Erste Augentransplantation in den USA

Die Transplantation eines Auges ist erstmals in New York gelungen. Obwohl das Sehvermögen des Betroffenen nicht wiederhergestellt wurde, sollte die Forschung intensiviert werden, um die Wiedererlangung der Sehkraft durch Transplantation in Zukunft möglich zu machen.

OP

Eine bahnbrechende chirurgische Leistung gab ein Team aus Chirurgen in New York bekannt: Die weltweit erste erfolgreiche und vollständige Transplantation eines Auges. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG) gratuliert zu diesem Meilenstein, warnt jedoch vor unrealistischen Hoffnungen und fordert eine verstärkte Forschungsförderung in Deutschland.

Ein historischer Moment

Anfang November teilte die New Yorker Universitätsklinik NYU Langone mit, dass ein interdisziplinäres Ärzteteam erstmals im Rahmen einer Teilgesichtstransplantation ein gespendetes Auge implantiert habe. Die aufwendige 21-stündige Operation fand bereits im Mai 2023 statt und involvierte über 140 Chirurgen sowie weiteres medizinisches Personal. Der Patient hatte durch einen schweren Arbeitsunfall 2021 sein linkes Auge, Teile des Gesichts und des linken Arms verloren.

Innovative Chirurgie zur Regeneration von Nerven und Sehkraft

Die erfolgreiche Transplantation umfasste die Verbindung der Blutgefäße, die das Auge versorgen, zwischen Spender- und Empfängergesicht sowie das Vernähen des Sehnervs. Mit dem zusätzlichen Injizieren von Stammzellen aus dem Knochenmark des Spenders in den Sehnerv, hat das Team haben einen innovativen Ansatz gewählt. Diese Methode befindet sich noch in der Erprobungsphase, zeigt aber vielversprechende Ansätze für die Unterstützung der Nervenregeneration und das Potenzial zur Wiederherstellung des Sehvermögens. Trotz der lebensfähigen Netzhaut und des gut durchbluteten Augapfels bleibt eine Sehfunktion bisher aus. Lidhebung und Augenbewegungen sind ebenfalls nicht nachweisbar.

Aktuell keine Regeneration des Sehnervs durch Transplantation.

Die DOG, vertreten durch Professor Dr. med. Horst Helbig, warnt vor überzogenen Erwartungen bezüglich der Wiederherstellung der Sehfunktion durch Augentransplantationen.
Ganzaugentransplantationen zur Wiederherstellung der Sehkraft seien aufgrund der komplexen Anatomie des Auges und damit verbundener Herausforderungen wie Nervenregeneration, Immunabwehr und Blutfluss zur Netzhaut bislang nicht gelungen. Trotz dieser beeindruckenden chirurgischen Leistung sei es derzeit unrealistisch, blinden Menschen Hoffnungen auf eine vollständige Sehkraftwiederherstellung zu machen. Der durchtrennte Sehnerv, so erklärt Helbig, sei mit einem peripheren Nerv nicht vergleichbar und eine Regeneration mit funktionierendem Anschluss an das Sehzentrum des Gehirns sei daher nicht zu erwarten.

Aktuelle Möglichkeiten und Perspektiven

Gegenwärtig ermöglicht die Hornhauttransplantation die Wiederherstellung des Sehvermögens. Professor Dr. med. Claus Cursiefen, Generalsekretär der DOG, betont, dass sie jedes Jahr vielen Tausend Menschen in Deutschland die Sehkraft zurückgibt. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass der Patient aus New York jemals mit dem transplantierten Auge sehen wird, ermutigen die bisherigen Erfolge dazu, die Forschung in den Bereichen okuläre Transplantationsimmunologie, Neuroregeneration und Mikrochirurgie fortzusetzen und zu vertiefen.

Appell für mehr Forschungsförderung

Die DOG appelliert daher an die deutsche Forschungsförderung, ihre Bemühungen zu intensivieren, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Professor Cursiefen unterstreicht die bedeutenden wissenschaftlichen Durchbrüche der deutschen Augenheilkunde in der Vergangenheit und plädiert für die Schaffung eines Deutschen Zentrums für Gesundheitsforschung in der Augenheilkunde. Dies könne dazu beitragen, die Vision einer vollständigen Augentransplantation zur Wiedererlangung der Sehfähigkeit eines Tages zu verwirklichen.

Autor:
Stand:
10.01.2024
Quelle:

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG), Pressemeldung, November 2023

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