden.
Bildgebende Verfahren in Rezidivdiagnostik bei Lappenplastik
Erschwerend für die klinische Untersuchung sind anatomische Veränderungen, die sich durch chirurgische Resektionen, komplexe rekonstruktive Operationen und adjuvante Radiatio ergeben haben. Um hier eine verspätete Diagnose eines Rezidivs zu vermeiden, empfehlen die Studienautoren ein bildgebendes Verfahren zu nutzen.
Bildgebung für frühe Detektion lokaler und regionaler Rezidive
Unabhängig von der Primärlokalisation wurden mehr als die Hälfte der regionalen Rezidive und die meisten der Fernmetastasen über Bildgebung diagnostiziert.
Die Bildgebung ist die bevorzugte Methode, um eine frühe Detektion von regionalen oder fernen Rezidiven zu erreichen.
Empfohlenes Follow-Up der Studienautoren
Die Studienautoren empfehlen auf Grund ihrer Ergebnisse ein zweijähriges Follow Up nach Abschluss der operativen Tumorentfernung zur Detektion lokaler Rezidive beim MundhöhlenCa, OropharynxCa und HypopharynxCa sowie für regionale Rezidive bei allen HNSCC jeglicher Primärlokalisation.
Patienten mit Larynxkarzinomen sollten, um lokale Rezidive zu entdecken, ein Follow-Up über vier Jahre nach der initialen Operation erhalten.
Das Follow-Up für Fernmetastasen sollte bei allen HNSCC unabhängig von der Primärlokalisation für vier Jahre erfolgen.