In Deutschland tragen schätzungsweise 3,4 Millionen Menschen Kontaktlinsen, die für einige Erkrankungen des Auges, wie etwa den Keratokonus, durch das Tragen von Brillen nicht zu ersetzen sind. Professor Dr. med. Gerd Geerling, Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Düsseldorf, berichtet in der Online-Vorab-Pressekonferenz der 121. DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) Jahrestagung 2023 in Berlin über steigende Fälle von kontaktlinsenassoziierten Infektionen der Hornhaut und deren tiefgreifenden Folgen.
Kontaktlinsen schädigen Schutzbarriere des Auges
Das Auge wird durch einen intakten Tränenfilm sowie durch das Hornhautepithel vor Erregern der Außenwelt geschützt. Wird jedoch eine Kontaktlinse eingesetzt, beeinträchtigt diese jenen Tränenfilm und kann Mikrotraumata der Hornhaut verursachen. Erregern können diese als Eintrittspforte dienen und infolge Infektionen auslösen.
Verändertes Erregerspektrum kann Behandlung erschweren
Neben durch Viren und Bakterien bedingte Infektionen kommt es besonders bei Trägern von weichen Kontaktlinsen zu vermehrten Infektionen durch Pilze und Amöben, welche durch Biofilmbildung zu den hartnäckigeren Erregern zählen und eine Behandlung erschweren können. In Europa kommt es zunehmend zu Hornhautinfektionen auf Schimmelpilzerregerbasis. Die Patienten müssen teilweise monatelang behandelt werden und die Hälfte der Betroffenen sind dennoch transplantationspflichtig, bei 10% kann das Auge nicht erhalten werden.
Klimawandel beeinträchtigt Wandel des Erregerspektrums
Waren früher vermehrt Hefepilze die Erreger von kontaktlinsenassoziierten Augeninfektionen, so sind es inzwischen eher Schimmelpilzerreger. Es sei zu vermuten, dass dieser Wandel auch mit den geänderten klimatischen Bedingungen in den europäischen Breitengraden in Verbindung zu bringen sei.
Kontaktlinsen-Hygiene als wichtigste Präventionsmaßnahme
Geerling rät dazu, sich strikt an die Hygienevorschriften der Kontaktlinsenhersteller zu halten und ebenfalls den Kontaktlinsenbehälter ordnungsgemäß zu pflegen. Auch dieser kann eine potenzielle Erregerquelle darstellen, sofern er beispielsweise mit Leitungswasser befüllt wird, welches nicht steril ist und somit die Ansiedelung von Keimen an der Kontaktlinse ermöglicht.
Zusätzlich wird davon abgeraten, mit Kontaktlinsen in natürlichen Gewässern schwimmen zu gehen, da somit das Risiko für eine Infektion mit Akanthamöben erhöht wird, welche besonders schwer zu therapieren ist.
Eintageslinsen verhindern Infektionen nicht
Auch bei Kontaktlinsen, die täglich gewechselt werden, verbleibt ein Infektionsrisiko. Hier käme es insbesondere zu Fällen von Infektionen, wenn die Linsen länger als vorgeschrieben auf dem Auge aufliegen. Dadurch können Tränenfilm und Hornhaut beschädigt werden.
Abschließend sei daher festzuhalten, dass Kontaktlinsen in jedem Fall hygienisch gepflegt werden müssen und dabei neben den Linsen selbst auch auf die Reinigung aller in Kontakt stehenden Medien, wie Kontaktlinsenbehälter, Reinigungsflüssigkeit und das Waschen der Hände zu achten sei. Auch die Tragedauer und die Trageumgebung können Einfluss auf ein erhöhtes Infektionsrisiko nehmen, werden die Empfehlungen missachtet.










