Retinale Venenverschlüsse - häufige Ursache für visuelle Einschränkungen
Retinale Venenverschlüsse gehören zu den häufigsten Erkrankungen der retinalen Gefäße. Insbesondere im höheren Lebensalter führen sie oft zu visuellen Einschränkungen. Geschätzt sind rund 16,4 Millionen Erwachsene von dieser Erkrankung betroffen. Bei der Erkrankung kann es durch eine retinale Ischämie oder veränderte okulare Mikrozirkulation zu Veränderungen von Strukturen, wie dem kornealen Endothel kommen.
Untersuchung des kornealen Endothels durch Spekularmikroskopie
Die Integrität des kornealen Endothels ist entscheidend für die Transparenz der Kornea und damit für die Sehschärfe. Die regenerative Kapazität der Endothelzellen ist nur sehr eingeschränkt, wodurch strukturelle Verluste oder morphologische Veränderungen irreversibel sein können. Die Morphologie des Endothels kann über bildgebende Verfahren, wie beispielsweise der Spekularmikroskopie untersucht werden. Dies ist eine nichtinvasive Bildgebung, die eine detaillierte Untersuchung der kornealen Endothelzellen, wie beispielsweise der Dichte und Zellmorphologie ermöglicht.
Studie evaluierte Morphologie des kornealen Endothels bei retinalem Venenverschluss
In einer aktuellen prospektiven Beobachtungsstudie untersuchten Wissenschaftler die Morphologie der kornealen Endothelzellen bei 42 Patienten (84 Augen) mit einem unilateralen retinalen Venenverschluss mit Hilfe der Spekularmikroskopie. Alle Patienten erhielten eine anti-VEGF-Therapie. Basierend auf einer Fundus-Fluoreszenzangiographie wurden die Patienten in eine ischämische (n = 21) und nicht-ischämische (n = 21) Subgruppe eingeteilt. Der primäre Studienendpunkt war die Zelldichte des Endothels im Vergleich ischämische versus nicht-ischämische retinale Venenverschlussaugen. Die gesunden kontralateralen Augen dienten als interne Kontrollen, um intra-individuelle Unterschiede zu erfassen.
Nur ischämische Augen zeigten signifikant veränderte Morphologie des Endothels
Während die absolute Vergleichsanalyse der Endothelparameter zwischen ischämischen und nicht-ischämischen Augen keine signifikanten Unterschiede ergab, zeigte die intra-individuelle Analyse signifikante subklinische Veränderungen, welche sich je nach ischämischem Phänotyp unterschieden. So zeigten ischämische Augen eine signifikante Reduktion der Dichte der Endothelzellen (35 versus 128 Zellen/mm2) (p=0,010), eine verminderte Zellzahl (p=0,010) und ein erhöhter durchschnittlicher Zellbereich (p=0,002) im Vergleich zum gesunden Gegenseite-Auge. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine ischämische Belastung beim retinalen Venenverschluss mit subklinischen kornealen Endothelveränderungen einhergeht. Im Gegensatz dazu fanden die Wissenschaftler bei nichtischämischen Augen keine relevanten morphologischen Veränderungen gegenüber der gesunden Seite. Dies spricht laut den Wissenschaftlern dafür, dass die Struktur des kornealen Endothels trotz der funktionellen Sehbeeinträchtigung erhalten blieb.
Empfehlung: Überwachung der Patienten mit ischämischem retinalen Venenverschluss
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer anterior segmentalen Überwachung bei Patienten mit ischämischem retinalen Venenverschluss, insbesondere wenn intraokulare Eingriffe wie Kataraktoperationen geplant sind, bei denen der Endothelstatus für das postoperative Outcome entscheidend sein kann. Die frühe Erkennung subklinischer Endothelveränderungen kann operative Strategien beeinflussen.









