Das primäre kongenitale Glaukom führt bereits in den ersten Lebensjahren zu erhöhtem intraokularem Druck, kornealen Veränderungen und ausgeprägten refraktiven Fehlern. Auch nach erfolgreicher Operation zeigen viele Kinder persistierende Sehschärfeminderungen, die eine gezielte optische Rehabilitation erforderlich machen. Während Brillenkorrekturen die Standardmaßnahme darstellen, reichen sie bei hohen oder irregulären Ametropien häufig nicht aus.
Vor diesem Hintergrund untersuchte eine in 'JAMA Ophthalmology' veröffentlichte Studie aus China (ChiCTR2100043776), ob formstabile sauerstoffdurchlässige Kontaktlinsen der Brillenkorrektur in der postoperativen Phase überlegen sind.
Systematischer Vergleich von Kontaktlinsenanpassung und Brillenkorrektur
Die Studie wurde als randomisierte klinische Prüfung mit 56 Kindern im Alter von vier bis 15 Jahren von April 2022 bis August 2023 durchgeführt. Alle Teilnehmer hatten ein chirurgisch behandeltes kongenitales Glaukom und zeigten eine unzureichende visuelle Verbesserung unter Brillenkorrektur.
29 Kinder wurden der Kontaktlinsen-Gruppe und 27 Kinder der Brillengruppe zugeteilt. Begleitend erhielten alle Teilnehmer eine standardisierte Amblyopietherapie mittels Okklusion.
Primärer Endpunkt war die Veränderung der bestkorrigierten Sehschärfe (Best corrected visual acuity, BCVA) des schlechter sehenden Auges nach zwölf Monaten. Sekundäre Endpunkte umfassten Kontrastempfindlichkeit und Nahstereoakuität.
Von 48 Kindern (85,7 %) wurde mindestens ein Follow-up-Besuch absolviert und in der Hauptanalyse berücksichtigt.
Signifikant stärkere Sehverbesserung durch Kontaktlinsen
Nach zwölf Monaten zeigte die Kontaktlinsen-Gruppe eine signifikant größere Sehschärfenverbesserung des schlechter sehenden Auges:
- mittlere Verbesserung 0,31 (Standardabweichung 0,28) logMAR in der Kontaktlinsengruppe
- 0,12 (Standardabweichung 0,33) logMAR Verbesserung unter Brillenkorrektur
- Adjustierte Differenz: −0,19 logMAR
(95 %-Konfidenzintervall [KI]: −0,36 bis −0,02; p = 0,03)
Eine Verbesserung um ≥ 2 Zeilen erreichten:
- 62,5 % der Kontaktlinsengruppe
- 37,5 % der Brillengruppe
(Odds Ratio [OR] 6,83; 95 %-KI 1,81–25,73; p = 0,01)
Das entspricht einem deutlichen Vorteil der Kontaktlinsen hinsichtlich des funktionellen Rehabilitationserfolgs.
Zusätzliche Verbesserungen bei Kontrastempfindlichkeit und Stereoakuität
Auch die sekundären Endpunkte zeigten Vorteile für die Kontaktlinsen:
- Kontrastempfindlichkeit:
– Kontaktlinsen: 0,40 (0,27)
– Brille: 0,13 (0,32)
– Adjustierte Differenz: 0,24 log-Einheiten
(95 % KI −0,01 bis 0,49; p = 0,04) - Stereoakuität ≤ 60 arcsec:
– 50,0 % unter Kontaktlinsen
– 25,0 % unter Brillenkorrektur
(OR 6,96; 95 %-KI 2,41–6,51; p = 0,001)
Die Kontaktlinsen ermöglichten somit in mehreren funktionellen Bereichen messbare Vorteile.
Gute Verträglichkeit ohne schwerwiegende Ereignisse
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Zwei Kinder brachen die Kontaktlinsentherapie aufgrund von Handhabungsproblemen bzw. Fremdkörpergefühl ab. Intraokularer Druck, refraktive Entwicklung und vordere Segmentparameter waren zwischen den Gruppen vergleichbar. „Diese Ergebnisse unterstützen formstabile Kontaktlinsen als Alternative für Kinder mit unzureichendem Brillenansprechen“, schreiben die Autoren.
Fazit: Klare Vorteile im ersten Jahr, langfristiger Forschungsbedarf
Die Studie zeigt, dass formstabile sauerstoffdurchlässige Kontaktlinsen die visuelle Rehabilitation nach einer Operation des primären kongenitalen Glaukoms deutlich effektiver unterstützen als Brillen. Besonders für Kinder, die trotz Brillennutzung keine ausreichende Verbesserung erzielen, bieten die Kontaktlinsen eine valide Option.
Langzeitverläufe, refraktive Entwicklung und Auswirkungen auf chirurgische Filterkissen bleiben offen und erfordern weitere Studien.










