Jeder dritte Autofahrer zweifelt an eigener Sehleistung

Laut einer aktuellen Umfrage des Kuratoriums Gutes Sehen zweifelt etwa jeder dritte Autofahrer an seiner Sehfähigkeit. Die schwankenden Lichtverhältnisse im Herbst verschärfen dieses Problem und führen laut Experten zu deutlich verlängerten Reaktionszeiten mit gesteigerter Unfallgefahr.

Auge Sehtest Frau

Berlin. Rund ein Drittel der Autofahrer zweifelt an der eigenen Sehleistung. Das berichtet das Kuratorium Gutes Sehen unter Berufung auf die Allensbach-Brillenstudie 2025. Demnach geht gut die Hälfte der Menschen mit Brille davon aus, einen Sehtest wie vor der Führerscheinprüfung nicht zu bestehen. Bei den Menschen ohne erkannte Sehschwäche rechnet ein Sechstel nach eigener Einschätzung damit, einen Sehtest nicht zu bestehen. Trotz der alarmierend schlechten Selbsteinschätzung verzichtet die Mehrheit der Befragten nach KGS-Angaben auf Sehtests oder ärztliche Kontrollen.

Viele Autofahrer wissen um Sehprobleme – aber handeln nicht

In Deutschland sind laut Allensbach-Brillenstudie etwa zwei Drittel der Autofahrer auf eine Brille angewiesen. Über ein Viertel der Brillenträger zweifle an der eigenen Sehkraft. Dennoch verlasse sich ein nicht unerheblicher Teil auf veraltete Werte der Korrektur. 

Bei den Autofahrern ohne Brille fällt laut KGS vor allem die Altersgruppe zwischen 45 und 49 Jahren auf: Obwohl jeder Sechste in dieser Altersgruppe die Sehfähigkeit als möglicherweise nicht ausreichend einschätzt, hätten nur 40 Prozent der Befragten in den vergangenen drei Jahren einen Sehtest vornehmen lassen. Gerade in dieser Lebensphase aber verschlechtern sich Sehfunktionen oft unbemerkt.

Reaktionszeit, Bremsweg und Unfallrisiko nehmen erheblich zu

Wenn das Sehen eingeschränkt ist, werden Verkehrssituationen verzögert wahrgenommen. Schilder, Fahrbahnmarkierungen oder entgegenkommende Objekte fallen womöglich zu spät ins Blickfeld. Im Herbst verschärfen widrige Licht- und Wetterbedingungen diesen Effekt zusätzlich.

Das Kuratorium weist darauf hin, dass bei Tempo 50 eine verspätete Reaktion bereits einen Blindflug von 14 Metern bedeutet. Bei 130 km/h steigt der Wert auf 36 Meter. Auf nasser Fahrbahn kann sich der Bremsweg in kritischen Situationen sogar verdoppeln.

Diese Unterschiede können den Unterschied zwischen Ausweichen und einem Unfall bedeuten. Insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen – etwa bei Regen, Nebel oder starker Blendung durch tief stehende Sonne – wachse die Gefahr deutlich.

Kein Blindflug mehr im Herbst: Was Autofahrer konkret tun können

Um das erhöhte herbstliche Unfallrisiko zu senken, empfiehlt das KGS fünf einfache Vorgehensweisen:

  1. Regelmäßige Sehtests: Das Kuratorium empfiehlt, die Augen wenigstens im sogenannten TÜV-Rhythmus alle zwei Jahre prüfen zu lassen. Ab 60 Jahren wird häufig eine jährliche Kontrolle empfohlen. 
  2. Optimierte Brillengläser: Spezielle Autofahrergläser können Blendung reduzieren, Kontraste verstärken und den Wechsel zwischen Straße und Navigation erleichtern.
  3. Trockene Augen vermeiden: Häufigeres Blinzeln, Pausen auf längeren Strecken oder gegebenenfalls Benetzungstropfen helfen, Ermüdung der Augen zu vermeiden.
  4. Sonnenbrille griffbereit halten: Auch im Herbst kann eine Tönung mit Polarisationsfilter Reflexionen auf nassen Straßen abmildern. Die Tönungsstufen zwei oder drei sind im Straßenverkehr erlaubt.
  5. Saubere Scheiben, funktionierende Scheibenwischer und korrekt justierte Scheinwerfer tragen ebenfalls dazu bei, Risiken zu reduzieren.
Autor:
Stand:
04.10.2025
Quelle:
  1. Kuratorium Gutes Sehen: Blindflug im Herbst: Jeder dritte Autofahrer zweifelt an eigener Sehleistung.
  2. Kuratorium Gutes Sehen: Allensbach-Brillenstudie 2024/25: Wandel im Sehverhalten der Deutschen.
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