Langfristige Regeneration der Kornea nach Transplantation kultivierter allogener Endothelzellen

Ein Versagen des Korneaendothels bedroht den Visus der Betroffenen. Eine Therapiemöglichkeit stellt die Transplantation von Korneazellen dar. Eine innovative Methode ist die Verwendung kultivierter allogener Endothelzellen. Eine Studie belegt nun die Langzeitwirksamkeit dieses Ansatzes.

Cornea Aufbau

Visusverlust durch Endothelversagen der Kornea 

Die Transparenz der Hornhaut ist essentiell für gutes Sehen und wird durch ein funktionsfähiges Korneaendothel gewährleistet. Bei einem Endothelversagen der Kornea – beispielsweise durch die Fuchs-Dystrophie, einer genetischen Erkrankung oder durch Komplikationen bei intraokulären chirurgischen Eingriffen– kommt es zu einem Ödem und der Eintrübung der Kornea. In Folge verschlechtert sich der Visus.

Abhilfe schafft Endotheltransplantation – Problem ist Verfügbarkeit von Spenderkorneas

Da sich das Endothel der Kornea nicht regenerieren kann, wird versucht das Endothel zu ersetzen. Die Descemet Membran Endothel Keratoplastik (DMEK) und die Descement stripping automated endothelial keratoplasty (DSAEK) - auch lamellierende Endotheltransplantation genannt - sind als klassische Therapien etabliert, aber auf geeignete Spenderhornhäute angewiesen. Hier stellen vor allem die Verfügbarkeit und Qualität des Spendergewebes, das meist von älteren Menschen stammt, eine Herausforderung dar. Zudem ist das Langzeitoutcome dieser Transplantate nicht so gut wie die Erfolgsraten bei anderen allogenen Organtransplantationen, wie beispielsweise der Leber oder Niere. Das Transplantatversagen beruht in diesem Fall allerdings nicht auf immunologischen Ereignissen, sondern auf zellulären Dysfunktionsprozessen. 

Alternative: Transplantation kultivierter allogener Kornea-Endothelzellen

Innovative Behandlungsansätze, bei denen kultivierte allogene Kornea-Endothelzellen transplantiert werden, versprechen eine regenerative Alternative. Vorteile sind hier die Bildung einer funktionellen Endothelschicht im Bereich der hinteren Korneaoberfläche und damit die Verjüngung sowie die Möglichkeit mit einem Spender bis zu 1.000 Augen behandeln zu können. Der kurzfristige Erfolg konnte bereits in einer Studie mit einem 2-Jahres-Follow Up bestätigt werden. 

Studie untersuchte Langzeiterfolg des innovativen Ansatzes

Doch bislang fehlten robuste Langzeitdaten. Diese Lücke adressiert die hier vorgestellte prospektive Beobachtungsstudie, die prospektiv 65 Patienten bis zu 10 Jahre nachbeobachtet hat.  Das primäre Ziel war, zu untersuchen, ob die Transplantation von kultivierten humanen Korneaendothelzellen über lange Zeit hinweg die Hornhauttransparenz, die Endothelzellendichte und den Visus der Patienten erhält.

Die transplantierten kultivierten allogenen humanen Zellen wurden in Dosen von 0,2 bis 1,0 × 10⁶ Zellen in die vordere Augenkammer injiziert, ergänzt durch einen ROCK-Inhibitor. Hierdurch wurde das Überleben und die Wirksamkeit von Zellen bei der Transplantation verbessert.

Erhalt der Hornhauttransparenz bei >83 % der Patienten nach zehn Jahren

Die Behandlung erreichte Erfolgsraten für die Erhaltung der kornealen Transparenz von: 98,5 % (24 Wochen postoperativ) bzw. 93 % (fünf Jahre nach der Operation) bzw. 83,7 % (zehn Jahre postoperativ). Dies bedeutet, dass ein hoher Anteil der behandelten Augen über lange Zeiträume eine klare Hornhaut behielt.

Angestrebte Endothelzelldichte wurde bei einem Großteil der Patienten über fünf Jahre erhalten

In 79,6 % der Fälle wurde im Fünf-Jahres-Follow-Up eine Zelldichte von > 1000 Zellen/mm² erreicht. Dies deutet darauf hin, dass die Zelldichte relativ stabil blieb, ohne dramatische Degeneration.

Auch die zentrale Hornhautdicke blieb in den meisten Fällen (85,4 %) unter der definierten Schwelle von 630 µm. Dies deutet auf eine effektive Pumpfunktion hin. 

Langfristige visuelle Verbesserung 

Bei einem Großteil der Patienten (85,7 %) war die visuelle Verbesserung auch nach fünf Jahren nachhaltig. Das Ausmaß der Verbesserung beim 24-Wochen Follow-Up war mit dem der 10-Jahresuntersuchung vergleichbar.

Therapie war effektiv und sicher

Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen oder Abstoßungsreaktionen berichtet. 

Outcome der vorgestellten allogenen Korneatransplantation vergleichbar oder besser als derzeitig angewandte Methoden

Das Outcome der vorgestellten Operationsmethode ist laut den Studienautoren damit vergleichbar oder sogar besser als das der derzeitig angewandten Methoden der Korneatransplantation. Sie betonen, dass keine schwerwiegenden Komplikationen aufgetreten sind und obwohl die transplantierten Korneazellen allogen waren, keine Abstoßungsreaktion beobachtet wurde. 

Autor:
Stand:
31.10.2025
Quelle:

Kinoshita et al. (2025): Long-term Corneal Rejuvenation after Transplantation of Cultured Human Corneal Endothelial Cells. Ophthalmology. DOI: 10.1016/j.ophtha.2025.05.020  

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