Zunehmender Bedarf an Ophthalmopathologie

Die Pathologie entwickelt sich immer weiter. Eine Subspezialisierung ist die ophthalmologische Pathologie, deren Bedarf zu steigen scheint. Ein schwedisches Forscherteam hat dies nun in ihrer Studie untersucht.

Gewebeuntersuchung

Seit über 100 Jahren existiert die Pathologie als unabhängiges Fachgebiet der Medizin. Es wurde immer wichtiger, Krankheiten und ihre Symptome messbaren und beobachtbaren Krankheitsprozessen in Organen und Zellen zuzuordnen [1]. Die moderne Pathologie wurde ermöglicht durch eine technische Revolution, die zu Probenverarbeitung, Färbungen der Präparate, der Entwicklung des Mikrotoms und Lichtmikroskopie mit verbesserter Belichtung, Linsen und Objektiven führte.

Während des 20. Jahrhunderts kamen schnell weitere neue Technologien hinzu, wie beispielsweise Immunfluoreszenz, Immunhistochemie, Elektronenmikroskopie und Polymerasekettenreaktion (polymerase chain reaction [PCR]), die große Fortschritte in der Krankheitsbekämpfung und dem Verständnis der Erkrankungen brachten [2].

Ophthalmologische Pathologie erfordert augenärztliches Spezialwissen

Die ophthalmologische Pathologie als Gebiet der Pathologie umfasst beispielsweise Untersuchungen von okulären Tumoren, Enukleationen, Exzisionen und Biopsien am Auge [3]. Es gibt eine große ophthalmologisch spezialisierte Pathologie „St. Erik Ophthalmic Pathology laboratory“ in Stockholm, Schweden.

Fast ausnahmslos werden komplexe Pathologien wie beispielsweise enukleierte Augen mit Uvealmelanom, Retinoblastom, Biopsien von intraokulären Tumoren und primär erworbener Melanose (primary acquired melanosis [PAM]) dort von subspezialisierten ophthalmologischen Pathologen untersucht. Einige Präparate werden jedoch fachübergreifend von HNO-Pathologen, Dermatopathologen, Allgemeinpathologen etc. untersucht.

Entwicklung ophthalmologische Pathologie in Schweden

Das St. Erik Ophthalmic Pathology laboratory analysierte nun sein Register und die Entwicklung der Proben sowie Patientencharakteristika im Laufe der Zeit [4].

Hierfür wurden die Daten von allen untersuchten Proben der ophthalmologischen Pathologie von 1959 bis Dezember 2021 untersucht. Insgesamt untersuchten die Studienautoren die Daten von 33.057 Proben. 44% der Proben stammten von männlichen Patienten, 56% von weiblichen Patienten. Das mittlere Alter zum Zeitpunkt der Operation betrug 58 Jahre ± 23 Jahre.

Bedarf an ophthalmologischer Pathologie

Die Studienautoren sahen, dass zwischen 1959 und 1967 weniger als 100 Proben pro Jahr an das Labor geschickt wurden. Danach stiegen die eingehenden Proben mit einer Unterbrechung bis zum heutigen Datum stetig an. Die durchschnittliche jährliche Veränderung für die gesamte Zeitspanne betrug +10,5%. Aktuell erhält das Labor >1.000 Proben pro Jahr. Dies entspricht mehr als der Verdreifachung der initialen Einsenderate vor 1990.

Eine mögliche Erklärung hierfür sehen die Studienautoren in der gestiegenen Lebenserwartung der Patienten. Zum Zeitpunkt der Operation waren die Frauen im Mittel älter als die Männer (59,4 versus 56,4 Jahre; p<0,0001). Zudem sahen die Studienautoren, dass im Laufe der Jahre das Alter der Patienten zum Zeitpunkt der Operation um jährlich 0,3 Jahre anstieg.

Fazit

Der Bedarf an spezialisierter pathologischer Untersuchung von ophthalmologischen Präparaten stieg in den letzten Dekaden deutlich an.

Autor:
Stand:
22.05.2023
Quelle:
  1. Rothstein (1979): Pathology: the evolution of a specialty in American medicine. Med Care. 1979;17(10):975–88
  2. Sobel et al. (2008). The Evolution of Molecular Genetic Pathology: Advancing 20th-Century Diagnostic Methods into Potent Tools for the New Millennium. The Journal of Molecular Diagnostics : JMD; DOI: 10.2353/jmoldx.2008.080113
  3. Gill et al. (2022): Trends in Uveal Melanoma Presentation and Survival During Five Decades: A Nationwide Survey of 3898 Swedish Patients. Frontiers in Medicine; DOI: 10.3389/fmed.2022.926034
  4. Stalhammar et al. (2023): Increasing demand for ophthalmic pathology: time trends in a laboratory with nationwide coverage. BMC Ophthalmology; https://doi.org/10.1186/s12886-023-02828-1
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